Das Appartement

OT: -  125 Minuten -  Tragikomödie
Das Appartement
Kinostart: 16.09.1960
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Viele scheinen zu vergessen, dass Billy Wilder der erfolgreichste österreichische Filmemacher in Hollywood war und bis zum heutigen Tage ist, denn bisher konnte kein Österreicher seinen Erfolg in Hollywood nachmachen oder gar übertreffen. Beim Film Das Appartement handelt es sich um einen der erfolgreichsten (und auch zugleich besten) Filme aus seinem grandiosem Schaffenswerk. Bei der Oscarverleihung 1961 gewann er fünf von zehn goldenen Statuen, davon gewann Billy Wilder drei (Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch). Abgesehen vom kommerziellen Erfolg gehört Das Appartement neben Klassikern wie Manche mögen´s heiß, Boulevard der Dämmerung, Das verlorene Wochenende und Frau ohne Gewissen zu seinen bekanntesten und angesehensten Filmen. Diese kurze Liste zeigt, was er im Laufe seiner Karriere immer wieder bewiesen hat, nämlich dass er zu den vielseitigsten Filmemacher aller Zeiten zählt.

Mit Das Appartement geht er, nach Manche mögen´s heiß, abermals ein auf den ersten Blick romantisches Thema an. Doch wie bei allen seinen Filmen bleibt es nicht dabei, und er beschränkt sich nicht nur auf ein Genre. Er hält sich zwar durchaus an die gängigen Regeln des Genres, schafft es aber immer wieder, jeder Art von Film die neuesten und erfrischendsten Wendungen und Situationen abzuverlangen, ohne dass es jemals gekünstelt oder unecht wirkt. Er bleibt sich, seinen Figuren und Geschichten treu, wird dabei aber nie unoriginell oder wiederholt sich.

Aber zunächst mal zur Handlung des Films, die auf den ersten Blick einfach anmutet. C.C. Baxter (famos: Jack Lemmon) arbeitet in einer gigantischen, identitätslosen Versicherungsfirma. Um in der Firma schneller aufsteigen zu können, überlässt er seinen diversen Vorgesetzten mehrere Abende in der Woche sein Appartement, damit sie dort mit ihren Liebschaften Zärtlichkeiten austauschen können, ohne dass die Ehefrauen etwas davon erfahren. Das alles gerät so richtig aus dem Ruder, als er sich in Fran Kubelik (großartig: Shirley MacLaine) verliebt und der Boss seiner Firma Jeff D. Sheldrake (superb: Fred MacMurray) von Baxters Appartement Wind bekommt und es nun selbst nutzen will...

Wenn man sich den Kurzinhalt des Filmes ansieht, könnte man leicht den Fehler begehen, zu glauben, es handle sich dabei bloß um eine weitere romantische Screwball-Komödie aus den 60er Jahren. Weit gefehlt! Obwohl natürlich die Romantik nicht ganz ausgeschlossen werden kann, so ist sie letztlich doch nur Mittel zum Zweck, das benutzt wird, um die Mechanismen der gewinn-, geld- und vergnügungsorientierten Gesellschaft unter die Lupe zu nehmen. Gezeigt wird eine Welt, die jegliche Skrupel verloren hat und ungeniert Menschen und Gefühle ausnutzt, nur um eigene Vorteile daraus zu schöpfen, während dabei das „Menschsein“ auf der Strecke bleibt. Aber genau darum geht es. Darum, diese zutiefst vergrabene Menschlichkeit wieder zurück zu gewinnen. Denn letztlich ist es nicht unser Äußeres, unser Aussehen, das uns zu Menschen macht, sondern unser Verhalten und unsere Taten.

Dabei zieht Das Appartement alle Register, ohne jemals wie ein Schullehrer mit dem erhobenen Zeigefinger zu deuten, um die Zuschauer zu belehren. In erster Linie will der Film gefallen und unterhalten. Darüber hinaus schafft er auch noch das großartige Kunststück, dem Zuschauer eine überaus scharfsinnige, aber subtile Satire zu bieten. Eine vor allem für damalige Verhältnisse schwarzhumorige und überaus zynische Analyse der Gesellschaft, die jedoch die Hoffnung zulässt, dass es zumindest für einzelne Menschen noch einen Ausweg und eine Möglichkeit zur Rückkehr zur Menschlichkeit gibt. Und ja, es ist auch ein Film, der eine liebevolle, romantische Handlung bietet, die vermutlich selbst einem kaltblütigen Auftragskiller das Herz erwärmen würde, ohne je kitschig oder klischeehaft zu sein. Damit schafft Das Appartement scheinbar spielerisch einfach den Spagat zwischen der grandiosen Unterhaltung des Zuschauers und einer grundlegenden, tiefschürfenden Darstellung der menschlichen Gesellschaft.

Ganz besonders C.C. Baxters Appartement an sich dient dabei als Mikrokosmos der Zivilisation. Darin wird die Korruption zutage gefördert, die sich mittlerweile tief in unserem Alltagsbewusstsein verwurzelt hat, wodurch sie schon so gut wie unsichtbar geworden ist und meistens gar nicht mehr wahrgenommen wird. Sein Appartement bringt im kleinen, abgeschlossenen Raum, seiner, sollte man meinen, intimen Privatsphäre das hervor, was in der großen Kapitalgesellschaft ständig geschieht. Große Fische fressen kleine Fische, ohne Rücksicht auf Verluste, ganz zu schweigen von Menschlichkeit, so lange, bis sich die kleinen Fische weigern, gefressen zu werden. Manchmal ist dazu halt ein (wörtlicher) Schlag ins Gesicht notwendig, um das zu begreifen und sich diese Behandlung nicht mehr gefallen zu lassen.

Fazit:
Dass es sich bei Das Appartement um einen der besten Filme aller Zeiten handelt, sollte mittlerweile klar sein. Dass es sich dabei aber auch um einen Film handelt, der permanent auf den Top 20-Listen der besten Filme aller Zeiten vergessen wird, ist leider eine traurige Tatsache. An diesem Film stimmt einfach alles. Ein großartiges, brillant geschriebenes Drehbuch. Eine Regie, die immer der Geschichte dient und nie zum Selbstzweck entartet, bis hin zu Schauspielern, die ihre Figuren perfekt darstellen, allen voran der immer wieder unterschätzte, aber unglaublich begnadete Jack Lemmon. Ein wirklich seltenes Beispiel eines perfekten Filmes.

Bewertung:

10/10 Punkte

Oscars:
Gewonnen:
* 1960 - Bester Film
* 1960 - Beste Regie - Billy Wilder
* 1960 - Bestes Original Drehbuch
* 1960 - Bester Schnitt
* 1960 - Beste Ausstattung

Nominiert:
* 1960 - Bester Hauptdarsteller - Jack Lemmon
* 1960 - Bester Nebendarsteller - Jack Kruschen
* 1960 - Beste Hauptdarstellerin - Shirley MacLaine
* 1960 - Beste Kamera
* 1960 - Bester Ton

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