Fitzcarraldo

Fitzcarraldo
Fitzcarraldo
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Filmstart: 04.03.1982 | Laufzeit: | Abenteuer-Drama

Fitzcarraldo-Scene09.jpgWerner Herzog und Klaus Kinski. Sie waren die Traumpaarung des deutschen Films und ihre Werke sind heute noch unvergessen und unerreicht. Für den deutschen Film haben sie Berge versetzt und ihr wohl ambitioniertester Film, und neben Aguirre – Der Zorn Gottes wohl auch der zentrale Film ihres Schaffens, Fitzcarraldo versucht sich passender Weise auch daran Berge zu versetzen. Der fertige Film, und die dazugehörige Entstehungsgeschichte sind schlicht so imposant, dass sie dem Zuseher die Kinnlade herunterkippen lassen.

Iquitos, Peru am Anfang des 20. Jahrhunderts: Brian Sweeney Fitzgerald, genannt Fitzcarraldo (Klaus Kinski) ist ein Träumer. Er plante bereits eine Eisenbahn durch den Urwald und scheiterte, doch nun ist er schier vom Gedanken besessen ein Opernhaus im Dschungel zu errichten und dort Enrico Caruso singen zu lassen, um diesen wilden Ort mit Kultur zu überziehen. Da ihm jedoch das nötige Geld für dieses Vorhaben fehlt, kommt es ihm gerade Recht, dass er von einem entlegenen Kautschukfeld erfährt, dass von keinem geerntet wird, weil man es mit keinem Transportmittel erreichen kann. Doch Fitzcarraldo will nicht aufgeben, und plant mit einem riesigen Dampfschiff loszufahren, und an einer Stelle das Schiff über einen Berg ziehen zu lassen, damit er den Kautschuk abtransportieren kann…

Das Projekt Fitzcarraldo ist in jeder Hinsicht „Larger than Life“ und kann sich in einer Reihe mit solch Filmen wie 2001 – Odyssee im Weltraum oder Apocalypse Now! stellen, wie auch Kritikerpapst Roger Ebert in seiner Rezension zum Film einst anmerkte. Es hat etwas höchst magisches an sich wie die Dreharbeiten immer weiter aus dem Ruder gelaufen sind, schließlich solch katastrophale Ausnahmen annahmen, dass man ohne Zweifel davon sprechen kann, dass sich der Film Fitzcarraldo während den Dreharbeiten beinahe in der Realität mit Werner Herzog als Hauptdarsteller abgespielt hat, und am Ende dennoch nichts von diesen Problemen im Film zu sehen sind.

Fitzcarraldo-Scene02.jpgUrsprünglich wollte Werner Herzog den Film mit Jason Robards in der Hauptrolle und Rolling Stones Frontmann Mick Jagger als Sidekick drehen, doch mitten unter den Dreharbeiten, erkrankte Robards so schwer, dass ihm vom Arzt verboten wurde in den Dschungel zurückzukehren. Daraufhin war Herzog sogar soweit, dass er selbst den Fitzcarraldo spielen wollte, falls es keine andere Möglichkeit geben sollte. Im Grund genommen trägt die Rolle ohnehin viel von Herzog in sich, aber zum Glück für alle, war Klaus Kinski bereit die Rolle zu übernehmen. Die Rolle von Mick Jagger wurde daraufhin zwar aus terminlichen Gründen gestrichen, aber dem fertigen Film hat die Besetzung von Kinski nur gut getan.

Doch die Probleme waren damit keinesfalls gelöst. Klaus Kinski wütete am Set, und die Rückkehr in den Dschungel führte zu noch desaströseren Bedingungen als bei Herzogs erstem Dschungelfilm Aguirre – Der Zorn Gottes. 20th Century Fox hatte Herzog angeboten den Film zu produzieren, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Überquerung des Berges in der kontrollierbaren Umgebung eines Studios gedreht werden würde, doch Herzog lehnte das Angebot ab. Er wollte den gesamten Film vor Ort drehen, und ein solcher Kompromiss kam für ihn gar nicht in Frage.

So produzierte Herzog selbst, und wollte die Überquerung des Berges ohne Tricks und doppeltem Boden zeigen: Das Schiff musst tatsächlich nur mit Menschenkraft und Seilwinden über den Berg befördert werden. Während den Dreharbeiten glaubte allerdings niemand, mit der Ausnahme von Werner Herzog natürlich, dass dies überhaupt möglich ist. Für die Stimmung am Set war dies natürlich nicht gerade förderlich, und parallel häuften sich auch die Vorwürfe aus der Heimat, dass Herzog die Indianer unmenschlich behandeln würde, was einer Prüfung durch Amnesty International allerdings nicht stand hielt.

Fitzcarraldo-Scene03.jpgLes Blank nutzte die katastrophale Entstehungsgeschichte des Films um seine preisgekrönten Dokumentation Burden of Dreams zu drehen, die einen Blick hinter die Kulissen gewährt, und auch gleichzeitig eine äußerst interessantes Bild des Regisseurs Herzog zeichnet. Auch in der Kinski Doku Mein liebster Feind wirft Herzog einen Rückblick auf die Dreharbeiten, und berichtet unter anderem davon, wie ein Arbeiter, der im Dschungel Bäume fällen sollte, von einer der giftigsten Schlangen der Welt in den Fuß gebissen wurde, und sich deshalb, um sein Leben zu retten, mit einer Kettensäge den Fuß oberhalb des Bisses abgeschnitten hat.

Dieser kleine Auszug aus den Katastrophen des Films, sollte dem Leser eine ungefähre Vorstellung davon geben, welche Aura dieses Werk umgibt, und obwohl man dem Film an sich seine abenteuerliche Produktion nicht im negativen ansieht, so hüllt sie Fitzcarraldo doch in einen besonderen Schleier, der etwas magisches an sich hat, und dem Film etwas gibt, dass man nicht für alles Geld der Welt kaufen könnte. Fitzcarraldo trickst nicht, der Film erzählt die reine Wahrheit über Regisseur Werner Herzog und ist die destillierte Essenz seines künstlerischen Schaffens. Sein zentrales Werk wenn man so will, obwohl man durch diese Aussage all seinen anderen Filmen unrecht tut.

Es ist die kulturelle Eroberung des Dschungels. Das wilde, undurchdringliche Dickicht, das alles zivilisierte scheinbar in sich aufsaugt. Wie die Dreharbeiten eindrucksvoll belegt haben, ist die Eroberung des Dschungels eine Eroberung des Unmöglichen. Und wie es so schön in Herzogs Schaffen passt, auch eine „Eroberung des Nutzlosen“. Man kann vielleicht Teilerfolge feiern, aber über kurz oder lang wird das Wilde in seiner Heimat immer die Oberhand behalten.

Fitzcarraldo-Scene08.jpgIn diesem, vielleicht nicht ganz so dunklen Herz der Finsternis, wie einst in Aguirre, will der harmlose Träumer Fitzcarraldo mit den Opern Carusos das Licht der Kunst scheinen lassen. Es ist eine so verwegene, so verrückte, und so imponierende Aufgabe, dass sie nur von seinem Alter Ego Werner Herzog auf die Leinwand gebracht werden konnte, der im Laufe der Dreharbeiten immer mehr selbst zum Fitzcarraldo wurde, und damit kämpfte das Boot über den Berg zu bringen, damit er es auf Film bannen konnte.

Es ist auch das Aufeinandertreffen einer westlichen Kultur mit einer scheinbar wilden Kultur, wobei Fitzcarraldo selbst dabei etwas zwischen den Stühlen sitzt. Und diesem kulturellen Aufprall, und die heroische Aufgabe Fitzcarraldos, erzählt Herzog so, wie es nur er kann. In unglaublichen Bildern, die in ihrer visuellen Brillanz kaum erfasst werden können bringt er die Geschichte voran. Und er tut dies ohne auf die Sehgewohnheiten des Zusehers Rücksicht zu nehmen. Herzog gibt seinen Filmen immer einen ganz eigenwilligen Umgang mit der Zeit, auf den man sich einlassen muss, um zur Gänze in seinen Werken zu versinken. Manch einem mag dies gar nicht gelingen, mancher braucht mehrere Anläufe um dieses Umdenken zu schaffen, und wieder andere freunden sich gleich damit an. Wie dem auch sei, Fitzcarraldo ist, genau wie die meisten Herzog Filme, ganz großes Kinos in seiner eigenwilligsten und schönsten Art.

Fazit:
Fitzcarraldo ist wohl neben Aguirre – Der Zorn Gottes, das zentrale Werk im Oeuvre des deutschen Autorenfilmers Werner Herzog. Die Eroberung des Nutzlosen in seiner reinsten Form, und obwohl die abenteuerliche Produktionsgeschichte einen mystischen Schatten auf das Projekt wirft, beeinflusst sie die Qualität doch nicht im geringsten. Fitzcarraldo ist ganz großes Kino, und hat Herzog zurecht in Cannes den Preis für die Beste Regie gebracht. Denn selten wurde die persönliche Obsession eines Regisseurs mit solch epischer Pracht in einen meisterhaften Film gebracht. Fitzcarraldo ist wohl mitunter das größte was der deutsche Film jemals geleistet hat.

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Schiff über Land

Von den vielen Herzog-Filmen ist dies hier wohl der am ehesten Publikumskompatible, und zwar für ein breites Publikum. Zumindest ist es ein farbenprächtiges und bildgewaltiges Epos mit einem unglaublich präsenten Klaus Kinski und einer nicht minder beeindruckenden Claudia Cardinale, die allerdings nur in einer kleineren Rolle glänzen kann. Kinski spielt den Fitzcarraldo nicht, er ist Fitzcarraldo. Ideal gecastet verkörpert er den pragmatischen Träumer. Der bekanntlich ja Berge versetzen kann bzw. ein Schiff über Land. Neben dem unglaublichen Act steht das Verhältnis zu den Eingeborenen im Mittelpunkt. Hier geht Herzog sehr sensibel vor. Die Sprachbarrieren überwinden die Indios durch wortlose, permanente Gegenwart und der Zuschauer erahnt mit Kinski ihre Absichten. Die Ungeheuerlichkeit des Unternehmens vergleicht Kinski mit dem Umstand wie ’wenn eine Kuh übers Kirchendach springt’. Dies ist ingenieurtechnisch durchaus nachvollziehbar weil optisch überzeugend. Chorgesänge verleihen dem Projekt eine gewisse Feierlichkeit. Die Spannung entsteht durch den Gegensatz von Kultur und Natur (Caruso im Dschungel!) - an und für sich unvereinbare Gegensätze. Man versteht sich nicht, aber man kooperiert irgendwie. Europäer und Indios sind letztendlich gleichberechtigt.
Als Idee zeitlos monumental, als Film fast ein Wunder.

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