Der Strohmann

OT: -  95 Minuten -  Komödie
Der Strohmann
Kinostart: 21.01.1977
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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In diesem Film aus dem Jahr 1976 spielt Woody Allen Howard Prince, einen Kassierer, der, aus Geldnot einem Freund einen gefallen erweist. Sein Kumpel ist Drehbuchautor und steht blöderweise auf der (von allen Seiten als nicht existierend bezeichneten) schwarzen Liste, wodurch er seine Drehbücher nicht mehr verkaufen kann und sie nicht mehr verfilmt werden. Die beiden kommen auf die grandiose Idee, dass doch Howard so tun könnte als ob er der Autor wäre und die Drehbücher unter seinem Namen verkaufen. Natürlich muss Howard auch, an Stelle seines Freundes, zu den Meetings mit den Produzenten gehen und den Drehbuchautor spielen. Für seine Dienste wird Howard prozentuell am Verkauf der Drehbücher beteiligt.

Es spricht sich bald herum und Howard vertritt zusätzlich noch zwei weitere Autoren, die ebenfalls auf der schwarzen Liste stehen. Howard Prince avanciert schnell zu einem der erfolgreichsten und gefragtesten Drehbuchautoren. Aber natürlich läuft nicht alles wie geplant. Denn bloß weil es theoretisch ein lückenloser Plan ist und alle davon nur gewinnen können, funktioniert in der Praxis nicht immer alles so wie zunächst gedacht. Howard kann nicht mehr länger bloß als Front für seine Freunde dienen. Er muss Stellung beziehen.

Das auffälligste an Der Strohmann ist, dass es ein absolut typischer Woody Allen Film ist, der aber gleichzeitig gar nicht von ihm gemacht wurde. Hätte Woody Allen sein neurotisches Selbst nicht schon vorher in seinen eigenen Filmen erfunden, so hätten ihn eben Martin Ritt und Walter Bernstein für diesen Film erfunden. Woody Allen spielt wieder mal einfach nur sich selbst, aber das dafür in einer seiner besseren Darstellungen. Der Film lebt zu einem Großteil von seiner Performance und seiner Persönlichkeit. Da stellt sich einem glatt die Frage, wie viel Einfluss er wohl aufs Drehbuch hatte.

Trotzdem wäre es unfair zu behaupten, dass der Film seinen einzigen Reiz aus Woody Allens Darbietung bezieht. Das Drehbuch ist überaus gut geschrieben und enthält scharfe, schnelle Dialoge. Die Regie ist solide und lenkt niemals die Aufmerksamkeit von der Handlung ab. Die Nebendarsteller liefern ebenfalls gute Darstellungen ab. Die Idee des Films ist interessant und sehr gut umgesetzt, wenn auch leider das ganze Potenzial des Stoffes nicht vollends durchkommt. Der Strohmann hat also sehr wohl seine verschiedensten Reize, abseits seines Hauptdarstellers. Jedoch gelingt es dem Film leider nicht, diese auch voll und ganz auszuspielen. Woody Allen ist einfach allgegenwärtig und überschattet alles mit der Darstellung seiner Persönlichkeit. Deshalb hat man ständig das Gefühl in einem seiner Filme zu sitzen, anstatt ihn „nur“ als Schauspieler zu betrachten.

Der Strohmann enthält nun mal all jene Merkmale, die einen Woody Allen Film ausmachen. Das ist nicht unbedingt was schlechtes, hat er doch, gerade damals in den 70er Jahren, einige seiner besten Filme gedreht. Was aber schlecht daran ist, ist die Tatsache, dass der Film dadurch nicht in der Lage ist seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und seinen eigenen Charme auszuspielen. Er steht ständig und immer im Schatten von Woody Allen. Der Umstand, dass es „sein“ Film ist, obwohl er weder Regie führte, noch das Drehbuch schrieb, ist in jeder Szene und Minute des Films spürbar. Manchmal im guten, manchmal leider auch im schlechten.

Gerade diese Woody Allen typischen Situationen und Szenen nerven auf Dauer einfach ungemein. Am Anfang sorgen sie zwar noch für einige Lacher, aber im späteren Verlauf des Films wirkt alles etwas abgedroschen und langweilig. Die Witze funktionieren nur mehr teilweise. In Folge dessen landen dann meist die Nebendarsteller die Pointen und ernten die Lacher. Weshalb der Hauptdarsteller leider hin und wieder etwas fehl am Platz wirkt.

Fazit:
The Front ist ein sehr unterhaltsamer Film, der aber auf Dauer leider doch einige Fehler offenbart, die den, ansonsten durchwegs positiven Gesamteindruck des Filmes etwas trüben. Trotzdem schafft es der Film, als typisches Woody Allen Vehikel zu dienen und bietet einem gute Dialoge und einige sehr lustige Situationen, weshalb sich der Film sein „sehr gut“ alle mal verdient hat. Schade daran ist nur, dass der Film ein überaus großes Potenzial hat und vielleicht ein weitaus besserer Film geworden wäre, wenn er nicht von Woody Allens Persönlichkeit derart vereinnahmt worden wäre.

Bewertung:

7/10 Punkte

Oscars:
Nominiert:
* 1976 - Bestes Original Drehbuch

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