Die Beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreuz

OT: -  14 Minuten -  Kurzfilm
Die Beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreuz
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Filmkritik zu Die Beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreuz

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Die Beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreuz ist nicht nur ein bemerkenswerter Titel, der dazugehörige Film ist nämlich nicht minder außergewöhnlich. Der deutsche Autorenfilmer Werner Herzog hat es ja dem Publikum noch nie wirklich einfach gemacht, aber speziell in seinen frühen Filmen war sein Drang zum Speziellen und Experimentellen noch deutlicher ausgeprägter, als in seinen nicht weniger Besonderen späteren Filmen.

Nach seinem ersten Kurzfilm Herakles, und dem leider nie veröffentlichten Spiel im Sand folgte der hier besprochene Die Beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreuz, der in punkto Skurrilität seinen Vorgänger Herakles locker in den Schatten stellt. Denn während Herzog in Herakles noch auf eher „normaleren“ Pfaden wanderte, und sich nur einen kleinen, ironischen Seitenhieb erlaubte, lässt er hier dem Wahnsinn freien Lauf.

Dabei fällt es äußerst schwer so etwas wie einen Handlungsverlauf nachzuerzählen. Wie bei Herzog typisch ist der Grat zwischen Spielfilm und Dokumentation äußerst schmal, und auch bei Die Beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreuz fließen beide Filmarten ineinander. Der Beginn erinnert noch sehr an einen Dokumentarfilm, als uns in dokutypischen Bildern, mittels Off-Kommentar vermittelt wird, dass die Festung Deutschkreuz seit Jahren leer steht, und man bereits die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Nutzung aufgegeben hat.

Nebenbei wird auch erwähnt, dass die Festung einst von Russen besetzt war, und noch viel früher einmal eine Irrenanstalt war. Ab diesem Moment wechselt der Film eher in Richtung Spielfilm, und zeigt uns wie vier Männer in die Festung einsteigen und dort Uniformen finden, die sie sofort anziehen. Es ist dann im Folgenden sehr schwer nachzuvollziehen was sich genau in der Festung abspielt.

Beinahe wirkt es so, als ob die Männer zunächst nur Krieg spielen wollen, aber durch irgendetwas dem Wahnsinn verfallen. Der Kommentar aus dem Off, der nach der dokumentaren Einführung in eine völlig abstruse Richtung abdriftet spiegelt diesen Eindruck des Wahnsinns, der durch die visuelle Ebene entsteht, auch auf akustischer Ebene wider und wechselt in seinem Text zwischen platten Floskeln und merkwürdigen Ansichten des Kriegs.

Wenn es Verteidiger in der Festung gibt, so meinen die vier Protagonisten, so muss es auch Angreifer geben und begeben sich in Stellung. Enttäuscht davon, dass diese Regel so scheinbar nicht umzusetzen ist, suchen sie sich andere Feindbilder, die sie auch bald in den Bauern finden, die rund um die Festung arbeiten. Am Ende ziehen sie los und werden selbst zu Angreifern. Denn wie uns der Sprecher aus dem Off lehrt, hat jeder das Recht auf seinen Krieg.

Wie gesagt, Herzog macht es dem Zuseher alles andere als leicht, und erzählt eine kurze, aber äußerst wirre Geschichte, die es dem Zuseher überlässt sie zu reflektieren. Er spielt damit mit den typischen Rollentypus des dumpfen Soldaten, und wer will, kann der Festung Deutschkreuz auch ähnliche Eigenschaften anrechnen, wie sie das Hotel in Shining hatte: Sie sehnt sich nach dem Wahnsinn des Krieges, und überträgt diesen auf alle die sie betreten. Natürlich darf man eine solche Theorie auch für Schwachsinn halten, aber das ist doch gerade das schöne an diesem Film.

Fazit:
Die Beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreuz ist erneut ein Film, der nur den Fans von Autorenfilmer Werner Herzog und Anhängern des spezielleren Films, gefallen wird. Der Film ist äußerst konfus und teilweise verstörend geraten und legt seine gesamte Interpretation in die Hände des Zusehers. Zwar zählt er sicher nicht zu den wirklich meisterhaften Werken Herzogs, aber der unbequeme Wahnsinn des Films ist definitiv bemerkenswert.

Wertung:

6/10 Punkte

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