Herakles

OT: -  9 Minuten -  Kurzfilm
Herakles
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu Herakles

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Wenn man sich das Frühwerk von Regievirtuose Werner Herzog, bekannt als einer der wichtigsten Vertreter des neuen deutschen Films und vor allem als jener, der das Talent von Schauspielexzentriker Klaus Kinski wohl am besten kanalisieren konnte, näher betrachtet, dann wird man feststellen, dass auch Genies klein anfangen müssen. Zwar beinhaltet bereits sein allererster Film Herakles einige typische herzogsche Tugenden, aber von der Brillanz seiner späteren Filme ist er noch ein Stück entfernt.

Dabei zeigt Herzog bereits mit Herakles, dass er ein eigenwilliger Filmemacher ist, der nur ein Ziel verfolgt: Er will seine Vision voll und ganz durchziehen, und dafür ist er auch bereit einiges auf sich zu nehmen, wie die zahllosen abenteuerlichen Geschichten von seinen Dreharbeiten beweisen. In Herakles nimmt er aber vor allem auf den Zuseher keine Rücksicht, um sein eigenes, kleines Experiment auch wirklich genauso auf die Leinwand zu bringen wie er es sich vorgestellt hat.

Dass Herzog dabei noch keine technischen Meisterleistung vollbringt, oder mit ähnlich betörenden Bildern überzeugt wie in seinen späteren Filmen, sollte jedem klar sein, handelt es sich bei Herakles doch immerhin um sein erstes kurzes filmisches Experiment, welches noch dazu ohne nennenswerte Gelder entstanden ist. Aber anstatt diesen oberflächlichen Werten, besitzt Herakles einen ganz anderen Reiz, was ihn für Fans des deutschen Autorenfilmers auch so interessant macht: Der Film zeigt nämlich eindrucksvoll, dass Herzog schon am Beginn seiner Karriere einen  Faible für die „Eroberung des Nutzlosen“ hatte.

Der Titel Herakles zielt dabei selbstverständlich auf die griechische Heldensage von Herakles ab, dem vom Orakel von Delphi aufertragen wurde, dass er sich in den Dienst von König Eurystheus stellen soll, welcher wiederum 12 Aufgaben für den starken Helden bereit hielt. Doch wer Herzog kennt, wird bereits ahnen, dass er keinerlei Interesse hegt die 12 Taten eines griechischen Heldens nachzuerzählen. Viel mehr interessiert er sich dafür, wie viel von den damaligen Tugenden in den heutigen Muskelmännern steckt.

Deshalb steht im Zentrum von Herakles auch das Workout einiger Bodybuilder (darunter der damalige Mr. Germany), die sich an den Gewichten abmühen um ihren Körper der Perfektion nahe zu bringen. Werner Herzog wäre aber nicht Werner Herzog wenn ihm dazu nicht ein ironischer Kommentar einfallen würde. Anstatt ein simples Trainingsvideo  zu produzieren, was, mit Verlaub, auch enttäuschend wäre, folgt er zunächst den Tugenden eines solchen Bodybuildingvideos, um dann mit seinem ironischen Rundumschlag zu beginnen.

Denn in seinem knapp 9 Minuten kurzen Werk, unterbricht er die Bilder der Trainierenden um zu hinterfragen was es ihnen bringt ihre Muskeln weiter und weiter aufzupumpen. Dies macht Herzog, in dem der sechs der zwölf Taten des Herakles auf die damalige Zeit umentwickelt um sie den Athleten quasi als fiktive Aufgaben zu stellen. So fragt er in eingeblendeten Texttafeln, ob sie denn den Augiasstall ausmisten, die Lernäische Schlange töten, die Rosse des Diodemus bezwingen, die Amazonen besiegen, die Giganten bezwingen und sich der Stymphalischen Vögel erwehren könnten.

Umgemünzt auf die damalige Zeit müssten sie ein Tal vom dort gelagerten Müll befreien, einen gigantischen Verkehrsstau auflösen, schneller sein als ein Rennwagen, Flugzeuge die Bomben abwerfen aufhalten, usw. und natürlich ist keiner der Athleten diesen Aufgaben gewachsen. In dem er also diese ironischen Einblendungen macht, und die Szenen auch von lockerer und fröhlicher Jazzmusik unterlegt, erschlägt Werner Herzog in diesem Fall zwei Fliegen mit einer Klappe.

Auf der einen Seite zeigt er wie nutzlos und eigensinnig das Training der Athleten doch ist, da sie dadurch (nicht wie in einer griechischen Sage) große Taten vollbringen können, sondern einfach nur dem Selbstzeck frönen, was natürlich die klassische herzogsche Thematik der "Eroberung des Nutzlosen" beinhaltet. Und auf der anderen Seite zeigt Herzog auch ganz deutlich, dass sich seit der Zeit der griechischen Sagen der Mensch viel weniger entwickelt hat als die Technologie, und man kann nicht bestreiten, dass es Herzog sehr viel Freude macht uns dies unter die Nase zu reiben.

Natürlich ist Herakles dabei absolut nicht für die Allgemeinheit geeignet, die wahrscheinlich gar nichts mit dieser Fingerübung Herzogs anfangen kann. Doch für alle die sich näher mit dem Werk Herzogs beschäftigen wollen, ist sein erster Film natürlich Pflicht, da er einen sehr ungeschliffenen (obwohl sich Herzog natürlich seine Ecken und Kanten immer bewahrt hat) Herzog zeigt, der auf leichtfüßige, und nicht allzu komplexe Art versucht den Zuseher auf die metaphysische Ebene des Films zu locken. Dort angelangt ist es auch nicht allzu schwer die Absicht hinter Herakles zu ergründen, aber das ändert nichts daran, dass es trotzdem Spaß macht.

Fazit:
Herakles ist der allererste Kurzfilm von Autorenfilmer Werner Herzog, und dementsprechend ist auch die Umsetzung geraten. Sporadisch, einfach und nicht allzu spektakulär und für die breite Masse ist der Film wohl ganz einfach uninteressant. Doch jeder der sich mit dem Werk Herzogs beschäftigt, wird seine Freude daran haben den Film zu deuten und vor allem zu erkennen wie früh sich Herzog doch schon mit der „Eroberung des Nutzlosen“ beschäftigt hat.

Wertung:

6/10 Punkte

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