Der Mann aus Marseille

OT: -  101 Minuten -  Drama
Der Mann aus Marseille
Kinostart: 08.03.1973
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Mann aus Marseille

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Im zweiten Weltkrieg versucht Roberto Borgo (Jean Paul Belmondo) verzweifelt sich einen Namen in der französischen Unterwelt zu machen, da er Geld braucht um seinen Komplizen aus dem Gefängnis zu holen. Nachdem er sich zum Chef eines kleinen Syndikats gemacht hat, stößt er auf ungeahnte Probleme. Denn die eigenen Männer intrigieren gegen ihn und die Konkurrenz ist mörderisch. Schließlich muss auch er ins Gefängnis und trifft dort seinen Freund wieder...

Ein recht ernster Belmondo, der nichts beschönigt und die Freundschaft zweier Männer über viele Jahre darstellt. Der Film besitzt dramatische wie spannende Momente und lässt in das Unterweltwirrwarr in Frankreich nach dem zweiten Weltkrieg blicken. Dabei trifft der Zuschauer immer wieder auf die gleichen Personen, die versuchen das Beste aus ihrem Leben zu machen und letztendlich doch scheitern. Dramatische, spannende und tragische Geschichte ohne Humor.

Auf Musik wird in diesem Werk fast vollständig verzichtet. Nur ab und an wird in dramatischen und traurigen Szenen melancholische Musik eingespielt, die die jeweiligen Szenen aber nur teilweise gut unterstützen können. Der Film ist im Stil der alten Schule, wo man oft auf dramatische Musik verzichtete.

„Der Mann aus Marseille“ ist kein Film, wie später von Belmondo gewohnt. Er verzichtet hier auf sein Machoauftreten und lustigen Sprüche. Der Film ist herb und trocken inszeniert, so dass die Härte in der Unterwelt noch deutlicher hervorsticht. Schon durch das Intro erfährt man, was man für einen Mann man mit Roberto vor sich hat. Knallhart und schnell streckt er einen Mann zu Boden. Die Schießereien im folgenden Verlauf sind nicht spektakulär inszeniert, bestechen aber durch einen hohen Grad an Realismus. Sie sind aber keineswegs die Kernpunkte der Geschichte.

Nachdem das Szenario um Robertos Kumpan umrissen wurde, versucht Borgo sich Geld zu beschaffen. Trocken und eiskalt tötet er den Chef eines Casinos und macht sich selber zum Boss. Praktisch, wenn man zusätzlich noch einige Huren zum Anschaffen hat. Doch wie es in der Unterwelt so ist, gibt es Neider und Konkurrenz. Seine „Mitarbeiter“ hintergehen ihn und mit der Konkurrenz liefert er sich eine blutige Schießerei. Zwischenzeitlich bleibt aber immer noch Platz für eine Prise Erotik (Claudia Cardinale) oder Selbstdarstellung in Bezug auf nicht willkommene Gäste (werden zusammengedroschen).

Interpretierungswürdig ist und bleibt sein scheinbar ärmlicher Freund, der ihm mehrmals das Leben rettet. Soll er einen Schutzengel oder einfach einen weiteren Komplizen symbolisieren. Jedenfalls ist er im letzten Moment immer zur Stelle. Im Knast trifft er seinen Freund wieder, der natürlich begeistert ist. Hier bleibt dann auch noch etwas Platz um einen kleinen Blick auf Nazis und Hinrichtungen werfen. Die Szenerie wird aber nur abgeschnitten. Mit angegrauten Harren wird ihr älter werden symbolisiert, denn beide haben 20 Jahre abzusitzen.

Die spannendste und grausamste Episode im Film beinhaltet die Entschärfung von Minen. Die Insassen sollen demnach Strandmimen entschärfen und können dadurch Strafverminderung bekommen. Kitzlig wenn am Strand die Minen explodieren und halbtote Männer durch den Sand rennen. Das geht schon mal an die Nieren... Dramatisch wird es aber erst, als sein Freund seinen Arm für ihn opfert. Dabei wird der Film kurz eingefroren, was bei mir immer den „Ist er tot oder nicht“ Schrecken erzeugte.

Zum Ende arbeiten beide als Bodyguards und Rausschmeißer. Als Borgo aber zu viel will, endet das tragisch und er fängt wieder ganz von vorn an. Roberto steht ziemlich genau da, wo er am Anfang des Films schon stand. „Der Mann aus Marseille“ ist eher ein Film für ruhige Gemüter, denn Action wird hier klein geschrieben. Man konzentriert sich auf Figurenzeichnung zweier Freunde, die fast nur Pech im Leben hatten, aber dennoch nie aufgegeben haben und immer wieder ihr Glück versuchten, aber nie fanden. Als Gangsterballade ein kleiner Geheimtipp. Übrigens könnte der finale Treppengang von Jean Reno in „Ronin“ eine kleine Hommage an das Ende dieses Films darstellen. Mal drauf achten!

Jean-Paul Belmondo geht hier passend humorlos und hart zur Sache. Dabei ist er nämlich nicht der smarte Held, zu der er in seinen späteren Rollen wurde. Belmondo besticht einmal mehr durch seine bloße Ausstrahlung und seinem markanten Blick. Tadellos spielt er den nie nachgebenden Menschen, der trotz vieler Niederlagen für seinen Lebenstraum kämpft. Wie die ganze Inszenierung: Trocken und gut.

Fazit:
Obwohl die Inszenierung schon etwas angestaubt ist überzeugt dieser Film mit guten Schauspielern und einer Freundschaft zweier Männer die sich füreinander opfern. Spannendes und dramatisches Gangsterdrama ohne Happy End

Wertung:
8/10 Punkte

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