Rambo

OT: -  94 Minuten -  Drama 
Rambo
Kinostart: 06.01.1983
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Rambo

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Neben seiner „Rocky“ – Franchise erwuchs „Rambo“ in den Achtzigern zum zweiten Standbein für Sylvester Stallone, der untrennbar mit beiden Figuren verbunden ist. Zwar prägten erst die beiden Sequels, in denen dann die Transformierung zur unzerstörbaren Kampfmaschine stattfand, den darauf folgenden kulturelleren Begriff dieses Filmmythos (Oder hast du schon mal gehört, dass jemand gesagt hat, du benimmst dich oder führst dich auf wie Terminator?), doch der Grundstein wurde mit „First Blood“ gelegt. Ursprünglich schon viele Jahre früher geplant, lag das Projekt Jahre auf Eis, um nun mit Stallone in der Hauptrolle endlich realisiert zu werden und anzuklagen.

Der auf dem gleichnamigen Bestseller von David Morrell basierende Klassiker konfrontierte das amerikanische Publikum mit einer bitteren Wahrheit, der sich viele aus Vietnam heimkehrende Soldaten ausgesetzt sahen. Amerikanische Soldaten, die im Auftrag ihres Landes ihr Blut und das des Feindes vergossen hatten, fanden sich nach ihrer Rückkehr in einer neuen Gesellschaft nicht mehr zurecht. Innen- wie außenpolitische Probleme und Fehlentscheidungen und vor allem die vielen Fehler des Vietnamkriegs, der in einem peinlichen Desaster endete und viel länger als ursprünglich geplant dauerte, brachte große Teil Amerikas auf die Barrikaden, sorgte für weltweite Proteste die bis ins eigentlich verbündete Europa reichten und sich schließlich auch auf die Veteranen konzentrierten, die in diesem Konflikt trotz technischer Überlegenheit vor allem psychisch zerbrachen. Kriegsverbrechen, die negative Berichterstattung und nicht zuletzt die ihnen anhaftende Verlierer-Mentalität sorgten in Verbund mit den inländischen Rassenkonflikten und immer neuen Skandalen um die korrupte Nixon-Regierung für ein kochendes, kurz vor dem Sieden stehendes Land, in dem sich viele Soldaten nie mehr zurechtfanden, wie es beispielsweise auch Michael Ciminos „The Deer Hunter“ ausdrückte.

Auch Rambo ist einer dieser fallengelassenen Individuen, die bei ihrer Entsendung noch als Befreier und Helden gefeiert und bei ihrer Rückkehr als Mörder und Kinderschänder beschimpft wurden. Entlassen aus dem Militärdienst und geächtet von der Gesellschaft, dafür mit einem Trauma beladen, ist es ihm unmöglich ein geordnetes Leben zu führen. Ihm trachtet es nach Orientierung und infolge dessen einem Blick rückwärts in vergangene Zeiten. Doch seine Kameraden von damals sind alle tot, nachträglich hingerichtet durch Krankheit und nie geheiltes Seelendilemma.

Die verständnislose Gesellschaft personifizieren gleich eine ganze Handvoll Sheriffs, die in ihrer Kleinstadt im Norden der USA nur den Stimmungstendenzen des Landes nacheifern und jemanden wie Rambo, der nicht wie ein hochdekorierter Kriegsheld sondern mittellos und wie ein Landstreicher nur zu Fuß durch ihre Stadt reisen will, als unwillkommenen Fremdkörper in ihrer idyllischen, simplen Kleinstadt betrachten

Rambos provozierende Gleichgültigkeit gegenüber ihren Weisungen fördert dann im Sheriff-Büro eine arrogant gemeinte Aggression zutage, die den Veteranen nur zu gut an den Umgangston seiner Peiniger in Kriegsgefangenschaft erinnert. Als sich Realität mit seinem Trauma der Vergangenheit vermischt, bricht Rambo aus dem Gewahrsam des verständnislosen Sheriff Will Teasle (Brian Dennehy, „F/X“, „Assault on Precinct 13“) aus und flüchtet in die Wälder, um sich in das Refugium zurückzuziehen, auf das er trainiert und ausgebildet wurde. Teasle ahnt nicht, auf was er sich einlässt und greift schließlich zu maßlosen Mitteln, als er die Nationalgarde herbeiruft und einen Privatkrieg anzettelt, den Rambo annimmt ohne jemanden töten zu wollen, sondern nur sein eigenes Leben zu sichern. Da ihm in seiner Ausbildung alle anderen Konfliktlösungen abtrainiert wurden, bleibt ihm nur der Kampf gegen die Menschen, für die er einst sein Leben riskierte.

Die folgende Jagd auf ihn hält nicht nur, genau wie in Walter Hills „Southern Comfort“, Kritik an der fehlenden Verhältnismäßigkeit amerikanischer Kriegsvorstellungen bereit, sondern drückt darüber eine seltsame Perversität aus. Aus einer Nichtigkeit heraus fühlt sich Teasle in seiner kleinbürgerlichen Allmacht, die ihm der Sheriff-Stern in seinen Augen garantiert, beschnitten und bläst nun mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Hatz auf einen Mann an, der niemandem etwas getan hat und sich nur gegen ihm gegenüber brutal ausgeübte Willkür zur Wehr setzte.

Rambo bleibt dabei bis zum Schluss das verfolgte Zielobjekt, das die ihm antrainierten Fähigkeiten abruft und sich seinem Schicksal stellt, weil es für ihn die Rückkehr in eine bekannte Welt, die Welt des Kampfes, bedeutet. Eine Welt in der er sich auskennt und zu handeln weiß. Diese Tatsache soll Teasle unterschätzen und so kann ihm die Übermacht, eine die Chose als willkommene Wochenendabwechslung zu den einsilbigen Übungen ansehende, Krieg spielende Reservistenarmee, in der Natur auch niemals Habhaft werden.

Colonel Trautman (Richard Crenna), die symbolische Vertretung der Staatsmacht, die bis kurz vor Ende nur betrachtet, folgert und Ratschläge verteilt, dabei aber nur auf taube Ohren stößt und trotzdem nicht die Initiative ergreift, wird hierbei die Rolle der sich schuldig fühlenden, jedoch sich das lediglich im Stillen eingestehenden Vaterfigur zugeteilt. Er, der Rambo erst zu dieser Kämpfernatur programmierte, ist längst nicht mehr in der Lage diesen damaligen Prozess umzukehren und ersucht nun um Schadensbegrenzung, was in Anbetracht der folgenden Sequels dann etwas scheinheilig scheint.

Regisseur Ted Kotcheff („Fun with Dick and Jane”, „The Shooter”), der das Budget von 11 Millionen Dollar seinerzeit gleich um mehrere Millionen gefährlich überzog, brennt in Zusammenarbeit mit Kameramann Andrew Laszlo, der im Vorjahr dank „Southern Comfort” auf diesem Gebiet schon Erfahrung sammelte, ein herbes, weil realistisches und bodenständiges, dennoch in einigen Szenen sehr spektakuläres Actionfestival ab, das darüber hinaus Filmgeschichte schreibende Szenen, wie Rambos Selbstversorgung seiner Risswunde, parat hält. Der Kampf im Wald ist eine wiederkehrende Vietnam-Parabel, in der Tausende von schwer bewaffneten Nationalgardisten unter Teasle den nur mit seinem Survival-Messer bewaffneten Rambo zwar mehrmals in die Ecke treiben, aber nie zur Strecke bringen können und sich immer wieder von der Zähigkeit und dem Einfallsreichtum des Einzelkämpfers blenden lassen.

Das für Teasle sich dann abbahnende persönliche Saigon-Szenario in seiner eigenen Stadt, die Rambo schrittweise zerlegt, um ihn aus der Deckung zu locken, ist dann der logische Abschluss, in den dann auch endlich Trautman eingreift, um größeres Unheil abzuwenden und seinem Schützling die letzte Chance zu lassen, die ihm nie jemand gelehrt hat: Aufzugeben.

Dort bricht dann auch endlich Rambos angestaute Emotionalität, die er zu unterdrücken gelernt hat, durch. Alles was ihm auf dem Herzen lag, sein Trauma, seine gesellschaftlichen Ängste, die fehlenden Möglichkeiten einer Existenz- und Familienbildung, heraus und übergießt sich auf den Verständnis zeigenden Trautman, der seinen ehemaligen Schüler zumindest vor dem Untergang bewahrt und damit erst die Tür für Sequels öffnete. Denn die Romanvorlage sieht genauso Rambos Tod vor, wie die ursprüngliche Fassung mit Rambos Suizid endete, der nach negativen Testscreenings nachträglich in dieses Semi-Happyend umgewandelt wurde.

Fazit:
Dieser unumstößliche Klassiker der Filmgeschichte fährt nicht nur mit einem der besten Scores dieser Zeit des leider inzwischen verstorbenen Genies Jerry Goldsmith („Alien“, „Total Recall“) auf, sondern begründete auch die Erfolgsgeschichte des Produzentenduos Kassar / Vajna, das in den Folgejahren meist gemeinsam eine Reihe qualitativ hochwertiger Actionklassiker hervorbrachten. Als einer der wenigen Filme von Sylvester Stallone wird hier Action mit einer strengen Kritik am verwirrten Nationalbewusstsein Amerikas verflochten. Diese Thematik spielte für die brachialen Actionorgien der beiden Sequels keine Rolle mehr, bleibt damit aber nach wie vor neben dem anders gelagerten „48 Hrs.“ der wichtigste Actionthriller der Achtziger. Tragisch, spannend und gleichermaßen intelligent wie nachdenklich stimmend. Keiner der Beteiligten konnte in seiner Karriere dieses Zusammenspiel von Unterhaltung und Anspruch jemals wiederholen.

Wertung:
9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 17
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