The Happening

OT: -  90 Minuten -  Thriller 
The Happening
Kinostart: 13.06.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Happening

Von am

One Hit Wonder oder Genie? Kaum ein Regisseur der letzten Zeit provoziert diese Frage so wie M. Night Shyamalan, der sich mit seinem Meisterwerk The Sixth Sense seinen eigenen Dämon erschaffen hat. Sein Film war einer der Top-Mainstreamfilme und bekam von allen Seiten großes Lob, doch gleichzeitig wurde natürlich die Messlatte für seine kommenden Filme ein gutes Stück nach oben geschraubt, was schließlich der große Fluch des M. Night Shyamalan werden sollte.

Denn obwohl er mit seinen folgenden Filmen Unbreakable und Signs durchaus noch überzeugen konnte, waren weder Publikum noch Kritiker wirklich zufrieden, da er das Niveau des Vorgängers nicht halten konnte und langsam durch seine aufgesetzten Schlusstwists zu nerven begann. Doch sein großer Abstieg sollte erst danach beginnen: The Village sorgte durch seinen gekünstelten Twist am Ende für verdutzte Gesichter, und das Drehbuch von Das Mädchen aus dem Wasser soll gar so schlecht gewesen sein, dass ihn die Disney-Bosse ausgelacht haben, als er es ihnen präsentierte. Den großen Flop mit dem Film landeten schließlich Warner, die es verständlicherweise ablehnten, den neuen Shyamalan The Happening in die Kinos zu bringen.

Aus dem begnadeten Jungregisseur, dem die Produzenten einst die Welt zu Füßen legten und ihm alle erdenklichen Freiheiten erlaubten, ist also mittlerweile ein potentieller Krisenkandidat geworden, den man nur noch mit der Kneifzange anfasst. Dementsprechend hoch war auch die Last, die für seinen neuen Film The Happening auf ihm lastete. Die Vorzeichen waren schon einmal denkbar schlecht: Da Warner den Film nicht machen wollte, ging Shyamalan zu Fox, doch die willigten erst ein, als sich ein großes Bollywood-Studio an der Finanzierung beteiligte. Nun hat es The Happening aber doch geschafft, und die Welt blickt gespannt in Richtung des Films. Herausgekommen ist das künstlerisch wohl größte Debakel in M. Night Shyamalans Karriere, die wohl endgültig beendet sein dürfte, wenn der Film nicht finanziell das Ruder noch rumreißt.

Elliot Moore (Mark Wahlberg) arbeitet, wie an jedem normalen Tag, in der Schule als Lehrer, und versucht gerade, gemeinsam mit seinen Schülern eine plausible Theorie aufzustellen, warum denn plötzlich die Bienen scheinbar von der Erde verschwunden sind, als es plötzlich passiert: Die Direktorin verkündet, dass es scheinbar einen Giftgasanschlag gegeben hat und der Unterricht beendet ist. Währenddessen sterben draußen die Leute wie die Fliegen, aber so richtig scheint keiner zu wissen was vor sich geht. Eliot beschließt gemeinsam mit seiner Frau Alma (Zooey Deschanel) und seinem Freund Julian (John Leguizamo) und dessen Tochter fort zu fahren. Doch sie ahnen nicht, dass es kein Entrinnen gibt: Denn die Giftgasattacke stammt nicht von Terroristen, sondern von unserem Planeten selbst...

Ein prall gefüllter Kinosaal, in dem es eine Sondervorführung eines neuen Films für die Presse gibt. Die Stimmung ist toll, lautes Gelächter, regelrechte Partylaune und alle amüsieren sich köstlich. Klingt toll? Das wäre es auch, wenn es nicht gerade der neue, apokalyptische Film von M. Night Shyamalan wäre, der da gezeigt würde und der dem Zuseher eigentlich Angst machen sollte. Wie man sich nun vielleicht bereits denken kann, war die gute Stimmung im Publikum also keinesfalls das Ziel.

Was ist da bloß schiefgelaufen? Das werden sich viele fragen, und die Antwort darauf wird wohl doch ein bisschen Raum beanspruchen, da in The Happening wirklich so gut wie gar nichts funktioniert. Der wahrscheinlich wichtigste Punkt ist, dass es so scheint, als hätte M. Night Shyamalan jedes Talent als Autor und Regisseur verloren, denn was er hier in seinen beiden Professionen abliefert kann eigentlich nur als schlechter Scherz verstanden werden.

Sein Drehbuch ist schlicht eine Frechheit. Der Handlungsverlauf zeichnet sich von der ersten Sekunde ab und folgt dann dem klischeebedingten Verlauf eines solchen Films. Stellenweise wirkt The Happening wie ein Zombiefilm, bei dem die Zombies nicht auf andere Menschen losgehen, sondern sich selbst töten. Doch anstatt der lebenden Untoten hat sich M. Night Shyamalan ein ganz anderes, viel bedrohlicheres Feindbild ausgedacht: Unseren Planeten.

Und das ist auch völlig wörtlich zu verstehen. Da M. Night Shyamalan mit The Happening nämlich quasi einen Survivalfilm ohne richtige Gegenspieler inszeniert, muss er sich natürlich anderer Mittel bedienen, um den Zuseher das Fürchten zu lernen. Doch so richtig kreativ war er dabei nicht. Da relativ früh die Theorie im Film entsteht, dass sich der Planet einfach gegen den Menschen wehrt, und also Bäume und Sträuche die Übeltäter sind, werden diese auch als Bösewichte inszeniert. Das Traurige daran ist, dass Shyamalan wohl tatsächlich meint, dass seine geniale Idee funktionieren würde. Einmal geht er sogar soweit, das klassische "Täter jagt Opfer"-Motiv in eine Verfolgungsjagd zu verändern, in der die Protagonisten vor dem Wind fliehen (mit dazugehörigem dunklen Inszenieren des Windes).

Doch das sind nur einmal die gröbsten Schnitzer des Drehbuchs, denn im Detail liegen noch viele weitere Peinlichkeiten versteckt, die aus The Happening endgültig einen Trashfilm machen, der als Partygranate zwar funktionieren könnte, der aber ganz einfach zu dümmlich ist, um ernst genommen zu werden. So geht die Protagonistengruppe an einer Stelle zum Beispiel über eine flache und gut überschaubare Wiese, doch plötzlich dreht sich die Kamera und gibt den Blick auf ein Auto frei, was zur großen Überraschung bei den Protagonisten führt, die das Auto aber schon Minuten vorher erblicken hätten müssen. Im Anschluss darauf steigt Mark Wahlberg in das Auto ein, steigt wieder aus und hat natürlich auch schon einen coolen One-Liner auf der Lippe: „Hey, da hinten ist ein Haus!", welches übrigens ebenso seit Minuten zu sehen war, doch diesmal sogar für den Zuseher. Mancher Leser mag nun meinen, dass dies nicht so schlimm ist. Ist es auch nicht, aber das ist nur eine wahllose Szene aus dem Film, der schier übersät ist mit solchen katastrophal dummen Szenen.

Doch all dies wäre noch nichts ohne die herrlichen Dialoge, die M. Night Shyamalan da seinen Schauspielern in den Mund legt. So wird die ganze Zeit über eine heimliche Affäre von Elliots Frau angedeutet, doch als man sie schließlich mit ihrem „Lover" telefonieren sieht, hört man nur ein „ Wir haben doch nur ein Tiramisu gegessen, also lass mich in Ruhe!". Solch fein nuancierte Gespräche, die übrigens im Kino der Hauptauslöser für die zahllosen Lachkrämpfe der Journalisten waren, kann eben nur ein wahrer Meister seines Fachs schreiben. Besonders amüsant ist aber, dass Shyamalan die Tiramisu-Sünderin Alma fast an der „Fressaffäre" zerbrechen und sie andauernd mit verstörtem Blick in die Kamera starren lässt.

Aber nicht nur das Drehbuch, sondern auch die Regie von Shyamalan erweist sich als ganz große Kunst: Besonders Mark Wahlberg kann einem förmlich Leid tun, wie er dazu gezwungen ist, mit dem ständig gleichen, bescheuerten „Ich bin doch so besorgt" - Gesichtsausdruck durch die Szenen zu stampfen und nur grenzenlos dumme Sätze in den Mund geschoben bekommt. Doch Shyamalan schafft es nicht nur, seine Darsteller wie Vollidioten wirken zu lassen, er hat auch scheinbar jedes Gefühl für Spannung und Stimmung verloren.

Sein Endzeit-Setting wirkt eher wie ein netter Sonntagnachmittag-Ausflug, wirkliche Gruselmomente sucht man vergebens, und abgesehen von den bereits angedeuteten (angedeutet deshalb weil der Film überhäuft ist mit unfreiwilliger Komik und ich dem Zuseher nicht alles verraten will, da diese Komik der einzige Grund ist sich diesen Film überhaupt anzusehen) Schwächen, zeigt Shyamalan auch überdeutlich seinen grünen Daumen und gibt sich als Weltretter der letzten Stunde. Nette Intention, aber bei dem Overkill, der uns zum Thema Umweltbewusstsein momentan von allen Seiten zu erschlagen droht, ist dieser miese Beitrag einfach überflüssig. Als Trash-Partygranate ist The Happening sicher ein Tipp, aber ansonsten ist es wohl die Gurke des Jahres.

Fazit:
Wenn man die letzten Regiearbeiten von M. Night Shyamalan als Straucheln bezeichnet, dann ist The Happening der endgültige Bauchklatscher und markiert den absoluten Tiefpunkt seiner Karriere. Das Drehbuch ist ein schlechter Scherz, voll mit dümmlichen Dialogen und abstrusen Situationen, die Schauspieler können einem fast Leid tun, weil Shyamalan sie wie Vollidioten aussehen lässt, und die dazugehörige Endzeitstimmung ist auch nicht viel besser. Durch seine unfreiwillige Komik macht der Film allerdings einen Riesenspaß und eignet sich somit vortrefflich als Partyfilm. Doch ansonsten gibt es aber auch gar nichts Positives über diesen Megaflop zu sagen. Früher war der Schriftzug "written and directed by M. Night Shyamalan" einmal ein Gütesiegel, mittlerweile ist er leider ein Warnhinweis.

Wertung:
2/10 Punkte
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Ø Wertung: 4.9/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 29
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