10 Fragen an den Dalai Lama (2006)

OT: 10 Questions for the DalaiLama - 86 Minuten - Dokumentation
10 Fragen an den Dalai Lama (2006)
Regie:
Drehbuch:
Kinostart: 04.07.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu 10 Fragen an den Dalai Lama

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Stellen Sie sich folgende Situation vor: Als Regisseur von Reisevideos verschlägt es Sie nach Zentralasien und man gibt Ihnen die aufregende Möglichkeit, den Dalai Lama höchstpersönlich zu treffen und zu interviewen. So geschehen im Fall des Films 10 Fragen an den Dalai Lama, in dem sich Regisseur Rick Ray mit ebendieser Situation konfrontiert sieht. Ein Lebenstraum geht in Erfüllung. In seinem 85-minütigem Tableau des schönen, mystischen und dennoch bedrohlich kargen Dachs der Welt mischt der Dokumentarfilmer munter Fiktion und Realität drauf los, dass es eine wahre Freude ist, dem schier unheiligen Treiben, dem Wildern auf der Leinwand zuzusehen. Rick Ray missachtet so ziemlich jedes Gesetz, das sich ein seriöser Journalist und Filmemacher (und in diesem Fall verkörpert er gewissermaßen beides) auferlegen kann: In schier unreflektierter Art und Weise mengt er Archivaufnahmen bei, in denen die Brutalität der bösen Chinesen gegenüber dem unterdrückten Tibet erst so richtig zur Geltung kommt. Selbst dann, wenn das eigentlich rein filmisch gesehen gar nicht nötig ist - oder er so, im schlimmeren Fall, absichtlich eine falsche Realität (sofern man annimmt, dass diese existiert) erzeugt.


Keine Frage, dass die chinesische Besatzungsmacht in Tibet alles andere als zimperlich umging. Doch in seiner Erleuchtung durch Tenzin Gyatso (so der Mönchsname des XIV. Dalai Lama) vergisst Ray völlig, dass auch in der „guten alten Zeit" Tibet ein Feudalsystem war, in dem nicht gerade Milch und Honig floss. Nein, auch „damals" wurden Sklaven (!!!) hart bestraft und zahlreiche abgetrennte Gliedmaßen übersäten die Straßen. Aber im Zuge der aktuellen „Free Tibet" - Bewegung ist es wohl unanständig solche Dinge überhaupt nur anzudeuten...


Rick Ray macht allerdings von Anfang an keinen Hehl daraus, in welcher Art Film wir uns befinden: Ein Treffen mit dem Dalai Lama sei wohl das schönste Erlebnis in seinem Leben, er idealisiert ihn, wo er nur kann und macht ihm zu Ehren einen Film, für den die Bezeichnung Agitprop mal wieder ganz treffend ist. Die erste Hälfte besteht dabei aus (Landschafts-)Impressionen, gespickt mit Kommentaren des Regisseurs, der so gewissermaßen seine Mission klar macht. Teil 2 des Films widmet sich dann hauptsächlich den titelstiftenden zehn Fragen. Dass hierbei mit keiner Kritik zu rechnen ist, war schon von vornherein klar. Und so wird hochphilosophisch über die Probleme der Welt sinniert: Arme Leute seien eigentlich viel besser dran, weil sie ja nichts zu verlieren hätten - so der Dalai Lama, während hingegen reiche Menschen immer nur nach mehr Geld, Erfolg und Macht streben. Da ist was Wahres dran, und mit Binsenweisheiten dieser Art darf sich der geneigte Zuschauer für die restliche Laufzeit herumschlagen.


Andererseits ist auch der Rest des Films - jenseits von Interviews und Archivaufnahmen - ziemlich unspektakulär und wenig mitreißend gestaltet. Die esoterisch anmutende Musik unterstreicht einmal mehr den Charakter des Films. Schnell drängt sich da der Vergleich mit dem weitaus gelungeneren, weil viel authentischeren Rad der Zeit von Werner Herzog auf. Der ist ähnlich, aber weitaus glaubhafter und spannender, weil er sich eben nicht damit begnügt, Heiligenverehrung zu betreiben, sondern tiefe Blicke hinter religiöse Motivationen wirft, ohne jemals zynisch oder selbstzweckhaft zu werden.


Fazit:

Wer dem Dalai Lama ebenso unkritisch und unreflektiert gegenübersteht, dem könnte dieser Film eventuell gefallen. Aber solche Menschen glauben wohl auch an die Horoskope in wöchentlichen Frauenzeitschriften.


Wertung:

3/10 Punkte

Filmering.at
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