Moby Dick (1956)

OT: -  116 Minuten -  Drama 
Moby Dick (1956)
Kinostart: 17.10.1956
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Moby Dick

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Rückblickend erzählt Ishmael (Richard Basehart) die Geschichte von Captain Ahab (Gregory Peck) und dem Wal Moby Dick. Nachdem er den eigenartigen Harpunier Queequeg (Fredrick Ledebur) kennenlernt, heuern sie zusammen auf dem Schiff „Pequod“ an, welches der eigensinnige Captain Ahab kommandiert. Dieser jagt den weißen Wal Moby Dick, an dem er einst ein Bein verlor. Ahabs Besessenheit geht soweit, dass er sogar Schiff und Mannschaft für den Tod Moby Dicks opfern würde. Ein mörderischer Kampf auf Leben und Tod entbrennt, als man den Wal endlich zu Gesicht bekommt...

Dies ist bestimmt die beste Verfilmung des zeitlosen Klassikers. Als Rückblick erzählt Ishmael sein Abenteuer auf der „Pequod“. Dabei nimmt der Film sich viel Zeit die einzelnen Charaktere vorzustellen und gewährt einen tiefen Einblick in den damaligen Walfang. Gespannt verfolgt man das Geschehen an Bord und kann das Zusammentreffen mit dem Wal kaum noch erwarten. Als es endlich zum Kampf kommt, stockt einem schier der Atmen, denn das Ende ist tragisch. Großartiges Erzählkino, nach einem Bestseller.

Wie in alten Klassiker üblich wird sehr stark und aufdringlich mit Musik gearbeitet. Dem Film gelingt es mit diesem altmodischen Stil, den Zuschauer in eine Reise in die Vergangenheit zu schicken. Nostalgie ist hier wohl das richtige Sprichwort. Weltklasse, wie Ahab und sein Kampf gegen den Wal so glorifiziert werden.

In einer Zeit, in der CGI Effekte und Bombastexplosionen die Filmlandschaft beherrschen, fühlt man sich bei diesem Film wie ein Nostalgiker. „Moby Dick“ beginnt mit der Zusammenkunft der beiden Freunde Ishmael und Queequeg: Beides sind sehr unterschiedliche Menschen, bilden aber trotzdem ein prima Gespann. Vor der Abfahrt folgt noch eine Predigt, sowie die düstere Voraussage eines scheinbar geisteskranken Fremden. Mit diesen Szenen wird das spannende Abenteuer eingeleitet. Schon hier kann der Zuschauer erahnen, was ihn erwarten wird...

Das Leben auf See wird sehr fröhlich geschildert, denn Gesang und fröhliche Seemänner beherrschen das Bild. Captain Ahab bleibt aber lange ein Mysterium und fesselt den Zuschauer auch noch, nach dem man ihn endlich zu sehen bekommt. Während der Fahrt bekommt man die unterschiedlichsten Charaktere vorgestellt, denn für fast jeden ist eine Identifikationsfigur dabei. Ob Starbuck, als bedachter Maat, der immer fröhliche Stubb oder einfach Ishmael als normaler Seemann. Letzterer ist zwar der Erzähler, hat aber eher eine Nebenrolle im Film. Dominieren tut hier nämlich nur einer: Captain Ahab.

Lange rätselt man wie der Mann nun aussieht, dem Regisseur schein es Spaß zu machen die Zuschauer so lange zappeln zu lassen. So passiert es auch ziemlich plötzlich, dass Ahab auftaucht. Ahab ist die zentrale Figur des Films und steht für pure Besessenheit. Obwohl er furchtbar aussieht (dem Mann möchte ich nachts nicht über dem Weg laufen) gelingt es ihm die Mannschaft anzuspornen, so kommt es schon bald zu den ersten Walfängen. Die Szenen des Walfangs sind genau wie die Walfänge heute antiquiert, sehen aber bei weitem nicht so „angestaubt“ aus, wie man erwarten kann. Die Waljagden sind spannend gefilmt worden und sehen sehr dokumentarisch aus. Großes Lob an den damaligen Kameramann. Das Leben auf See scheint sorglos und friedlich, bis Ahab dank eines anderen Kapitäns erfährt, wo Moby Dick sich aufhält.

Von hier an dominiert Ahab, der sich bis dahin eher weniger in den Vordergrund drängte. Mit emotionellen Reden (erinnern im weitesten Sinne an einen gewissen Schnurrbartträger) versteht er es seine Männer mit in den „Moby Dick“ Wahn zu reißen. Aber der Showdown lässt noch ein wenig auf sich warten, denn vorher prophezeien böse Unglücke großes Unheil. Da fällt plötzlich ein Mann über Bord und ein Besatzungsmitglied will sterben. Letzteres wird sehr traurig geschildert und stimmt nachdenklich. Trotz aller Probleme trifft man aber doch auf Moby Dick. Der darauf folgende Kampf ist der Höhepunkt des Films: Spannend, spektakulär und tragisch. Der Verwirrte im Hafen (kurz vorm Auslaufen) sollte recht behalten.

„Moby Dick“ ist ein Klassiker, der besonders von seiner Hauptperson Ahab lebt. Er zieht den Zuschauer von Anfang an in seinen Bann. Weiterhin werden die Waljagden fast dokumentarisch wiedergegeben, denn was hier mit den damaligen Möglichkeiten vollbracht wurde, ist allerhand. Speziell die alten Tricks um Moby Dick und das deutlich veraltete Bildmaterial erzeugen beim Zuschauer ein Gefühl der Nostalgie. Hier war noch echte Handarbeit gefragt, mit der man eine spannendes, dramatisches Meisterwerk zimmerte.

Der Film hat viele exotische und eigenartige Figuren zu bieten, die von den Schauspielern sehr unterschiedlich verkörpert worden. Vor allem Frederick Ledebur gelingt als Queequeg eine außergewöhnliche Darstellung. Der Mann des Films ist aber eindeutig Gregory Peck als Captain Ahab. Selten beeindruckte mich eine Filmfigur, wie dieser Captain. Peck verkörperte den wahnsinnigen und bösen Besessenen so exzellent, dass man meinen könnte, er wäre der wiedergeborene Captain oder hätte wirklich ein Bein verloren. Peck fesselt den Zuschauer dank seines Auftretens und seines Blickes an den Sessel. Perfekter geht’s nimmer.

Fazit:
Spannender Klassiker, der aus heutiger Sicht aber etwas angestaubt ist. „Moby Dick“ zeigt den Kampf eines wahnsinnigen Kapitäns gegen einen weißen Wal mit einer nie da gewesenen Faszination. Bis in die letzte Nebenrolle wurde der Film gut besetzt und liefert nebenbei noch einen Blick auf den Walfang. Besonders Liebhaber alter Filme kommen hier auf ihre Kosten, denn „Moby Dick“ ist ein Evergreen, den man wirklich gesehen haben sollte.

Wertung:
9/10 Punkte

Filmering.at
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