Nie wieder Sex mit der Ex

OT: -  100 Minuten -  Komödie 
Nie wieder Sex mit der Ex
Kinostart: 13.06.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Nie wieder Sex mit der Ex

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Die romantischen Komödien dümpeln schon seit Jahren auf einem eher unbefriedigenden Niveau vor sich hin, doch langsam aber sicher zogen sie auch das reine Klamaukkino mit sich hinunter. Kreative Ideen sucht man vergebens, die großen Gags von früher weichen immer strenger berechneten, platten Witzchen, die sichtlich so zugeschnitten sind, dass sie den größten gemeinsamen Nenner des Zielpublikums erreichen, welches wiederum immer so breit gefächert wie möglich sein soll, und wenn man nicht die Grenze zur RomCom überschreitet, dann handelt es sich wohl um eine geistig flache Filmparodie.


Und das alles, obwohl das Publikum Komödien liebt, doch man braucht sich nicht wundern, dass die Kritiker mittlerweile schon mit den Augen rollen, wenn sich ein weiterer solcher Film nähert. Doch dann kam Judd Apatow und schaffte es mit seinen selbst inszenierten Filmen Jungfrau (40), männlich, sucht... und Beim ersten Mal, dem Genre neues Leben einzuhauchen. Doch es blieb nicht nur bei seinen eigenen Filmen, er beteiligte sich als Produzent auch an den Werken seiner Freunde.


Die „Apatow-Gang", wie sie mittlerweile genannt wird, zeichnet unter anderem für den Komödienhit Superbad verantwortlich, und eben auch für den hier besprochenen Nie wieder Sex mit der Ex (im Original Forgetting Sarah Marshall). Inszenieren durfte diesmal Apatow-Freund Nicholas Stoller, der gemeinsam mit Judd Apatow das Drehbuch zu Dick und Jane verfasste, und Jason Segel, der sich in Beim ersten Mal noch mit einer Nebenrolle begnügen musste, durfte als Hauptdarsteller ran und verfasste auch das Drehbuch. Schön, dass auch diesmal wieder ein höchst unterhaltsamer Film dabei herausgekommen ist.


Peter Bretter (Jason Segel), der als Komponist für die erfolgreiche TV-Serie Crime Scene arbeitet, ist bereits seit über fünf Jahren mit der Hauptdarstellerin eben dieser Serie zusammen: Sarah Marshall (Kristen Bell). Doch wie aus heiterem Himmel macht sie plötzlich Schluss mit ihm. Zunächst will sie noch auf ihrem Standpunkt beharren, dass sie sich auseinander gelebt hätten, doch bald schon gibt sie zu, dass ein anderer Kerl der wahre Grund ist. Tief deprimiert beschließt Peter, nach Hawaii zu fliegen, um die Sache zu vergessen. Doch als er dort ankommt, muss er feststellen, dass er im selben Hotel wie Sarah wohnt, die dort gerade mit ihrem neuen Lover, dem Rockstar Aldous Snow (Russel Brand), Urlaub macht...


Es sind nur Kleinigkeiten, die bewirken, dass sich die Filme der Apatow-Gang anders anfühlen als andere Komödien. Die Grundmuster des Films entsprechen meistens denen einer romantischen Komödie, und im Wesentlichen unterscheiden sich die Plot Points auch nicht vom Gewohnten. Doch als Helden werden meistens klassische Außenseiter eingesetzt, die dem normalen Hollywoodhelden in allen Punkten widersprechen. Ein weiteres Charakteristikum sind die derben Witze, die aber so sympathisch rübergebracht werden, dass man ganz einfach lachen muss. Außerdem legt man sehr viel Wert auf einen liebevoll skizzierten Mikrokosmos, voll mit herrlich skurrilen Nebenfiguren, und zu guter Letzt bleiben natürlich noch die erfrischenden Dialoge und die vielen zum Brüllen komischen Szenen, und fertig ist das angebliche Wunderrezept.


Nie wieder Sex mit der Ex bedient sich ebenfalls all dieser Zutaten, erreicht aber schließlich nicht ganz die Klasse eines Beim ersten Mal. Dies liegt vor allem an der etwas niedrigeren Gagdichte und den gelegentlichen Durchhängern. Ein weiterer Negativpunkt ist, dass das Setting sehr vertraut wirkt, was vor allem daran liegt, dass mit Nach 7 Tagen Ausgeflittert im letzten Jahr ein Film in die Kinos gekommen ist, der Nie wieder Sex mit der Ex in sehr vielen Punkten ähnlich ist.


Doch man soll sich dadurch nicht entmutigen lassen, denn wo die Farelly-Brüder im letzten Jahr vor allem auf teilweise billigen Slapstickhumor aus der Retorte setzten, kann Nie wieder Sex mit der Ex mit den klassischen Apatow-Werten punkten. Zunächst wird uns Protagonist Peter vorgestellt, der als klassischer Couch-Potatoe auch der Truppe aus Beim ersten Mal entsprungen sein könnte, doch schon bald verlässt der Film die gewohnten Gefilde und wagt den Sprung nach Hawaii.


Dort werden dem Zuseher wirklich sehr schöne Locations geboten und das Sommerfeeling stellt sich sofort ein. Zwar kann man zunächst noch skeptisch sein, präsentiert sich Peter doch anfangs sehr weinerlich, aber dieser Zweifel verfliegt schnell. Denn vor Ort präsentiert man den Zusehern den Apatow-typischen Mikrokosmos aus skurrilen Charakterköpfen, die allesamt ihre Aufmerksamkeit bekommen und für eine herrlich heimelige Stimmung sorgen. Besonders dabei ist, dass man es nicht dabei belassen hat, Sarahs neuen Lover einfach als klassischen Bösewicht zu zeichnen, der dem Helden die Frau weggenommen hat, sondern ihn immer sympathischer werden lässt und ihm auch einige großartige Sprüche in den Mund legt.


Natürlich dürfen abseits der Hauptfiguren auch nicht die klassischen Apatow-Nebendarsteller fehlen: So zum Beispiel Jonah Hill, der als Hotelangestellter herrlich schräg den Groupie vom Dienst spielt und Rockstar Aldous Snow anhimmelt, oder auch Bill Hader, der als Peters Stiefbruder die Lacher auf seiner Seite hat. Ganz besonders amüsant fällt auch die Rolle von Paul Rudd (bekannt aus Beim ersten Mal und Friends) aus, der als konfuser Surflehrer wie immer großartig ist. Abseits dieser genialen Figuren dürfen auch noch William Baldwin und Jason Bateman glänzen, die in ihren kurzen Auftritten vor allem die TV-Serie CSI aufs Korn nehmen.


Die einzigen kleinen Dämpfer bleiben aber die kleinen Durchhänger und der etwas weniger überzeugende Romantikanteil an der Geschichte. Doch abbringen lassen sollte man sich von diesen kleinen Dellen nicht, denn Nie wieder Sex mit der Ex folgt der Tradition der anderen Filme der Apatow-Gang und punktet mit genial skurrilen Charakteren und einigen wirklichen Schenkelklopfern. Spätestens wenn Peter in einer hawaiiianischen Bar sein selbst geschriebenes Dracula-Musical anspielt, sollte kein Auge trocken bleiben. Zumindest die Originalfassung ist also empfehlenswert, inwiefern die deutsche Fassung den Wortwitz erhalten kann, muss erst abgewartet werden.


Fazit:

Nie wieder Sex mit der Ex erreicht nicht ganz die Klasse eines Beim ersten Mal, folgt aber ganz klar der Apatow-Tradition. Gut, es gibt einige Durchhänger und die romantische Seite des Films ist nicht ganz so überzeugend, aber als Entschädigung bleiben einige wirkliche Schenkelklopfer und auch eine besonders dank der stimmigen Location wohlige Atmosphäre, in die man gerne eintaucht. Filmisch gibt es zwar einige Patzer, aber die herrlichen Charaktere machen dies locker wieder wett.


Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.5/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 15
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