Elephant

OT: -  81 Minuten -  Drama
Elephant
Kinostart: 08.04.2004
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Elephant

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Elephant war 2003 der große Gewinner in Cannes. Sowohl die Goldene Palme für den Besten Film des Festivals, als auch der Preis für die Beste Regie gingen an das kontroverse Meisterwerk. Die Frage lautet nun: Ist dieser Awardregen berechtigt? Ist Elephant wirklich ein uneingeschränkt empfehlenswerter Film? Zumindest auf die letzte Frage ist die Antwort klar: Nein! Elephant ist kompromisslos, hart und geht sehr an die Nieren. Doch es ist nicht die so gerne zensierte visuelle Gewalt die den Film so grausam werden lässt sondern die psychologische Kompromisslosigkeit des Films.

 

Elephant ist anders als alles andere: Der Film beschreibt einen beinahe normalen Tag in einer beinahe normalen Highschool. Die Schüler gehen ihrem normalen Tagesablauf durch: Treffen sich, reden miteinander und alles wirkt ganz einfach gewöhnlich. Die Charaktere sind alles Archetypen, die einen allgemeinen Blick auf das Szenario gewähren. Es gibt den Footballspieler und seine Freundin, den Fotografen, die Brillentragende Aussenseiterin und natürlich die an Bulemie leidende Mädchenclique. Allesamt Figuren wie man sie wohl an so gut wie jeder Schule finden wird. Dies zeichnet einen detailreichen Mikrokosmos, der uns unweigerlich an unsere eigene Schulzeit zurückerinnern wird, was uns wieder direkt näher ans Geschehen bringt.

 

Es scheint als wäre alles ganz normal, doch zwischen diesen Tagesabläufen verbergen sich zwei nicht wirklich akzeptierte Jugendliche. Sie bestellen sich Waffen aus dem Internet und bereiten sich vor. Wirken nicht wirklich aufgeregt vor ihrem großen Auftritt. Eigentlich wissen wir nicht genau warum sie das alles tun. Haben sie Probleme in der Schule? Ist es wegen den Computerspielen? Wegen ihrer versteckten Homosexualität? Später werden sie auf einen nihilistischen Rachefeldzug durch die Schule aufbrechen und vor niemandem halt machen. Doch warum das alles?

 

Dies ist die entscheidende Frage: Warum das alles? Gus van Sant gibt darauf keine Antwort. Er gewährt uns lediglich einen Blick in den letzten Tag der Mörder, der sie unter anderem beim Spielen von Killerspielen zeigt. Doch natürlich macht es sich der Regisseur nicht so einfach alles auf die PC Spiele zu schieben. Während der eine Mörder fröhlich Menschen umbringt übt der andere fleissig am Klavier Beethovens Mondscheinsonate. Der Intelektuelle und künstlerisch begabte Killer, genau der der den Zensurbehörden ein Dorne im Auge ist wird von Gus van Sant portraitiert mit dem eindeutigen Unterton: Macht es euch doch nicht so einfach. Genau dieser Unterton wird uns am Ende des Films wiedertreffen wenn wir die Mondscheinsonate ein weiteres mal antreffen. Fast als wolle und Gus van Sant vor dem Ende des Films noch einmal zurufen: Macht es euch nicht so einfach, ich habe euch zwar keine Lösung gegeben, aber ich will dass ihr eine findet.

 

Das Massaker an der Columbine Highschool diente als Inspiration, wird aber nicht nacherzählt. Elephant erzählt lediglich eine fiktive Geschichte die durch die tragischen Ereignisse inspiriert wurde. Gus van Sant machte es sich nicht einfach beim Inszenieren und ebenso differenziert ist der Film auch zu betrachten. Bereits im Einleitungsteil, der von van Sant nur genutzt wird um uns Figuren nahezubringen die wir später bei ihrem grausamen Tod beobachten dürfen, legt er eine aussergewöhnliche Inszenierung an den Tag. Die Schüler treffen sich an den unterschiedlichsten Punkten und diese Treffen werden aus allen Perspektiven gezeigt. Jeder Schüler bekommt seine Episode, bei der wir seinen Tagesablauf sehen und die einzelnen Episoden finden in den oben angesprochenen Treffen ihre Knotenpunkte, in der die Geschichten ineinandergreifen. Mit seiner schwebenden und anmutigen Kamera folgt Gus van Sant den Jugendlichen bis zum Zeitpunkt des Attentats. Es wird uns von allen der Tagesablauf bis zum Entscheidenden Punkt gezeigt und erst ganz am Ende wird dann das Attentat selbst gezeigt.

 

Dieses ist sehr grausam gefilmt. Wie schon oben erwähnt beschränkt sich diese Grausamkeit nicht auf plumbe visuelle Gewalt, sondern erweitert sich auf eine komplexe psychologische Ebene. Das Attentat wird großteils aus der Sicht der Mörder gefilmt und zeigt uns vollkommen objektiv mit welcher Gleichgültigkeit diese ihrem "Spaß" nachgehen. Sie wirken wie in einem Spiel und als Zuseher kann man nur mit ansehen wie alle Figuren zu denen man Sympathie oder auch Ampathie entwickelt hat, abgeschlachtet werden. Dieses mechanische Vorgehen der Mörder schockt den Zuseher zusätztlich und am Ende wird man perplex ohne einen Funken Hoffnung zurückgelassen.

 

Ein weiterer wesentlicher Punkt im Konzept von Elephant ist dass Gus van Sant nicht auf die Motive der Täter eingeht. Er liefert uns nur mögliche Gründe: Das Coputerspiel, Ablehnung durch die Mitschüler, eine verwirrte sexuelle Identität, sind alles Möglichkeiten und der Sinn des Films ist es den Zuseher anzuregen sich über solche Dinge Gedanken zu machen. Die wesentliche Vorteile dieser Inszenierung sind dass man selbst denken muss und vor allem dass das Attentat selbst umso grausamer und unberrechenbarer erscheint. Der Mensche liebt die Sicherheit und die Vorhersehbarkeit, doch beides wird ihm in Elefant genommen.

 

Elefant ist ein Meisterwerk. Diese Aussage würde ich jederzeit unterschreiben. Dennoch sollte jeder der dem Thema nicht gewachsen ist Abstand von dem Film nehmen. Die nihilistische Brutalität des Films ist sicher nicht jedermans Sache. Auf jedenfall ist der Film unbequem und sehr bewegend. Ich würde sagen man liebt den Film, oder man hasst ihn. Ich liebe ihn.

 

Fazit:

Kompromissloses Meisterwerk das sehr tief berührt.

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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