South of Pico

OT: - xx Minuten - Drama
South of Pico
Kinostart: 19.04.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu South of Pico

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Vier unterschiedliche Gesichter, vier unterschiedliche Menschen, vier unterschiedliche Schicksale führt der in Tirol geborene und in Los Angeles lebend- und arbeitende Regisseur Ernst Gossner in seinem intensiven Sozialdrama SOUTH OF PICO zusammen.

 

Nur zögerlich gibt die Kamera Blicke frei auf die Szenerie, in der sich die Protagonisten und auch die Zuschauer zu Beginn befinden. Etwas Schlimmes ist passiert, das wird schnell klar, ein Autounfall, möglicherweise ist ein Kind involviert. Entsetzen und Blut auf den Gesichtern der Menschen, die uns in den nächsten knapp 80 Minuten näher vorgestellt werden. Wie sie leben, wie sie arbeiten, wie ihre Familienverhältnisse aussehen: Ein Arzt, der im Krankenhaus verzweifelt und ohne Aussicht auf Erfolg für das Leben eines Jungen kämpft, eine Kellnerin, die von ihrer Chefin verkuppelt wird, ein Junge, der seinen Vater mit dem Fahrrad besuchen will und ein Chauffeur, der kurz davor ein heißes Erlebnis mit einer zukünftigen Braut gehabt hat.
 

Ernst Gossner erzählt in seinem Film ausgehend von diesem Ereignis, das Menschen zusammenführt, die sich vorher nicht gekannt haben, Geschichten eines typisch amerikanischen Alltags, beginnend circa vier Stunden zuvor. Bemerkenswert ist dabei vor allem die Authentizität des Milieus, das er schildert: An der Durchzugsstraße von L.A. liegen arm und reich bedrohlich nahe beieinander: Kriminelle Jugendbanden sind ebenso Thema wie korrupte Wirtschaftsmagnaten. Die gibt es bekanntlich überall, wie auch die Grundidee des Films keine unbedingt neue ist: Lose ineinander verwobene Einzelschicksale, die am Schluss durch die Verkettung unglücklicher Zufälle zueinander geführt werden, gab es bekanntlich schon in SHORT-CUTS von Robert Altman und L.A. CRASH von Paul Haggis. SOUTH OF PICO steht diesen kleinen Meisterwerken des Erzählkinos in nichts nach, ist aber insofern „typisch österreichisch“, als er nicht nur genau beobachtet, sondern zum Schluss in einem hammerharten Gewaltakt kulminiert, der den Zuschauern Augen und Mund weit öffnet, obwohl man am liebsten wegsehen möchte.

 

Die letzte Einstellung, eine lange Kamerafahrt, die sich vom Geschehen entfernt, offenbart noch einmal die gesamte Ausweglosigkeit, in der sich die Protagonisten befinden, wenn sie immer mehr zu Spielfiguren auf dem großen Brett, das Los Angeles heißt, verkommen. Fragmente der Chronologie des Zufalls. Ein Film, der sein Publikum nicht bloß zu packen, sondern richtiggehend durchzuschütteln vermag.


Wertung:
8/10

 


Auszeichnungen:

Best Picture – American Black Film Festival
Thomas Pluch Drehbuchpreis – Diagonale 08

Filmering.at
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