Happy-Go-Lucky - Gute Laune ist ansteckend (2008)

OT: - 118 Minuten - Komödie
Happy-Go-Lucky - Gute Laune ist ansteckend (2008)
Kinostart: 04.07.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 28.10.2011
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Filmkritik zu Happy-Go-Lucky - Gute Laune ist ansteckend

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Mike Leigh ist mittlerweile schon so eine Art Institution was das europäische Kino angeht. Fünf mal wurde er für den Oscar nominiert, für Secrets & Lies erhielt er die Goldene Palme und für Naked den Regiepreis in Cannes. Man kann also durchaus aufhorchen, wenn es ein neuer Film von ihm in die Kinos schafft. Happy-Go-Lucky feierte auf der Berlinale Premiere und konnte sich dort gleich den Silbernen Bären für Sally Hawkins als Beste Darstellerin sichern. Gute Vorzeichen, die der Film aber nur teilweise halten kann. Speziell für ein männliches Publikum wird es nämlich zeitweise ziemlich nervig.


Pauline (Sally Hawkins), die von allen nur Poppy genannt wird, arbeitet als Lehrerin in einer Grundschule, und mit ihrer quietschfidelen Lebensart und ihrer von Grund auf positiven Einstellung zum Leben passt sie dort auch wirklich gut hin. Die große Liebe hat sie zwar noch nicht gefunden, aber dafür hat sie ja ihre Mitbewohnerin Zoe (Alexis Zegerman), ihre Schwester Suzy (Kate O'Flynn) und noch andere beste Freundinnen, mit denen sie um die Häuser zieht. Doch Poppys heitere Art kommt nicht bei jedem gut an, und so entstehen immer wieder ganz besondere Aufeinandertreffen...


Mit Happy-Go-Lucky verbannt Mike Leigh jede Form der Depression aus seinem Film. Er verzichtet auch darauf, eine Geschichte im herkömmlichen Sinn zu erzählen, sondern beschränkt sich darauf, uns einfach Einblick in den Mikrokosmos seiner Figuren zu gewähren und dort die Facetten der Charaktere zu erkunden. Realisten und Pragmatiker werden es aber ziemlich schwer haben, Zugang zum Film zu finden, da er seine Szenerie in bunte Farben hüllt und seine Protagonistinnen kindlich naiv skizziert.


Die dunkle, harte Realität hat in Happy-Go-Lucky nur am Rand etwas zu suchen. Denn wenn sie überhaupt einmal auftaucht, dann nur in den Auftritten der Nebenfiguren, insbesondere in den grandiosen Sequenzen mit Fahrlehrer Scott (Eddie Marsan), der durch die unglaublich aufgeregte Art von Poppy beinahe einen Nervenzusammenbruch bekommt. Großteils dienen diese Figuren aber ebenfalls nur der Erheiterung, indem sie einen schönen Kontrast zur Hauptfigur bieten. Lediglich Scott darf am Ende auch einmal ernstere Töne anschlagen.


Wie gesagt reagiert das Umfeld im Film sehr unterschiedlich auf Poppy, und den Zusehern wird es da wohl nicht anders gehen. Gut, auf der Berlinale war Happy-Go-Lucky der Sonnenstrahl unter den deprimierenden Wettbewerbsfilmen, und deshalb wohl auch eine Wohltat für die Seelen der Kritiker, aber unter regulären Umständen sorgt dieses starke positive Licht wohl bei vielen für einen Sonnenbrand. Mike Leigh bleibt diesem fröhlichen Stil auch durchgehend treu, sodass man, wenn man Freude daran findet, wohl einen sehr erheiternden Abend verbringen wird.


Dabei spielen männliche Wesen im Mikrokosmos von Poppy nur eine sehr untergeordnete Rolle und treten meist nur als Nebenfiguren in Erscheinung. Als männlicher Zuseher fehlt einem in Folge oft der Halt. Jeder, der schon einmal einen Abend als einziger Mann in einer größeren Damenrunde verbracht hat, wird wohl das Gefühl kennen, das damit gemeint ist, denn Happy-Go-Lucky schafft es vortrefflich, eben dies auf den Zuseher zu übertragen.


Es gibt aber durchaus diese kleinen Momente, in denen es der Film sogar schafft, diejenigen zu erheitern, die ihm gegenüber eigentlich negativ eingestellt sind, und allein durch diese simple Tatsache verdient sich Happy-Go-Lucky ein großes Plus. Lediglich die etwas simple Liebesgeschichte und das Treffen von Poppy mit einem Obdachlosen heben sich wirklich negativ aus dem Film heraus, ansonsten hängt es ganz einfach vom persönlichen Geschmack ab, ob man ihn liebt oder hasst. Beides ist in diesem Fall ohne Weiteres möglich.


Fazit:

Happy-Go-Lucky entwirft einen kleinen, wirklich liebevoll arrangierten Mikrokosmos aus Figuren und berichtet aus ihren Leben. Dabei lässt Regisseur Mike Leigh keine negativen Schwingungen aufkommen, sondern inszeniert ein waschechtes Feel-Good-Movie, das seinen Reiz vor allem daraus gewinnt, zu zeigen, wie andere Menschen auf die lebensfrohe Poppy reagieren. Ob man mit dem Ganzen auch etwas anfangen kann, hängt sehr stark vom Zuseher ab. Manche werden sich an der kindlichen Naivität erfreuen und ihren Spaß haben, andere werden daran zu Grunde gehen.


Wertung:

6/10 Punkte

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