So ist Paris

OT: - 129 Minuten - Drama / Komödie
So ist Paris
Kinostart: 18.07.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
3566
Bewerten:

„So ist Paris. Jeder ist unzufrieden.“ Eine Stadt voll kultivierten Schwermuts, ergreifender Emotionen und im ständigen Wandel. Wie auch Paris selbst erschließt sich der neueste Film des französischen Regisseurs Cédric Klapisch durch das Zusammenfügen seiner Einzelteile. Es ist auch für Klapisch selbst eine Rückkehr aus Barcelona (L'Auberge Espagnole) und St. Petersburg (Les Poupées russes) in die Metropole der Liebe, die mit voller Wucht den Ernst des Lebens inmitten eines denkbar unbeschwerten, chaotischen Alltages preisgibt.

Als der Moulin Rouge-Tänzer Pierre (Romain Duris) bei einer Routineuntersuchung erfährt, dass er an einer schweren Herzerkrankung leidet und ihm ohne eine Transplantation nur noch wenige Monate zu leben bleiben, öffnen sich seine Augen für eine ganz andere Ansicht des Lebens. Auch seine Schwester Elise (Juliette Binoche), eine sich im Dauereinsatz befindliche Sozialarbeiterin, vermag seinen anfänglichen Schwermut nicht zu lindern und steht ihm daraufhin treu zur Seite. Währenddessen befindet sich der Historiker und Geschichtsprofessor Roland (Fabrice Luchini) in einer gänzlich anderen Krise: Er begehrt die junge und atemberaubende Studentin Laetitia (Mélanie Laurent), die ihm allein durch ihren betörenden Anblick den Kopf zu verdreht scheint. Der kürzliche Tod seines Vaters und ein verlockendes, in seinen Augen aber unglaublich banales Jobangebot erschweren die Entscheidungen hinsichtlich seiner Zukunft zusätzlich – Roland steuert geradewegs in eine ausgewachsene Sinn- und Lebenskrise.

Den Obst- und Gemüsehändler Mourad (Zinedine Soualem) plagen andere Sorgen: Er arbeitet immer noch Tag für Tag mit seiner Exfrau Caroline (Julie Ferrier) an einem Stand und erträgt es nur schwer, die überfallsartigen und zudem noch erfolgreichen Annäherungsversuche des Gigolos Franky (Gilles Lellouche) gegenüber seiner ehemaligen Lebensgefährtin mitzuerleben. Doch auch Mourads und Frankys Leben wird durch ein folgenschweres Ereignis aus der Bahn geworfen…

So ist Paris entfaltet sich als knapp 130minütiges Mosaik, lose zusammengefügt durch zufällige Überschneidungen der einzelnen Episoden, die Regisseur Klapisch als „petites histoires“, also kleine Geschichten, definiert. Schon der Vorspann zeigt eine relative Unordnung an Szenenmaterial, die in ihrer Zusammensetzung ein komplexes und zugleich faszinierendes Gesamtbild der französischen Hauptstadt ergibt. Die multiplen Handlungsstränge, die Klapisch scheinbar wahllos und ohne bedeutsame Zugehörigkeit aneinanderreiht, sind dabei auf wunderbare Weise zugleich erheiternd und sentimental: Pierre, der zentrale Ausgangs- und Endpunkt der Erzählung, sehnt sich nach einer letzten Liebesnacht, die seine Schwester ihm sogleich auf unterhaltsame Weise verschafft – ein bittersüßes Lächeln angesichts der Vergänglichkeit des Lebens lässt sich schwer unterdrücken.

Obwohl als Hommage an Paris gedacht, verschränkt sich So ist Paris in seiner eigenen Darstellung der Metropole: Zwar sind einige Male diverse Sehenswürdigkeiten wie ein nächtlich funkelnder Eiffelturm oder auch die Basilique du Sacré-Coeur zu beobachten, die Stadt für die Handlung selbst könnte allerdings beliebig gewählt werden. Es sind die Geschichten, die im Zentrum des Interesses stehen und die größten Stärken von So ist Paris ausmachen: Liebe und Tod, Alter und Würde, Traum und Wirklichkeit, Schönheit und deren Verachtung. Einer liebevollen Charakterzeichnung misst Regisseur Klapisch einen besonderen Stellenwert bei: Der sentimentale Gemüsehändler mit dem sanftmütigen Blick, die großzügige und liebenswerte Sozialarbeiterin, der verdrossene und zugleich energiegeladene Universitätsprofessor und der herzkranke Tänzer – sie alle wurden durch eine fulminante und glaubwürdige Besetzung verwirklicht, allen voran eine quirlige Juliette Binoche, die sichtlich Freude am Drehbuch und am Spiel hat.

Natürlich erwecken so viele Charaktere und Stories den Eindruck von Unvollkommenheit und Überladenheit, was auch hinsichtlich einiger Figuren, etwa dem Müllmann aus Kamerun, der durch seine Postkarte mit Notre Dame-Motiv seinen Bruder zur illegalen Einwanderung in Frankreich bringt, durchaus angebracht ist. Doch solche kleinen Schwächen mag man So ist Paris gerne verzeihen – der Charme der Stadt der Liebe und deren Einwohner, durch Cédric Klapisch wirkungsvoll in Bild und Ton eingefangen, überwiegt (Anmerkung: Der Film schaffte es gleich nach dem Start auf Rang 1 des französischen Boxoffice).

Fazit:
Auch wenn So ist Paris durch seine unzähligen kleinen Geschichten und Subplots überladen wirkt, so kann der Großteil der Handlung begeistern: Eine romantisch-sentimentale Komödie über das Leben und den Tod, das vielleicht anfangs etwas banal und simpel wirkt, aber in weiterer Folge durch seinen eigenen Charme, eine wunderbare, spielfreudige Besetzung und mit Hilfe von überzeugenden Charakteren sehr zu überzeugen weiß.

Bewertung:
8/10

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
50%
7 /10
50%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Ziemlich beste Freunde (2011)
Der Gott des Gemetzels (2011)
Die Wonder Boys (2000)
The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten (2011)
The Kids Are All Right (2010)
Leben und lieben in L.A. (1998)
Secretary - Womit kann ich dienen? (2002)
Wir kaufen einen Zoo (2011)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!