Bank Job

OT: -  110 Minuten -  Thriller / Drama 
Bank Job
Kinostart: 27.06.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 18.04.2013
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Filmkritik zu Bank Job

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Der australische Regisseur Roger Donaldson hat schon mit einigen der größten Ikonen Hollywoods zusammengearbeitet: Ben Kingsley, Anthony Hopkins, Mel Gibson, Tom Cruise, Gene Hackman und Al Pacino. Leider sind dabei eher bescheidene und durchschnittliche Werke wie Cocktail, Der Einsatz, Dante's Peak oder auch Species entstanden, welche nahelegen, dass ein großer, bleibender Erfolg in seinem Oeuvre noch aussteht. In seinem neuesten Film Bank Job überrascht Donaldson jedoch mit einem ausgeklügelten Thriller, der auf wahren Begebenheiten beruht.

Der nicht gerade vom Glück heimgesuchte Autoverkäufer Terry (Jason Statham) schlägt sich mehr oder weniger erfolgreich durch den tristen Londoner Alltag. Eines Tages jedoch tritt seine alte Jugendfreundin Martine (Safron Burrows) wieder in sein Leben und unterbreitet dem momentan von Geldsorgen geplagten Terry ein verlockendes Angebot: Es geht um einen perfekten, weil leichten und schnell durchzuführenden Bankeinbruch. Geld und Juwelen in Millionenhöhe stehen in Aussicht, woraufhin Terry anbeißt und ein Team zusammenstellt. Nachdem die beiden ohne Probleme die nötigen personellen Entscheidungen getroffen haben und die Mannschaft komplett ist, macht sich das entschlossene Gespann aus Möchtegerneinbrechern ans Werk. Geplant ist eine Tunnelbohrung direkt in den Tresorraum der Lloyds Bank, die auch fast ohne gröbere Zwischenfälle durchgeführt werden kann. Doch ein unbemerkter, kleiner Fehler verrät Terry und seine Jungs: Ein Amateurfunker fängt die Unterhaltungen zwischen den Bankräubern ab und informiert die Polizei.

Ein kniffliges Verwirrspiel entfaltet sich, als Terry zudem entdeckt, das Martine andere Hintergründe für den Einbruch hat: Es geht um belastende, schmutzige Fotos eines Mitglieds der Königsfamilie, die Martine für das MI5 besorgen soll. Doch damit nicht genug: Auch der Pornokönig Lew Vogel (David Suchet) und die Bordell-Madame Sonia Bern (Sharon Maugham) haben belastende Materialien von höherrangigen Beamten und Abgeordneten in diesem Tresorraum gebunkert. Terry und seine Truppe stehen nun im Schnittpunkt des Interesses: das MI5 und MI6, Londoner Unterweltgangster und die Polizei ist hinter den Bankräubern her. Die Jagd ist eröffnet...

Ein Film über den ganz großen, lukrativen Coup. Jason Statham ist quasi zu seine Wurzeln zurück gekehrt: Mit seinen beiden Auftritten in den fabelhaften Guy Ritchie-Gangsterkomödien Lock, Stock and Two Smoking Barrels und Snatch konnte Statham schon zu Beginn seiner Karriere als zwielichtiger, aber charismatischer Kleinganove mit charmantem Dialekt vollends überzeugen. In Bank Job packt er abermals den griesgrämigen Blick sowie den Dreitagebart aus und liefert eine seiner besten, glaubwürdigsten Rollen ab - er beweist somit, dass er nicht nur als britischer Actionstar in unsinnigen Produktionen wie The Transporter, War oder In the Name of the King: A Dungeon Siege Tale festzulegen ist und durchaus auch Charaktere mit Tiefgang bewältigt.

Regisseur Donaldson inszeniert solide: Die Charaktere selbst werden durch ihr tägliches Schaffen kurz eingeführt, ihr einfaches, armes bzw. erfolgloses aber glückliches Leben geschildert: Zusammenhalt und Freundschaft zählen am meisten, so die simple Botschaft. Das Team arbeitet mit „Low Tech", es finden hier also keinerlei artistische Einlagen á la Mission Impossible statt, noch werden technische Spielereien wie in Ocean´s Eleven eingesetzt. Der Film bleibt zudem seiner Optik treu: Da die wahre Begebenheit 1971 vorgefallen ist, hüllt Donaldson Bank Job in eben jenes Flair. Kostüme, Drehorte, Fahrzeuge, Staffage: Ein gelungener Look, der die Ära Londons in den 70er Jahren einfängt und durch HiDef-Digitalkameraaufnahmen nahezu perfekt auf die Leinwand überträgt.

Aber nicht nur das Flair trägt zu der überwiegend überzeugenden Stimmung des Films bei, sondern vor allem das raffinierte Katz-und-Maus-Spiel innerhalb der Story: Während der Einbruch nur anfangs primär im Mittelpunkt des Interesses steht (vor allem für dessen Verursacher), so entwickelt sich Bank Job ausgehend von diesem mit Verspätung einsetzenden „inciting Incident", der die Handlung antreibt und gewissermaßen dessen Kontroverse bestimmt, zu einem ausgewachsenen Thriller mit anderer Gewichtung.

Die belastenden Materialien sind von Bedeutung, die liebenswerte Einbrecherbande stellt zu Beginn vernachlässigbare Marionetten dar, die über Umwege von höheren (Amts-)Gewalten instruiert und bei jeder Gelegenheit entsorgt werden kann. Die Spannung entwickelt sich erst durch die Handlungen der Einbrecher und wie sie das drohende Unheil, das von jeder Seite zu kommen scheint, abwenden können. Leider schleichen sich auch einige Drehbuchschwächen ein: Der vorprogrammierte Konflikt zwischen Stathams Charakter und dessen Frau kommt im Zuge der Story leider etwas zu kurz und wirkt unglaubwürdig bzw. aufgesetzt, was jedoch angesichts der anderen, raffinierteren Handlungsstränge zu vernachlässigen ist.

Dieser Absatz enthält leichte Spoiler: Auch das Ende scheint etwas zu konstruiert und wenig nachvollziehbar: Warum sollte die Polizei einfach gesuchte Verbrecher ohne verdiente Bestrafung auf freien Fuß setzen (auch wenn Hintermänner die Fäden ziehen: Die Öffentlichkeit ist informiert) und zudem auch keinerlei Repressalien seitens der Londoner Unterwelt folgen? Aber da das Ende (angeblich) auf wahren Tatsachen beruhen dürfte, kann man mit einem zugedrückten Auge hinsichtlich des Gesamtwerkes darüber hinwegsehen.

Fazit:

Trotz des nicht besonders einfallsreichen Titels, der leicht zu Rückschlüssen und Verbindungen zu The Italian Job verleiten kann, definiert sich Donaldsons Bank Job als eigenständiger, cleverer Film mit teils etwas konstruierter, jedoch überzeugender Persönlichkeit: Glaubwürdige Charaktere, interessante Intrigen, toller Look und Jason Statham findet endlich zu seiner wahren schauspielerischen Berufung zurück - 110 Minuten Unterhaltung für jene, die an Filmen wie Heist oder Inside Man Gefallen finden.

Wertung:

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Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 12
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