Takva - Gottesfurcht

OT: -  96 Minuten -  Drama 
Takva - Gottesfurcht
Kinostart: 13.06.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Takva - Gottesfurcht

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Für Regisseur Özer Kiziltan ist Takva - Gottesfurcht sein Leinwanddebüt, nachdem er sich bereits im türkischen TV-Geschäft einen Namen gemacht hat. Überraschenderweise ist sein Film, mit dem er sich durchaus traut, kontroverse Themen anzusprechen, auch in seiner Heimat ein großer Erfolg gewesen: Am Startwochenende hatte er mehr Besucher als Casino Royale und Borat. Zusätzlich wurde Takva - Gottesfurcht bei der Berlinale 2007 auch noch mit dem Fipresci-Preis der internationalen Filmkritik geehrt. Dabei lässt sich aber auch nicht leugnen, dass der Film doch etwas zu zahm mit seinen Themen umgeht und formal schließlich sogar sehr abdriftet.


Der strenggläubige Moslem Muharrem (Erkan Can) widmet sein Leben ganz den Gesetzen Gottes und versucht jede Sünde bereits von vornherein weit zu umschiffen. Schließlich wird er vom Oberhaupt eines erzkonservativen Ordens in Istanbul auserwählt, um sich in Zukunft um die Finanzen des Ordens zu kümmern. Er muss Mieten eintreiben und alles verwalten, doch durch das hohe Ansehen des Ordens wird er bevorzugt behandelt und mit weltlichen Gütern überhäuft. Muharrem muss erkennen, dass er scheinbar ebenso wie alle anderen im Sumpf aus Sünde und Korruption zu versinken droht...


Zugegeben, das Thema des Films kann man nur als mutig bezeichnen, und Özer Kiziltan und sein Team verdienen sich viel Lob dafür, dass sie sich überhaupt getraut haben, gegen erzkonservative Fanatiker das Wort zu erheben. Doch gleichzeitig relativiert sich das Ganze auch schon wieder, denn obwohl Takva - Gottesfurcht durchaus heikle Themen anspricht, wie zum Beispiel die Korruption, Geldgier und teilweise auch Rücksichtslosigkeit des Ordens, macht es der Film doch stets so, dass er nicht wirklich genau darauf eingeht, sondern immer eine gewisse Distanz zu diesen Themen wahrt.


Im Zentrum steht großteils der innere Konflikt Muharrems, der hin- und hergerissen ist zwischen seinen grundlegenden moralischen Vorstellungen und den Anweisungen seines Ordensoberhaupts, dem er ja ebenfalls zur Treue verpflichtet ist. Wie er selbst sagt, will er nur Gott dienen, doch je tiefer er sich diesem Ziel zuwendet, umso weiter läuft sein Leben dabei aus dem Ruder. Plötzlich wird er mit weltlichen Gütern überhäuft und mit Korruption konfrontiert.


Speziell in der ersten Hälfte funktioniert Takva - Gottesfurcht dabei ausgezeichnet und befördert den Zuseher durch kraftvolle Bilder und einer ausgezeichneten Atmosphäre direkt ins erzkonservative Istanbul, an die Seite von Muharrem, wo man zuerst einmal die kulturellen Unterschiede entdecken muss und die Charaktere vorgestellt bekommt. Dieser Part, zusammen mit dem Beginn der Wandlung von Muharrem, symbolisch dargestellt durch die Stutzung seines Bartes, ist auch der Höhepunkt des Films, doch danach schleichen sich leider immer wieder einige Patzer ein.


Völlig übertrieben hat man zum Beispiel die visuellen Verzerrungen, mit denen man die zunehmende Verfremdung Muharrems darstellen wollte, der sich ungewollt immer weiter von seinen Überzeugungen abwendet. Da wird wild mit Farben experimentiert, Zeitrafferaufnahmen sollen die Wirkung noch verstärken, aber im Endeffekt erweist sich diese Vorgehensweise als sehr plump und dem restlichen Film nicht gerecht. Dass auch die kritischen Zwischentöne immer leiser und oberflächlicher werden, zieht den Film leider noch weiter hinunter. Schade, denn da hätte durchaus mehr herauskommen können.


Fazit:

Takva - Gottesfurcht erzählt die Geschichte eines einfachen Mannes, der einfach nur Gott dienen will, aber plötzlich für die Finanzen seines Ordens zuständig ist und sich selbst versündigt. Dabei traut sich der Film durchaus, heikle Themen anzusprechen, im Zentrum bleibt aber stets die Geschichte der Hauptfigur, deren Entwicklung es zu erkunden gilt. Leider hat man dabei auf reichlich simple visuelle Tricks zurückgegriffen, und auch die kritischen Töne werden im Lauf des Films immer leiser, sodass Takva - Gottesfurcht zwar überzeugend und vielversprechend beginnt, danach aber leider abfällt.


Wertung:

6/10 Punkte

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