Cassandras Traum

OT: -  108 Minuten -  Krimi / Melodram 
Cassandras Traum
Kinostart: 06.06.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Cassandras Traum

Von am

Vor nicht allzu langer Zeit machte eine Mail von Constantin Film die Runde, in der man bekanntgab, dass der neue Woody Allen-Film (obwohl er mittlerweile schon gar nicht mehr der neue ist) im deutschsprachigen Raum nicht ins Kino kommen wird, sondern nur eine DVD-Auswertung bekommen soll. Die Woody Allen-Fans zeigten sich enttäuscht, doch die schlechten Kritiken von Cassandras Traum und die unbefriedigenden Einspielergebnisse ließen scheinbar keine andere Möglichkeit. Doch dann folgte der plötzliche Sinneswandel und es wurde doch ein Kinostart angesetzt. Warum wissen wohl nur wenige, aber so können sicher mehr Leute entdecken, dass die vielen Buh-Rufe doch übertrieben sind.


Zwei ungleiche Brüder entstammen der Arbeiterklasse Londons: Terry (Colin Farrell) ist Mechaniker, findet Gefallen an Glücksspiel, Alkohol und den anderen kleinen Freuden des Lebens und Ian (Ewan McGregor) hilft seinem Vater bei der Arbeit im Familienrestaurant, strebt aber insgeheim nach mehr und sucht schon lange nach der richtigen Geschäftsidee, die ihn nach oben befördern soll. Da für beide allerdings nicht alles nach Wunsch verläuft, muss wieder einmal der reiche Onkel Howard (Tom Wilkinson) herhalten, der ihnen immer schon aus der Patsche geholfen hat. Doch diesmal bittet Howard seine Neffen um einen Gefallen...


Blut ist dicker als Wasser und Familientragödien waren schon seit jeher hoch in der Gunst verschiedenster Autoren und Filmemacher. Man denke nur an Shakespeares Werke, die griechischen Tragödien oder auch zahlreiche Filme, wie den erst jüngst erschienenen Tödliche Entscheidung (Before the Devil Knows You're Dead) von Altmeister Sidney Lumet. Und gerade diese Vergleiche sind es auch, die Woody Allens Film das Leben schwer machen, denn obwohl der Film an sich trotz seiner Macken überzeugt, zieht er doch gegen die Konkurrenz klar den Kürzeren.


Woody Allen selbst, bekannt als Sprössling New Yorks, der seiner Stadt schon unzählige Filme gewidmet hat, brauchte scheinbar in den letzten Jahren etwas Abwechslung. Es verschlug ihn nach London, was seiner Karriere als Filmemacher dank seines meisterhaften Match Point einen zweiten Frühling bescherte. Nach Scoop und eben Match Point ist Cassandras Traum bereits sein dritter Film, den er in der englischen Hauptstadt drehte, und langsam aber sicher scheint er dem Ganzen etwas überdrüssig zu werden, weswegen es ihn für seinen nächsten Film Vicky Cristina Barcelona nach Spanien verschlug, und für sein bereits angekündigtes nächstes Projekt wieder zurück nach New York.


Doch zurück zu Cassandras Traum: Woody Allen war schon immer in erster Linie Intellektueller, und auch in seinem Londoner Meisterwerk Match Point interessierte er sich vor allem für die Upper Class der Gesellschaft und genoss es sichtlich, sie zu demontieren. In diesem Milieu fühlt sich Allen wohl, und in diesem Umfeld kennt er sich auch aus. Doch mit seinem neusten Film Cassandras Traum wendet er sich an die Arbeiterklasse, was jedoch zu einigen befremdlichen Situationen führt.


Denn Woody Allen fühlt sich in diesem Milieu sichtlich nicht wohl, und zeitweise wirkt es so, als hätte er dies bereits während der Dreharbeiten gemerkt und wollte den Film nur schnell fertig machen. Dabei fällt auf, dass er sich schon im Drehbuch selbst Hilfestellungen geleistet hat und seine Sozialstudie dadurch zusätzlich aufweicht. Denn eigentlich merkt man nur durch die verbal ausformulierten Geldsorgen der Protagonisten, dass es sich hier nicht um verwöhnte Kinder der Oberschicht handelt.


Denn Allen lässt sie gleich zu Begin ein Boot kaufen, was natürlich einige schöne Bilder ermöglicht, diese erinnern jedoch leider nicht an die Arbeiterschicht. Damit der Zuseher das alles auch glaubt, lässt er seine Hauptfiguren einfach sagen, dass sie sich das eigentlich gar nicht leisten können. Als Schutzengel, falls größere Probleme auf sie warten, hat er schließlich noch den reichen Onkel eingebaut, der alles richten kann, nur eben leider auch nicht in die Milieustudie passt. Schlussendlich bleiben noch die beiden Brüder selbst, die in ihren wohl ausformulierten Sätzen und der pointierten Argumentation auch an vieles erinnern, aber leider nicht an zwei klassische Arbeiterjungs. Damit auch visuell alles stimmt, lässt Allen Ian auch dauernd in heißen Autos durch die Gegend fahren, die er sich natürlich nur ausgeborgt hat. Das alles mag zwar Allen helfen, sich etwas wohler zu fühlen, aber der Glaubwürdigkeit des Films schadet es doch ziemlich.


Dies ist aber auch schon der größte Kritikpunkt an Cassandras Traum, denn abgesehen davon, dass der Film Milieuprobleme hat, funktioniert die Schuld und Sühne-Geschichte ausgesprochen gut. Herrlich dabei ist, dass man Colin Farrell die Rolle des Bruders gegeben hat, der an der Schuld zerbricht, und Ewan McGregor darf dafür den Abgebrühten spielen, der mit allem zurechtkommt. Also beide Hauptdarsteller wurden klassisch gegen den Typ besetzt und überzeugen in ihren neuen Aufgaben spielend.


Auch ansonsten schafft es Woody Allen sehr gut, den Zuseher an die Geschichte zu binden und ihn mit den Figuren leiden zu lassen, was Cassandras Traum auch klar über den Durchschnitt hebt und zu einem sehenswerten Film macht. Leider sind jedoch auch die Dialoge nicht so ausgefeilt wie man es von Allen kennt, und der Weg zum Finale, der in Match Point so raffiniert und plausibel aufbereitet wurde, fühlt sich in Cassandras Traum schon einmal holprig und bemüht an. Der Schluss selbst, der bei Match Point vortrefflich war, ist leider ebenso missraten, sodass man Cassandras Traum vielleicht etwas schwächer in Erinnerung behält, als er wirklich ist.


Fazit:

Cassandras Traum ist mit Sicherheit keiner der besten Filme Woody Allens. Das Milieu, in dem die Geschichte angesiedelt ist, versteht der Regisseur nicht und formt es nach seinen Wünschen um, die Handlung selbst ist vielleicht eine Spur zu holprig und dank vieler Parallelen zu Match Point und Tödliche Entscheidung schafft er sich selbst Vergleichsmöglichkeiten, gegen die er nur verlieren kann. Doch trotz all den nicht zu verleugnenden Schwächen tragen vor allem die tollen Leistungen von Colin Farrell und Ewan McGregor, die beide gegen ihren Rollentypus spielen dürfen, dazu bei, dass der Film schließlich trotzdem gut geworden ist.


Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 6
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