Julia

OT: -  138 Minuten -  Drama / Thriller
Julia
Kinostart: 20.06.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Julia (Tilda Swinton) ist eine Säuferin. Eine notorische Lügnerin. Eine Chaotin, deren Leben in einer nach unten gerichteten Spirale aus ständigen Parties und flüchtigem Sex besteht. Sie verliert erneut einen Job, weil sie nach einer durchzechten Nacht wieder mal zu spät bei der Arbeit erschienen ist. Ihr einziger richtiger Freund Mitch (Saul Rubinek), dessen genaue Beziehung zu Julia aber nie vollends geklärt wird, der ihr aber ständig helfen will ihr Leben zu ändern, bringt sie immer wieder dazu zum Treffen der Anonymen Alkoholiker zu gehen. Dort lernt sie Elena (Kate del Castillo) kennen, die ihr ein Angebot macht, dass sie nicht ablehnen kann.

Elena erzählt Julia, dass sie ihren achtjährigen Sohn Tom (Aidan Gould) von seinem Großvater entführen will, um endlich wieder mit ihrem Kind vereint zu sein. Diese Tatsache geht Julia am Arsch vorbei. Erst als Elena erwähnt, wie viel Geld sie hat, wird Julia hellhörig und entwirft einen wahnwitzigen Plan. Sie beschließt Elena zu helfen ihren Sohn zu entführen, entführt ihn dann aber von Elena und erpresst von ihr Lösegeld, um endlich ein für alle Mal ihre Geldsorgen loszuwerden. Selbstverständlich läuft alles anders als geplant. Julia manövriert sich selbst in eine Situation hinein die ihr eindeutig eine Nummer zu groß ist und langsam aber sicher über den Kopf wächst. In Tijuana, Mexiko verliert sie dann endgültig die Kontrolle...

 

Julia wird eindeutig von der großteils grandiosen schauspielerischen Leistung von Tilda Swinton getragen, die sich körperlich und seelisch vollkommen für diese Rolle entblößt und eine unglaublich starke Performance abliefert. Aber leider schafft selbst sie es nicht, während der ganzen Dauer von 138 Filmminuten zu überzeugen. Es gibt einfach Momente, die selbst sie mit ihrer Darstellung nicht retten kann. Und es gibt sogar Szenen, in denen sie nicht überzeugen kann. Dabei handelt es sich meist um Szenen, die eigentlich nicht notwendigerweise im Film enthalten sein müssten und oft einfach unnötig wirken.

Daraus ergibt sich auch das größte Manko des Films. Er wirkt zu lange. In der ersten Hälfte baut er eine überaus wuchtige Atmosphäre auf und legt ordentlich an Schwung zu. Doch in der zweiten Hälfte geht ihm dann die Puste aus. Die Regie wirkt planlos und die Schauspieler zum Teil verlassen. Bei manchen Szenen stellt sich einem einfach unweigerlich die Frage, warum sie im Film enthalten sind und nicht am Schneidetisch zurück gelassen wurden. Oft wirkt der Film dadurch zwanghaft in die Länge gezogen ohne wirklich neues in Bezug auf Handlung oder Figuren zu bieten.

Julia ist eine Figur, die man einerseits mag und mit der man mitfühlt, andererseits sind ihre Aussagen und Handlungen manchmal einfach nur nervend und man würde ihr am liebsten eine schallende Ohrfeige verpassen, die sie wachrüttelt. In dieser ambivalenten Beziehung zur Hauptfigur punktet der Film auf ganzer Länge, egal ob das von den Filmemachern beabsichtigt wurde oder nicht.

Ein Rätsel bleibt für mich jedoch die Figur der Elena. Sehr intensiv gespielt, dient sie aber scheinbar bloß als Katalysator um die Handlung in Gang zu setzen. Denn sobald Julia Tom entführt hat, taucht seine Mutter Elena den ganzen Film über nicht mehr auf. Julia lügt dem Jungen ständig vor, sie würde ihn zu seiner Mutter bringen. Abgesehen davon wird zwar in den Nachrichten erwähnt, dass sie spurlos verschwunden ist, aber das wars dann auch schon. Fakt ist, Elena verschwindet vollkommen, und zwar aus dem gesamten Film.

Fazit:

Leider schafft es der Film nicht auf ganzer Länge zu überzeugen, zumal er stellenweise einfach viel zu lange wirkt. Er hat seine Fehler und Macken, genau wie die Hauptfigur Julia. Aber man muss dem Film zugute halten, dass er auf sehr mutige Art und Weise eine ungewöhnliche Hauptfigur in den Mittelpunkt stellt, ohne ihre Schwächen zu verurteilen und ohne vorzugeben eine Antwort auf ihre Probleme zu haben. Auch wenn es Julia nicht gelingt den Zuschauer vollends auf seine Seite zu ziehen, vor allem auf Grund seiner teilweise sehr langatmigen Inszenierung, so bietet der Film dennoch einige interessante Ansätze, gute schauspielerische Leistungen und eine überaus ungewöhnliche, aber zwiespältige Hauptfigur. Kurzum, es ist ein sehr guter und durchaus empfehlenswerter Film, wenn auch nicht für Jedermann.

Bewertung:

7/10

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