21 (2008)

OT: 21 - 117 Minuten - Drama
21 (2008)
Kinostart: 30.05.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
3488
Bewerten:

Filmkritik zu 21

Von am

Ein Film mit der Wirkung einer auf Hochglanz polierten Werbebroschüre der Stadt Las Vegas: Inmitten der glitzernden Leuchtreklamen scheint einfach alles möglich zu sein, jeder kann das Glück finden und zu seinen Gunsten nutzen. Vegas ist jedoch auch der Inbegriff der Künstlichkeit, eine riesige Wüstenstadt voller gigantischer und kitschiger Modellbauten, definiert vom Glücksspiel und der Trostlosigkeit gescheiterter Existenzen.


Regisseur Robert Luketic, bekannt geworden durch obskure Werke wie Das Schwiegermonster oder Natürlich Blond, blendet bewusst den größten Teil der Schattenseiten von Las Vegas aus und präsentiert mit 21 das seiner Beschreibung nach „neue" Vegas, ein Vergnügungsplatz und zugleich Ort für Wochenendausflüge der anderen Art, der seine Bösartigkeit nur im Angesicht des Betruges zum Vorschein bringt.


Lose basierend auf dem Bestseller Buch Bringing down the House, erzählt der Film vom einigermaßen sympathischen und zugleich hochbegabten MIT-(Massachusetts Institute of Technology) Studenten Ben Campbell (Jim Sturgess), der, ausgehend von einem Einstellungsgespräch für die Harvard Universität, eine unglaubliche Geschichte zum besten gibt, die die nötige Lebenserfahrung für seine Aufnahme schildern soll.


Umgeben von begabten Komilitionen und Freunden, die ebenso wie Ben als Nerds oder Geeks bezeichnet werden, hat dieser natürlich in der Liebe ebenso wenig Glück (Objekt der Begierde: Kate Bosworth) wie beim Aufbringen der 300.000 Dollar Studiengebühren für Harvard. Der geistreiche MIT College Professor Micky Rosa (Kevin Spacey) wendet schließlich das Blatt, als er nach einer unterhaltsamen Diskussion über statistische Wahrscheinlichkeit auf den engagierte Student, der geplagt von Geldsorgen und der damit verbundenen Zukunfts- und Ausweglosigkeit das Beste aus seiner Situation macht, aufmerksam wird und ihn zu einem besonderen Mathematikseminar einlädt: Dessen Ziel ist nämlich Kartenzählen beim Blackjack, einem Glücksspiel, das im Gegensatz zu Anderen berechnet werden kann.


Anfangs widerwillig, lässt sich Ben schließlich doch auf das Angebot ein und entflieht der grauen, eintönigen Studentenumgebung Bostons um mithilfe einer kleinen, handverlesenen Gruppe unter Führung von Prof. Rosa das große Geld in der Glitzerstadt Vegas zu erlangen. Nach mehreren erfolgreichen Ausbeuten steigt der gewinnträchtige Erfolg dem ansonsten kühl agierenden, immer logisch und berechnend denkenden Ben zu Kopf und ein Fehler folgt dem nächsten: Er verschmäht seine alten Nerd-Freunde, lebt auf finanziell großem Fuß und kann schon bald nicht mehr zwischen dem glamourösen Leben in Vegas und der nüchternen Realität in Boston unterscheiden.


Als er an einem missglückten Abend mehrere hundert tausend Dollar verliert, wendet sich Professor Rosa, der als Sponsor und Agitator der Gruppe fungiert, schließlich von der Gruppe ab und überlässt sie ihrem Schicksal, das sich in der Form des alternden, technologiefeindlichen Casino-Geldeintreibers Cole Williams (Laurence Fishburne) manifestiert...


Ein sympathischer Loser, der sich vom Saulus zum Paulus wandelt, auf einen Schlag die Frau seiner Träume, die oft gerühmte Lebenserfahrung und einen Batzen Geld erhält: Während sich Natürlich Blond schon mit dem Thema Klischee einen zweifelhaften Ruf verdient hat, folgt Luketics jüngster Streich 21 in Sachen Stereotypisierung, wenn auch etwas subtiler und nicht ganz so brachial.


Der schlaue Held ist aber natürlich arm wie eine Kirchenmaus, der College - Professor omnipotent und gerissen, die Frau der Begierde anfangs unerreichbar und der Casinoschläger doch irgendwie ein anständiger Kerl: Von Ideenreichtum oder origineller Charakterzeichnung keine Spur. Zumindest Hauptdarsteller Jim Sturgess kann durch sein unschuldiges Auftreten einigermaßen überzeugen, Kevin Spacey scheint seine Figur ebenfalls sehr zu mögen (er produzierte den Film mit). Fishburne gibt einen wenig effizienten, aber körperlich präsenten und dadurch bedrohlichen Schläger zum Besten, der durch das Drehbuch förmlich in den Wind geschossen und deswegen leichtfertig vergeben wird.


Abgesehen von der eher durchwachsenen Besetzungsliste, deren Staraufgebot sicherlich nicht zufällig sein dürfte, verwundern vor allem die immensen Logikfehler und vorhersehbaren Wendungen des Plots: Selbst die noch so unfähigste Security dürfte das laienhafte Schauspiel der Trickbetrüger durchschauen. „Geheime" Zeichen wie hinter dem Rücken verschränkte Hände, ein Fingerzeig zum Auge, das Streichen durch die Haare oder eine peinlich-irritierende Codesprache sind ebenso lachhaft ausgeführt wie unglaubwürdig. Gekrönt werden diese seltsam anmutenden Handlungen durch teils belustigende Verkleidungen, die selten mehr als offensichtlich aufgeklebte Bärte oder gigantische Cowboyhute sind. Bedenkt man zusätzlich, das sich die Handlung in Las Vegas abspielt, einer Stadt mit der sicherlich höchsten Anzahl an Casino-Wachdiensten und aufwendigsten Überwachungsanlagen weltweit, so verspielt 21 schon vor dem tatsächlichen Anwenden der erlernten Trickbetrügereien seine Glaubwürdigkeit. Wer Scorseses Casino gesehen hat, kann höchstens über die zweifelhafte Verfolgungsjagd in einem Glückspieltempel schmunzeln.


Auch die Tatsache, dass ein angebliches Wunderkind und Hochbegabter anscheinend noch nie etwas von Kontoeröffnungen oder Banken gehört hat trägt nicht sonderlich zu einem durchdachten Plot bei: Fragen über Fragen eröffnen sich dem Zuseher während der zweistündigen Spielzeit. Zu einfach, zu platt, zu durchschaubar - wie das System der Trickbetrüger - wirkt 21, das kann nicht einmal die gekonnte Kameraführung des Oscarpreisträger Russel Carpenter vertuschen. In der glattpolierten Diegese des Films wünscht man sich förmlich einen Charakter wie Nicholas Cage aus Leaving Las Vegas herbei, der durch die Szenerie fegt und die ereignislose Dramatik um ein paar Nuancen bereichert.


Fazit:

Las Vegas wird mit einigen eindrucksvollen Kamerafahrten und Montagesequenzen als schöne Kulisse platziert, die scheinbar ohne Probleme besteht und durch Glücksspiel auch zwischenmenschliche Beziehungen zum laufen bringt: Wer Spannung durch Betrug in Vegas sucht, sollte lieber auf Martin Scorseses Casino oder Steven Soderberghs Ocean's Eleven zurückgreifen, denn bei beiden erhält man garantiert mehr Spannung, (Wort-)Witz und ausgereiftere, glaubwürdigere Charaktere als in 21.


Wertung:
3/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.4/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 44
10 /10
7%
9 /10
5%
8 /10
20%
7 /10
16%
6 /10
18%
5 /10
20%
4 /10
7%
3 /10
7%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Die Eiserne Lady - The Iron Lady (2011)
Mann unter Feuer (2004)
Blow (2001)
Die Fremde in Dir
Der Mandant (2011)
J. Edgar (2011)
Das Leben des David Gale (2003)
Donnie Brasco
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!