[REC] (2007)

OT: - 83 Minuten - Horror
[REC] (2007)
Kinostart: 30.05.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu [REC]

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In den Anfangsjahren des Horrorfilms mutierten die langsam schlurfenden Untoten dank Pionieren wie dem Zombieguru George A. Romero zum Kult und waren quasi Stammgäste und Stars zahlloser Horrorfilme. Diese Welle der Begeisterung flachte allerdings ab, und erst vor nicht allzu langer Zeit, als auch immer härtere Filme salonfähig wurden, ließen sie ihr staubiges Dasein in den Videotheken hinter sich und kehrten zurück ins Kino. 28 Days Later, Land of the Dead, Dawn of the Dead, oder auch die geniale Hommage Shaun of the Dead sind dabei nur einige Beispiele. Kurz gesagt, die Zombies sind wieder da, und so beliebt wie eh und je.


[REC] versucht nun gleichzeitig, die wieder beliebt gewordenen Zombies einzusetzen, aber auch dem etwas umstrittenen Ansatz der Fake-Doku nachzugehen. Der Independent-Hit Blair Witch Project machte es ja vor, wie man mit diesem Ansatz einen spannenden, kleinen Film inszenieren kann, und erst kürzlich setzte auch der Monsterfilm Cloverfield auf diesen Ansatz. Die Vorteile dieser Technik sind klar: Alles sieht so aus wie auf einem Privatvideo, oder in [REC] wie in einem Fernsehbericht, was für den Zuseher einen intensiveren Bezug zum Film ermöglicht. Doch leider ist es sehr schwierig, mit diesem Stil ähnlich für Spannung und Horror zu sorgen, was [REC] zwar teilweise gelingt, über weite Stecken aber leider völlig fehlschlägt.


Angela (Manuela Velasco) ist für einen spanischen Lokalsender zu Besuch bei einer Feuerwache und versucht aus dem Alltag der Lebensretter zu berichten. Unterstützt von den beiden Feuerwehrmännern Manu (Ferran Terraza) und Alex (David Vert) besichtigt sie die Wache und muss bald feststellen, dass es dort eher langweilig als spannend zugeht. Doch nur wenig später an diesem Abend sollen sich alle Beteiligten diese Ruhe wieder zurückwünschen. Denn der nächst Einsatz bringt sie in ein verlassenes Haus, in dem der Tod um jede Ecke lauert...


Selbst Horroraltmeister George A. Romero ließ es sich nicht nehmen und sprang mit seinem letzten Film Diary of the Dead auf den Zug der Fake-Dokus auf und inszenierte seinen letzten Horrorreißer als fiktiven Tatsachenbericht. Der im Vorfeld viel gelobte spanische Genrebeitrag [REC] versucht allerdings, mit deutlich weniger Humor als Romero an die Sache ranzugehen und stattdessen voll und ganz auf blanken Terror zu setzten, der dem Zuseher das Blut in den Adern gefrieren lässt. So zumindest in der Theorie, denn in der Praxis verläuft die Horrornummer nicht ganz so prickelnd.


Der Einstieg ins Geschehen erweist sich, wie leider die meisten Vertreter dieser Filmsparte (mit Ausnahme von Blair Witch Project, der selbst diese Hürde gekonnt meisterte), als relativ uninteressant und zäh. Gemeinsam mit der Reporterin langweilen wir uns auf der Feuerwache und quälen uns durch die ersten Minuten, bis schließlich endlich etwas passiert. Sobald sich alle dann auf den Weg in Richtung Haus machen, beginnt sich auch beim Zuseher erste Vorfreude breit zu machen, denn schließlich soll es der Film ja in sich haben.


Und tatsächlich funktioniert [REC] kurz nach der Ankunft im verseuchten Haus relativ gut. Plötzlich werden wir mit einer alten Frau, die offensichtlich ein Zombie ist, konfrontiert, befinden uns aber gemeinsam mit den Protagonisten in der Position, dass wir keine Ahnung haben, was vor sich geht. Wo kommt da plötzlich ein einzelner Zombie her? Warum wissen die Behörden draußen scheinbar Bescheid und riegeln das gesamte Haus hermetisch ab? In diesen Minuten erzeugt [REC] genau die Beklemmung und Spannung, die man sich für den ganzen Film wünschen würde.


Doch bald schon verläuft sich der Film in den immer wieder gleichen Mustern, die man schon aus unzähligen anderen Horrorfilmen kennt, und viel schlimmer noch ist, dass das Konzept der Mockumentary nicht wirklich aufgeht. Denn man fühlt sich nicht mitten im Geschehen, sondern entwickelt eine spürbar größer werdende Distanz zum Film. Auch funktionieren nur die wenigsten Schockmomente, da sie entweder vorhersehbar, generell einfach nicht gruselig oder durch das Fehlen filmischer Mitteln schlicht zu schwach sind.


Ein weiterer tragischer Kritikpunkt, den bisher auch nur die wenigsten Filme dieser Art ausbessern konnten, ist, dass die Protagonisten farblos sind und man als Zuseher in keiner Sekunde eine Bindung zu ihnen herstellen kann. Großteils ist es also völlig egal, wer gerade von wem gefressen wird, sodass man trotz der äußerst geringen Laufzeit nicht behaupten könnte, dass [REC] ein kurzer, knackiger Horrorthrill ist, sondern viel eher einräumen muss, dass der Hype, der von einigen Insidern aufgerührt wurde, nur eine hohle Blase war, gegen die der Film doch deutlich abfällt. Gute Momente gibt es zweifellos, sodass man auch durchaus einen Blick riskieren kann, aber der erhoffte Horrorhit ist [REC] definitiv nicht.


Fazit:

Zugegeben: Es gibt einige Stellen, an denen [REC] funktioniert und dem Zuseher ein unbehagliches Gefühl vermittelt. Doch diese Momente sind klar in der Minderheit, stattdessen dominieren die üblichen Horrorklischees und viele Schwächen, die mit dem Stil des Films einhergehen. Denn eigentlich baut man zu keiner einzigen Figur eine Beziehung auf, sodass es schließlich völlig egal ist, wenn diese getötet werden, und außerdem wirkt sich das Fehlen filmtechnischer Stilmittel sehr auf das Stimmungsbarometer aus, sodass sich [REC] auch in punkto Atmosphäre einige Kritik gefallen lassen muss. Der erhoffte Horrorhit ist es also leider nicht geworden.


Wertung:

6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 12
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Liste von KinoKatz
Erstellt: 18.09.2016