Rocky Balboa

OT: -  105 Minuten -  Boxer / Drama
Rocky Balboa
Kinostart: 09.02.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Rocky Balboa

Von am

"It´s not about how hard you can hit, it´s about how hard you can get hit." 

Rocky Balboa

 

Im Jahr 1976 ging ein junger Autor und Schauspieler in die Filmgeschichte ein. Durch den unerwarteten Erfolg des oscarprämierten Rocky, wurde der Drehbuchautor und Hauptdarsteller des Films Sylvester Stallone über Nacht zum Star. Rocky inspirierte über Jahre hinweg Menschen rund um den Globus und ist einer der besten Underdog Filme aller Zeiten. Besonders wenn man die Hintergründe zu der Geschichte kennt, verstärkt sich der Motivationsfaktor noch um einiges: Sylvester Stallone hatte damals den Traum, es in Hollywood zu schaffen, doch es wollte ihm einfach nicht gelingen. Inspiriert durch einen Boxkampf im Fernsehen schrieb er das Drehbuch zu Rocky und schickte es an eine Produktionsfirma. Diese war von dem Drehbuch begeistert, aber die damit verknüpfte Bedingung, Stallone selbst die Hauptrolle spielen zu lassen, sagte ihnen ganz und gar nicht zu. Der damals ärmlich lebende Stallone lehnte ein Angebot nach dem anderen, für das Drehbuch ohne ihn als Darsteller, ab und wollte um jeden Preis seinen Traum am Leben erhalten. Durch sein Durchhaltevermögen konnte er die Hauptrolle am Ende ergattern und wurde zum gefeierten Star.

 

Der große Erfolg des Films hatte eine wahre Fortsetzungslawine losgetreten. Während Rocky 2 noch ungefähr den selben Stil wie das Original hatte, setzten Rocky 3 und 4 viel mehr auf simple Unterhaltungswerte, verloren aber etwas die Nähe zu seiner Hauptfigur und zur Realität. Zwar konnten auch diese Filme in gewisser Weise überzeugen, aber sie waren eben qualitativ deutlich unter Teil 1 und 2. Doch den Ruf der Reihe zerstörte dann der durch und durch schlechte Rocky 5, der weder Fans noch Kritiker überzeugen konnte und eigentlich nur als schlecht bezeichnet werden kann. Im Jahr 2005 drangen dann die ersten konkreten Hinweise rund um die Produktion eines sechsten Teils der Rocky-Saga an die Öffentlichkeit. Die Reaktionen reichten über eine mildes Belächeln des Films bis hin zu blanker Verhöhnung. Eigentlich waren sich alle einig, dass den Film niemand braucht. Immerhin ist Sylvester Stallone bereits 60 Jahre alt und somit standen die Vorzeichen wirklich nicht gut. Ich muss zugeben dass auch ich sehr skeptisch einem sechsten Teil gegenüber stand, doch dann tauchte der erste Trailer auf, und plötzlich wirkte alles gar nicht mehr so abwegig.

 

Rocky Balboa (Sylvester Stallone) hat dem Boxsport den Rücken zugekehrt und leitet nun ein Restaurant. Dort hält er die Kunden durch alte Geschichten bei Laune und durch den großen Sympathiebonus des Besitzers läuft das Geschäft wirklich gut. Doch in seinem Privatleben gibt es einige Probleme: Sein Sohn (Milo Ventimiglia) wendet sich langsam von ihm ab und seine Frau Adriane ist bereits vor einigen Jahren an Krebs gestorben. Ihr verbitterter Bruder Paulie (Burt Young) ist zwar immer noch an Rockys Seite, aber die beiden fühlen sich in der neuen Welt sehr verloren, da beinahe alle ihre alten Freunde gestorben sind. Auch in der Welt des Boxsports läuft nicht alles so wie es sich die Manager wünschen würden. Der Weltmeister Mason "The Line" Dixon (Antonio Tarver) ist bei den Fans sehr unbeliebt. Außerdem finden sich keine wirklichen Gegner mehr für ihn und somit gehen die Zuseherzahlen deutlich zurück. Als ein Fernsehsender eine Computersimulation sendet, laut der Rocky Balboa den aktuellen Champ schlagen würde, hat Dixons Manager eine Idee: Er will die beiden Boxer für einen wohltätigen Zweck gegeneinander antreten lassen...

 

Obwohl Sylvester Stallone bereits 60 Jahre, und die Filmfigur 50 Jahre alt ist, nimmt man ihm dennoch jede Facette dieser Figur ab. Er ist durchtrainiert wie eh und je und wirkt um einiges stärker als sein viel jüngerer Gegner. Die emotionale Seite dieser Figur hat sich der Darsteller bereits vor 30 Jahren auf den Leib geschrieben und auch heute überzeugt er noch voll und ganz. Zwar war Stallone nie ein Ausnahmedarsteller, und er ist auch keiner geworden, aber die Figur des Rocky gehört einfach ihm und könnte niemals von jemand anderem dargestellt werden. Dieser Charakter ist einer der sympathischsten Helden der Filmgeschichte, und mit seinen charismatischen, aber oft tollpatschig wirkenden Verhalten spielt er sich sofort in jedermanns Herz.

 

Der Charme und die Atmosphäre des Films lassen sofort wieder an den großartigen ersten Teil denken, und ich hätte nicht geglaubt dass ich dies an dieser Stelle schreiben würde, aber Rocky 6 steht dem oscar-prämierten ersten Teil in nichts nach. Stallone stand quasi vor den Scherben seiner Karriere und keiner hat mit ihm gerechnet. Dies versetzt ihn in die Rolle des Underdogs und verstärkt die Wirkung des Films in diesem Punkt noch einmal erheblich. Zu Beginn mögen viele noch skeptisch sein, aber Stallone erarbeitet sich von Minute zu Minute immer mehr Sympathie und am Ende hat er garantiert jeden auf seiner Seite. Rocky Balboa ist ein grundguter Mensch, der das Herz am rechten Fleck hat und der mit seinem beinharten Siegeswillen die Zuseher inspiriert und zum Weitermachen anregt.

 

Back to the roots trifft es sehr gut. Rocky ist im Film der Außenseiter, der Stallone in der wirklichen Welt ist. Keiner rechnete mit ihm und der Film überzeugt uns vom Gegenteil, was genau den Kern des ersten Teils trifft und dessen Botschaft modernisiert aufbereitet, ohne bloß zu kopieren. Weiters lässt der Film keinesfalls Humor vermissen. Rocky Balboa ist ein sympathischer Kerl, der die Betrachter sofort auf seiner Seite hat. Die witzigen Stellen des Films lassen uns keinenfalls über, sondern lediglich mit Stallone lachen, der mit einigen selbstironischen Pointen wirklich überzeugt. Vor allem der Dialog mit Mason Dixon, der bereits im Trailer gezeigt wurde, sorgte für Lacher:

 

Rocky: "It´s not over till it´s over!"

Dixon: "Where is this from? The 80s?"

Rocky: "That´s probably the 70s!"

 

Anstelle von Rocky´s Frau Adrian, die wie oben erwähnt gestorben ist, bekommt er eine neue Frau an seine Seite. Doch wer die ersten Teile gesehen hat weiß natürlich, dass sich Rocky nach Adrians Tod nicht einfach eine Neue sucht. Er besucht sie regelmäßig am Friedhof und hat sich einen Sessel an ihrem Grab versteckt um bequem bei ihr sein zu können. Die neue Frau an Rockys Seite ist nämlich nicht eine neue Liebe, sondern nur eine rein platonische Freundin, der Rocky etwas hilft.

 

Rocky Balboa beinhaltet einige sehr interessannte Punkte. Zum Einen verstrahlt der Film viel nostalgisches Flair und beinhaltet einige gelungene Hommagen an die anderen Teile. Zum Anderen zeichnet er ein wunderschönes Charakterportrait des alternden Rocky, der die meisten seiner Freunde verloren hat, dafür aber kein bisschen seine Willens abgegeben hat. Man sieht ihn in Erinnerungen schwelgen und es wird sehr genau gezeigt, was ihn veranlasst, doch noch einmal in den Ring zu steigen. Es wird sehr viel auf den Charakter Rockys eingegangen und das Training und der Kampf finden nur einen kleinen Platz im Film.

 

Natürlich ist der Film intellektuell keine Herausforderung, aber das war der großartige erste Teil auch nicht. Die Qualitäten des Films liegen viel mehr im emotionalen Bereich und da überzeugt der Film voll und ganz. Von Anfang an nimmt der Film sehr mit und berührt stark. Spätestens als bei der Trainingssequenz die Rockyfanfare ertönt, vereinen sich Nostalgie und Emotionalität zu einem außergewöhnlichen Filmerlebnis, das nicht nur Rocky-Fans tief berührt. Einige sehr treffende Ansprachen Stallones und die durch und durch perfekten Dialoge runden das Bild des Films noch zusätzlich ab. Von Anfang an ist Rocky Balboa ein zum Niederknien schönes Portrait, das einem der größten Kinohelden aller Zeiten seinen würdigen Abgang erlaubt und an sehr vielen Stellen einfach nur umwerfend ist.

 

Die durchgehend perfekten Darsteller und der emotional ergreifende und nahezu perfekt durchkomponierte Film lassen den Zuseher von Anfang an bis nach dem Abspann sehr berührt im Kinosessel versinken. Man sieht es dem Film deutlich an, dass Stallone nicht mit aller Gewalt ein Comeback schaffen wollte. Viel mehr sollte der sechste Teil ein wohltuender Ausklang der Saga um seine liebste Figur werden, die die Serie so beenden sollte wie sie begonnen hat: Mit großer emotionaler Stärke, denkwürdigen Figuren und vor allem mit viel Inspiration.

 

Natürlich bietet der Film auch einige kleine Kritikpunkte. Zum einen ist der Antagonist des Films mit Mason Dixon sowohl schlecht gezeichnet, als auch schlecht besetzt und der Endkampf und die Trainingssequenzen sind etwas kurz ausgefallen. Doch ein kurzer und packender Film ist mir tausend Mal lieber als ein langer und langweiliger. Die Kritikpunkte an dem Film sind außerdem nur marginal und trüben das Kinovergnügen in keinster Weise. Rocky 6 ist ein bombastischer Film, der große Gefühle hervorruft.

 

Der Film erscheint erst Mitte Februar 2007 in den Österreichischen Kinos. Damit war die Pressevorführung 2 Monate vor dem Kinostart und man geht damit den umgekehrten Weg von Krieg der Welten, der erst knapp vor dem Start des Films der Presse gezeigt wurde, die dann auch noch mit Schreibverbot ausgestattet wurde. Warum ist ganz einfach zu erklären: Man erwartete sich schlechte Rezensionen, und damit diese das Einspielergebnis nicht trüben konnten, sollten die Kritiken auch erst ganz knapp vor oder sogar nach dem Start erscheinen. Rocky 6, der ja im Vorfeld sehr runtergemacht wurde geht den anderen Weg: Man hat hier genug Vertrauen in die Qualität des Films, um erstmal das Presseecho wirken zu lassen und somit viele skeptische Zuseher ins Kino zu locken. Denn positives Echo darf sich der Film allemal erwarten. Der Film hat mich stark berührt und ich empfehle euch den Besuch auf alle Fälle. Ein Film, der an vielen Stellen einfach zum Weinen ist: Doch keinesfalls durch seine schlechte Qualität wie Teil 5, sondern durch die starken und vor allem emotionalen Szenen und vor allem durch das Gefühl, dass die liebenswerte Figur des Rocky endlich seinen würdigen Abgang gefunden hat. Der Film ist einfach atemberaubend.

 

Fazit:

Großes Kino auf sehr hohem Niveau. Sylvester Stallone hat die Rocky Saga feinfühlig mit großen Gefühlen zu Ende geführt und serviert einen Film, der inspiriert und bewegt. Ich bin überwältigt!

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 22
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