Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

OT: -  132 Minuten -  Action / Abenteuer 
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
Kinostart: 22.05.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

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Im Jahr 1981 schrieben George Lucas und Steven Spielberg Filmgeschichte, als sie ihren Beitrag zum Abenteuergenre ablieferten, mit dem sie nicht nur das Boxoffice eroberten, sondern gleichzeitig mit der Figur des Indiana Jones den ultimativen Archetyp des Abenteuerheldens erschafften. Kongenial verkörpert durch Harrison Ford hetzte Indiana Jones durch zwei Sequels und kämpfte sich mit trockenem Humor, halsbrecherischer Action und viel Charme in die Herzen der Zuseher und auf die persönlichen Toplisten unzähliger Filmfans.

Im Jahr 1989 folgte dann der Abschluss der Trilogie, doch irgendwie wollte man diese unglaublich beliebte Figur nicht ruhen lassen und nachdem man versucht hatte einen vierten Teil auf die Beine zu stellen, der aber immer wieder daran scheiterte, dass man sich mit dem Drehbuch nicht einig werden konnte, kehrte Ruhe ein und die Zeit schritt voran. Solange bis kaum jemand mehr an einen neuen Indiana Jones Film glaubte. Als dann die ersten Meldungen kamen, dass sich George Lucas, Steven Spielberg und Harrison Ford einig wurden und man einen weiteren Film machen werde, folgte zunächst die große Skepsis.

George Lucas hatte ja erst vor nicht allzu langer Zeit bewiesen wie man den Mythos einer Filmreihe zerstören kann, in dem er aus seiner charmanten Star Wars Saga eine platte Effektorgie machte. Die Indy Fans befürchteten nun ein ähnliches Schicksal, denn Harrison Ford ist immerhin schon stolze 65 Jahre alt, also nicht mehr unbedingt in dem Alter in dem man als tollkühner Archäologe um die Welt zieht und große Abenteuer durchlebt. Außerdem ist allen bekannt, dass George Lucas ein großer Fan der modernen CGI Technik ist und wer will schon, dass der neue Indiana Jones Film ein ähnlich kühles Effektabenteuer wird wie es die neue Star Wars Trilogie war?

Kurz gesagt gab es also nicht wenige, durchaus begründete Zweifel an dem ganzen Unternehmen und als dann der Film schließlich am 18. Mai 2008 seine Weltpremiere in Cannes feierte und unter den Kritikern nur verhaltene Reaktionen auslöste, schienen sich für viele die Befürchtungen zu bestätigen. Doch man sollte diese ersten Stimmen aus Cannes durchaus etwas kritisch betrachten. Denn immerhin ist Cannes das berühmteste Filmfestival der Welt, und es gehört doch beinahe zum guten Ton, dass man sich dem großen Blockbuster der Saison entgegenstellt und etwas Macht gegen die großen demonstriert, in dem man sich querstellt. Als großer Indiana Jones Fan kann ich sagen, dass sich diese negative Stimmung aus Cannes, die über die Medien übermittelt wurde, nicht bewahrheitet hat. Aber für alle die schon in Jubeltaumel ausbrechen habe ich auch eine negative Nachricht: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ist zwar besser als befürchtet, aber sicher nicht so gut wie erhofft.

Indiana Jones (Harrison Ford) wurde gemeinsam mit seinem Kumpel Mac (Ray Winstone) von einer russischen Truppe unter der Leitung von Irina Spalko (Cate Blanchett) entführt um in einem Lagerhaus in der Militärbasis Area 51 nach einer ganz bestimmten Kiste zu suchen, deren Inhalt Indy vor einigen Jahren ausgegraben hat. Dort läuft es allerdings für beide Seiten nicht ganz nach Plan, sodass sich Mac bald als Doppelagent zu erkennen gibt, der Indy in den Rücken fällt. Doch dem abgebrühten Archäologen gelingt die Flucht. Zurück auf seiner Uni, wo er wegen einiger Probleme mit dem FBI entlassen wurde, trifft Indy auf den rebellischen Mutt Williams (Shia LaBeouf), der ihm etwas wichtiges zu sagen hat. Ein rätselhafter Brief bringt die beiden in den Amazonas, wo sie erneut auf die Russen treffen, und auch schnell entdecken worauf diese es abgesehen haben: Auf einen mysteriösen Kristallschädel. Noch dazu feiert Indy ein Wiedersehen mit Marion Ravenwood (Karen Allen, aus Indiana Jones: Jäger des Verlorenen Schatzes), die ihm eine interessante Nachricht zu überbringen hat...

Indiana Jones hat im Laufe der Jahre so einiges erlebt: Zunächst hat er die geheimnisvolle Bundeslade gefunden, in der früher die zerbrochenen Steintafeln transportiert wurden, auf denen die Zehn Gebote überbracht wurden. Danach hat er es in Indien mit dem gefährlichen Tuk-Kult aufgenommen und schließlich hat er gemeinsam mit seinem Vater und den Nazis im Nacken das prestigeträchtigste Relikt der Menschheit gefunden: Den Heiligen Gral, in dem der Legende nach das Blut Jesus Christi aufgefangen wurde. Der skeptische Leser wird sich jetzt bereits eines fragen: Er hat doch schon den Heiligen Gral gefunden. Kann man das überhaupt noch toppen?

Und es ist schön, dass man auf diese Frage eine eindeutige Antwort geben kann: Nein, kann man nicht. Indiana Jones - Jäger des Verlorenen Schatzes und Indiana Jones und der letzte Kreuzzug bleiben nach wie vor die unbestrittenen Highlights der Trilogie, wenn nicht gar des Abenteuergenres überhaupt. Indiana Jones und der Tempel des Todes bleibt ein kleiner Ausrutscher, der aufgrund der Storyline und des etwas schwächerem Settings qualitativ nicht mit den beiden oben genannten Filmen mithalten kann. Mit Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels verhält es sich nun ganz ähnlich wie mit dem zweiten Teil der Reihe, nur dass er gegenüber diesem eben noch ein Stückchen mehr abfällt.

Dies hat einige Gründe, auf die ich im Folgenden näher eingehen werden. Der größte und auch mit Abstand schwerwiegendste Grund ist, dass das Drehbuch, auch wenn man angeblich so viele Jahre lang gewartet hat, bis man einen Storyentwurf bekommt der allen gefällt, deutlich unter dem Niveau der anderen Teile liegt. Hier wirkt es eher so, als hätte man Jahre lang auf ein wirklich gutes Drehbuch gewartet, aber dann bemerkt, dass die Zeit langsam davonläuft und schlussendlich einfach das nächstbeste genommen. Dieser Umstand wird auch jedem Fan der Reihe bereits am Beginn auffallen, der gemeinsam mit dem Finale das deutliche Tief des Films makiert.

Denn während der direkte Einstieg in den Film, übrigens genauso wie das abschließende Schlussmotiv, durchaus als gelungen bezeichnet werden kann, gibt es in den ersten und in den finalen Sequenzen des Films, so einiges zu meckern, was in diesem Fall speziell die Indyfans betrifft. Denn in der Lagerhalle der Area 51 ist noch nichts vom klassischen Indycharme zu spüren, sondern durchschnittliche Action und mauer Klamauk  beherrscht den Film. Speziell in dieser Phase konnte man es sich nicht nehmen lassen dauernd auf das fortgeschrittene Alter von Harrison Ford anzuspielen, was beim ersten Mal ja noch ganz witzig ist, aber irgendwann einfach nur mehr stört. Doch zum Glück verliert sich diese Vorgehensweise im Laufe des Films.

Dieser Absatz enthält leichte Spoiler: Den Gipfel der Peinlichkeit stellt aber eine ganz bestimmte Szene dar, die am Ende der Flucht aus der Area 51 steht: Mitten in der Wüste trifft Indiana Jones auf ein Dorf, in dem er sich von den Russen versteckt und in dem er nun bei den Einwohnern Hilfe sucht. Doch anstatt von echten Menschen ist dieses Dorf nur von Dummys bewohnt, die fröhlich ihrem statischen Alltag nachgehen. Jeder der The Hills Have Eyes, oder Dokumentationen über die ersten Atombombentests gesehen hat, weiß natürlich schon worauf das hinauslaufen soll: Richtig, Indiana Jones ist mitten in einem Atomtest gelandet, aber man braucht nicht lange um den Helden zu bangen. Kurzerhand räumt er den nächsten Kühlschrank aus, springt hinein und ist sicher. Danach gilt es nur noch aus dem „Schutzraum" zu steigen und sich den wunderschönen Atompilz anzusehen. Natürlich ohne von irgendeiner Strahlung betroffen zu sein.

Dieser Absatz enthält leichte Spoiler: Man muss an dieser Stelle fairerweise zwar einräumen, dass auch die vorigen Filme der Reihe über einige Szenen verfügten, die reichlich over the top waren, aber so schlimm wie in diesem Teil ist es noch nie zugegangen. Wem der Atombombentest als Beispiel noch nicht reich, der kann sich auch noch auf eine wunderschöne Szene freuen, in der Mutt kurzerhand zum König der Affen aufsteigt und sich mit ihnen durch den Jungle hangelt um anschließlich in einem gemeinsamen Angriff die Russen zu überwältigen. Weiter geht es dann mit einer Horde fleischfressender Ameisen, die einen Menschen im nu verputzen und eher an einen Film alá Angriff der Killerameisen als an Indiana Jones erinnern.

Dieser Absatz enthält leichte Spoiler: Wer Steven Spielberg kennt und sich vielleicht ungefähr mit der Thematik der Kristallschädel auseinandergesetzt hat, wird vielleicht schon auf einen möglichen Ansatz der Geschichte gekommen sein, der bei dieser Konstellation durchaus naheliegend ist: Ausserirdische. Und leider Gottes hat man es sich nicht nehmen lassen diesem Ansatz nachzugehen, und obwohl sich die Indiana Jones Filme immer schon mit bekannten Mythen und Theorien auseinandergesetzt haben, passt dieser Ansatz leider gar nicht ins Konzept. Denn es handelt sich nicht um eine mystische Geschichte, sondern geht stellenweise eher in den Science Fiction Bereich, was leider, speziell am Ende wenn diese Elemente verstärkt auftreten, ein etwas peinliches Gefühl hinterlässt.

Auch Indys Erzfeinde, die Nazis, die ihm über die Jahre so zusetzten, haben es nicht in den Film geschafft, sondern wurden durch Russen ersetzt, die leider ganz und gar nicht das Kaliber der vorigen Gegenspieler erreichen. Gut, bei Indiana Jones geht es nicht um die Bösewichte, sondern um den Hauptcharakter, was vielleicht erklärt warum Cate Blanchett trotz engagiertem Spiel nie so bemerkenswert wie in ihren anderen Filmen wirkt,  aber es gehört einfach zum Indyflair dazu, dass sich die bösen Nazischergen im Film tummeln.

Das ganze hört sich jetzt vielleicht äußerst negativ an, im fertigen Film sieht das aber schon wieder anders aus. Denn trotz dieser Schwächen schafft es der Film dennoch gut zu unterhalten. Schließlich bot ja auch bereits der zweite Teil der Reihe genügend Angriffsfläche, die einem allzu kritischen Betrachter die Stimmung gehörig vermiesen konnte. Bei Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels entsteht zwar nicht eine solch intensive Bindung zwischen dem Zuseher und dem Film wie es bei den anderen Teilen vorhanden war, aber sie reicht immer noch aus um sich in Punkto Charme über die meisten anderen Großproduktionen aus Hollywood zu hieven.

Für alle Skeptiker sei auch erwähnt, dass das Zusammenspiel zwischen Shia LaBeouf und Harrison Ford sehr gut funktioniert. Zwar wird nicht die selbe Knallermischung wie in Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, durch die herrliche Paarung mit Sean Connery, erreicht, aber das hat auch keiner erwartet. Viel wichtiger ist, dass sich beide die Bälle gekonnt zuspielen und auch wenn es im Trailer noch den Anschein hatte, dass Shia LaBeouf als Mischung aus James Dean und Marlon Brando in Der Wilde, etwas fehlbesetzt ist, bringt der doch im fertigen Film den nötigen Witz und die nötige Coolness mit um zu überzeugen. Harrison Ford erreicht zwar nicht mehr die selbe Agilität wie in den anderen Teilen, immerhin ist der gute Mann auch schon in die Jahre gekommen, aber dennoch funktioniert das Konzept. Speziell im ersten Drittel wirken allerdings einige Actionszenen etwas behäbig und weniger temporeich als in den Vorgängern, aber dem Unterhaltungswert schadet dies nur wenig.

Schlussendlich bleibt nur zu sagen, dass Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels hauptsächlich ein Film für die Fans ist. Ein junges Publikum, das den Mann mit Hut und Peitsche nur aus Erzählungen kennt, wird wohl keine Freude daran haben einem alten Kerl in der abstrusen Story zuzusehen, und auch alle anderen die mit einer negativen Einstellung in den Film gehen bekommen genug Material um ihn in der Luft zu zerreissen, aber jeder, der sich einfach hinsetzt, über die Schwächen hinwegsieht und schon immer ein Indiana Jones Fan war, der feiert ein unterhaltsames Wiedersehen mit einem alten Freund, der zwar schon eindeutig in besserer Form war, den man aber ganz einfach trotz seiner Schwächen immer noch liebt.

Fazit:

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ist weder der Knaller den sich die Fans erhofft haben, noch ist es der Flop der von vielen befürchtet wurde. Aus meiner Sicht ist es knapp hinter dem zweiten Teil der schwächste Film der Reihe, was vor allem am abstrusen Drehbuch liegt, dessen Plotpoints nicht immer ins Indiana Jones Universum passen. Auch die Actionszenen sind nicht mehr so dynamisch wie in den Vorgängern, weswegen sich die knapp 130 Minuten Laufzeit vielleicht etwas zu lange anfühlen. Schlussendlich gesellen sich noch einige wirklich peinliche Ideen und unnötiger Klamauk ins Konzept des Films, die die Fehlerliste noch weiter belasten und verhindern dass durchgehend geniale Indystimmung aufkommt. Nichtsdestotrotz besitzt Harrison Ford immer noch das gewisse Etwas und kann der Rolle genügend Witz und Charme mit auf den Weg geben, weswegen der Film trotz seinen Schwächen ständig unterhaltsam bleibt. Auch die Chemie zwischen ihm und Shia LaBeouf stimmt was den Film natürlich noch zusätzlich aufwertet, wenngleich natürlich die magische Kombination mit Sean Connery nicht getoppt werden kann. Schlussendlich hängt es wohl von der Einstellung des Zusehers ab: Wer den Film unbedingt schlecht machen will, bekommt genügend Material um ihn in der Luft zu zerreissen, aber wer über manche Schwächen hinwegsieht, bekommt ein unterhaltsames Wiedersehen mit einem alten Freund, der zwar etwas in die Jahre gekommen ist und nicht mehr ganz so fit ist wie früher, der aber immer noch für einen unterhaltsamen Abend mit Witz sorgen kann.

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
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