![]() ![]() Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels OT: Regie: Steven Spielberg Drehbuch: David Koepp Filmstart: 22.05.2008 | Laufzeit: | Action-Abenteuer |
Im Jahr 1989 folgte dann der Abschluss der Trilogie, doch irgendwie wollte man diese unglaublich beliebte Figur nicht ruhen lassen und nachdem man versucht hatte einen vierten Teil auf die Beine zu stellen, der aber immer wieder daran scheiterte, dass man sich mit dem Drehbuch nicht einig werden konnte, kehrte Ruhe ein und die Zeit schritt voran. Solange bis kaum jemand mehr an einen neuen Indiana Jones Film glaubte. Als dann die ersten Meldungen kamen, dass sich George Lucas, Steven Spielberg und Harrison Ford einig wurden und man einen weiteren Film machen werde, folgte zunächst die große Skepsis.
Kurz gesagt gab es also nicht wenige, durchaus begründete Zweifel an dem ganzen Unternehmen und als dann der Film schließlich am 18. Mai 2008 seine Weltpremiere in Cannes feierte und unter den Kritikern nur verhaltene Reaktionen auslöste, schienen sich für viele die Befürchtungen zu bestätigen. Doch man sollte diese ersten Stimmen aus Cannes durchaus etwas kritisch betrachten. Denn immerhin ist Cannes das berühmteste Filmfestival der Welt, und es gehört doch beinahe zum guten Ton, dass man sich dem großen Blockbuster der Saison entgegenstellt und etwas Macht gegen die großen demonstriert, in dem man sich querstellt. Als großer Indiana Jones Fan kann ich sagen, dass sich diese negative Stimmung aus Cannes, die über die Medien übermittelt wurde, nicht bewahrheitet hat. Aber für alle die schon in Jubeltaumel ausbrechen habe ich auch eine negative Nachricht: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ist zwar besser als befürchtet, aber sicher nicht so gut wie erhofft.
Indiana Jones hat im Laufe der Jahre so einiges erlebt: Zunächst hat er die geheimnisvolle Bundeslade gefunden, in der früher die zerbrochenen Steintafeln transportiert wurden, auf denen die Zehn Gebote überbracht wurden. Danach hat er es in Indien mit dem gefährlichen Tuk-Kult aufgenommen und schließlich hat er gemeinsam mit seinem Vater und den Nazis im Nacken das prestigeträchtigste Relikt der Menschheit gefunden: Den Heiligen Gral, in dem der Legende nach das Blut Jesus Christi aufgefangen wurde. Der skeptische Leser wird sich jetzt bereits eines fragen: Er hat doch schon den Heiligen Gral gefunden. Kann man das überhaupt noch toppen?
Dies hat einige Gründe, auf die ich im Folgenden näher eingehen werden. Der größte und auch mit Abstand schwerwiegendste Grund ist, dass das Drehbuch, auch wenn man angeblich so viele Jahre lang gewartet hat, bis man einen Storyentwurf bekommt der allen gefällt, deutlich unter dem Niveau der anderen Teile liegt. Hier wirkt es eher so, als hätte man Jahre lang auf ein wirklich gutes Drehbuch gewartet, aber dann bemerkt, dass die Zeit langsam davonläuft und schlussendlich einfach das nächstbeste genommen. Dieser Umstand wird auch jedem Fan der Reihe bereits am Beginn auffallen, der gemeinsam mit dem Finale das deutliche Tief des Films makiert.
Dieser Absatz enthält leichte Spoiler: Den Gipfel der Peinlichkeit stellt aber eine ganz bestimmte Szene dar, die am Ende der Flucht aus der Area 51 steht: Mitten in der Wüste trifft Indiana Jones auf ein Dorf, in dem er sich von den Russen versteckt und in dem er nun bei den Einwohnern Hilfe sucht. Doch anstatt von echten Menschen ist dieses Dorf nur von Dummys bewohnt, die fröhlich ihrem statischen Alltag nachgehen. Jeder der The Hills Have Eyes, oder Dokumentationen über die ersten Atombombentests gesehen hat, weiß natürlich schon worauf das hinauslaufen soll: Richtig, Indiana Jones ist mitten in einem Atomtest gelandet, aber man braucht nicht lange um den Helden zu bangen. Kurzerhand räumt er den nächsten Kühlschrank aus, springt hinein und ist sicher. Danach gilt es nur noch aus dem „Schutzraum" zu steigen und sich den wunderschönen Atompilz anzusehen. Natürlich ohne von irgendeiner Strahlung betroffen zu sein.
Dieser Absatz enthält leichte Spoiler: Wer Steven Spielberg kennt und sich vielleicht ungefähr mit der Thematik der Kristallschädel auseinandergesetzt hat, wird vielleicht schon auf einen möglichen Ansatz der Geschichte gekommen sein, der bei dieser Konstellation durchaus naheliegend ist: Ausserirdische. Und leider Gottes hat man es sich nicht nehmen lassen diesem Ansatz nachzugehen, und obwohl sich die Indiana Jones Filme immer schon mit bekannten Mythen und Theorien auseinandergesetzt haben, passt dieser Ansatz leider gar nicht ins Konzept. Denn es handelt sich nicht um eine mystische Geschichte, sondern geht stellenweise eher in den Science Fiction Bereich, was leider, speziell am Ende wenn diese Elemente verstärkt auftreten, ein etwas peinliches Gefühl hinterlässt.
Das ganze hört sich jetzt vielleicht äußerst negativ an, im fertigen Film sieht das aber schon wieder anders aus. Denn trotz dieser Schwächen schafft es der Film dennoch gut zu unterhalten. Schließlich bot ja auch bereits der zweite Teil der Reihe genügend Angriffsfläche, die einem allzu kritischen Betrachter die Stimmung gehörig vermiesen konnte. Bei Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels entsteht zwar nicht eine solch intensive Bindung zwischen dem Zuseher und dem Film wie es bei den anderen Teilen vorhanden war, aber sie reicht immer noch aus um sich in Punkto Charme über die meisten anderen Großproduktionen aus Hollywood zu hieven.
Schlussendlich bleibt nur zu sagen, dass Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels hauptsächlich ein Film für die Fans ist. Ein junges Publikum, das den Mann mit Hut und Peitsche nur aus Erzählungen kennt, wird wohl keine Freude daran haben einem alten Kerl in der abstrusen Story zuzusehen, und auch alle anderen die mit einer negativen Einstellung in den Film gehen bekommen genug Material um ihn in der Luft zu zerreissen, aber jeder, der sich einfach hinsetzt, über die Schwächen hinwegsieht und schon immer ein Indiana Jones Fan war, der feiert ein unterhaltsames Wiedersehen mit einem alten Freund, der zwar schon eindeutig in besserer Form war, den man aber ganz einfach trotz seiner Schwächen immer noch liebt.
Fazit:
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ist weder der Knaller den sich die Fans erhofft haben, noch ist es der Flop der von vielen befürchtet wurde. Aus meiner Sicht ist es knapp hinter dem zweiten Teil der schwächste Film der Reihe, was vor allem am abstrusen Drehbuch liegt, dessen Plotpoints nicht immer ins Indiana Jones Universum passen. Auch die Actionszenen sind nicht mehr so dynamisch wie in den Vorgängern, weswegen sich die knapp 130 Minuten Laufzeit vielleicht etwas zu lange anfühlen. Schlussendlich gesellen sich noch einige wirklich peinliche Ideen und unnötiger Klamauk ins Konzept des Films, die die Fehlerliste noch weiter belasten und verhindern dass durchgehend geniale Indystimmung aufkommt. Nichtsdestotrotz besitzt Harrison Ford immer noch das gewisse Etwas und kann der Rolle genügend Witz und Charme mit auf den Weg geben, weswegen der Film trotz seinen Schwächen ständig unterhaltsam bleibt. Auch die Chemie zwischen ihm und Shia LaBeouf stimmt was den Film natürlich noch zusätzlich aufwertet, wenngleich natürlich die magische Kombination mit Sean Connery nicht getoppt werden kann. Schlussendlich hängt es wohl von der Einstellung des Zusehers ab: Wer den Film unbedingt schlecht machen will, bekommt genügend Material um ihn in der Luft zu zerreissen, aber wer über manche Schwächen hinwegsieht, bekommt ein unterhaltsames Wiedersehen mit einem alten Freund, der zwar etwas in die Jahre gekommen ist und nicht mehr ganz so fit ist wie früher, der aber immer noch für einen unterhaltsamen Abend mit Witz sorgen kann.
Wertung:
7/10 Punkte

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