300

OT: -  117 Minuten -  Action
300
Kinostart: 06.04.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu 300

Von am

Kaum ein Trailer konnte jemals einen solchen Hype auslösen wie der, zugegeben brillante, Trailer von 300. Schlagartig hatte so gut wie jeder Filmfan rund um den Globus den Film auf seiner Wunschliste. Sin City hatte ja bereits vorgemacht was aus einem Frank Miller Comic gemacht werden kann. Der Hype ging weiter und nahm in diversen Foren gigantische Aumaße an. Dann kam schließlich die Premiere während der Berlinale und 300 wurde von einigen Kritikern während der Pressevorführung ausgebuht. Beim Publikum kam er etwas besser an und er erntete sogar Szenenapplaus. Jedoch wurden die Nachrichten immer lauter dass der Film kriegsverherrlichend ist und einem Propagandafilm sehr nahe kommt. Diese Vorfürfe sind zwar durchaus berechtigt, gehen allerdings in der comichaften Inszenierung etwas unter. Auch die dummen und inhaltlsleeren Phrasen die dem Zuseher um die Ohren geworfen werden kann man verschmerzen, da sie zu erwarten waren. Überraschend ist allerdings dass 300 sogar auf der Unterhaltungsebene etwas enttäuscht.

 

Die Spartaner sind nicht dafür bekannt ein freundliches Volk zu sein: Nach der Geburt eines Kindes wird dieses untersucht und falls es nicht den strengen Ansprüchen genügt, dann wird das Neugeborene schon mal über die Klippen geschmissen. Leonidas (Gerald Butler) musste sich seit seinem siebten Lebensjahr im Kampf beweisen und ist mittlerweile König der Spartaner. Als der größenwahnsinnige Perserkönig Xerxes (Rodrigo Santoro) seine Gesandten schickt um den Spartanern anzubieten sich freiwillig geschlagen zu geben, da die Perser mit einer 100.000 Mann starken Armee anrücken, tötet Leonidas die Perser. Ein Spartaner kapituliert nicht.

 

Leonidas muss nach spartanischem Gesetz das Orakel befragen ob er gegen die Perser in den Krieg ziehen darf, oder nicht. Obwohl es ihm verboten wird zieht der König mit einer 300 Mann starken Leibgarde in Richtung der strategisch wichtigen Thermopylen um die Perser aufzuhalten. Auf dem Weg treffen die Spartaner auf eine weitere Gruppe Männer, die sich ihnen anschließen. Als sie bei den Thermopylen angelangen müssen sie sich gegen eine riesige Überzahl Perser zur Wehr setzen. Sie müssen kämpfen bis zum letzten Mann. Rückzug ist keine Option...

 

Wenn wir einmal ehrlich sind, dann hat sich niemand von 300 einen inhaltsstarken Film erwartet. Aber was hier abgeliefert wurde, unterbietet alle Erwartungen noch: Die ersten 40 Minuten des Films beschreiben die Figuren etwas und liefern die Grundlage der Story bis die 300 Spartaner schließlich die Thermopylen erreichen. Dann verkommt der Film zu einem reinen Schlachtfest, bei dem abgetrennte Gliedmaßen die Szenerie und martialische Oneliner, vorgetragen von heroischen Tötungsmaschinen der Inhalt sind. Zwischenzeitlich werden dem Zuseher kleine Pausen von der Schlacht gegönnt und man zeigt Szenen im Senat, in denen die Königin von Sparta, Gorgo (Lena Headey), versucht den Senat davon zu überzeugen weitere Männer nachzuschicken um dem König einen Sieg zu ermöglichen.

 

Auch mit dieser Story könnte man leben, wenn 300 es schaffen würde den guten Eindruck des Trailers auf den Film zu übertragen. Man hatte sich eine bildgewaltige und eindrucksvolle Inszenierung, mit einer innovativen Gestaltung alá Sin City erwartet, die 300 zu einem Fest für alle Sinne macht. Doch ehrlich gesagt ist von Innovation nichts im Film zu finden. Die optische Umsetzung besticht vor allem durch eine goldbraune Einfärbung und hat nichts von der künstlerischen und ästhetischen Gestaltung eines Sin City. Stattdessen dient die Gestaltung nur dazu um den sinnfreien Pathos und die testosterongeschwängerte Atmosphäre des Films noch mehr zu verstärken. Im Trailer wirkte dieser Stil noch gut, aber im Film zehrt es fast an den Nerven ständig mit dieser unkreativen Umsetzung konfrontiert zu werden.

 

Man muss zugeben dass die visuelle Umsetzung reine Geschmaksache ist. Mir war sie zu kitschig, aber was besonders auffält ist der optische Ideenklau bei Sin City und auch Gladiator diente offensichtlich als Inspirationsquelle. Auch Der Herr der Ringe wird in der Schalcht an einigen Stellen kräftig zitiert, ohne dessen Brillanz auch nur annähernd zu erreichen. Besonders schlimm an 300 ist allerdings seine unkreative Inszenierung der Schlacht: Dieser 1 Stunde und 20 Minuten lang zelebrierte Teil beschränkt sich nur auf überstilisierte Zeitlupenaufnahmen, ohne dem ganzen eine besondere, eigenständige Note zu geben.

 

300 zeigt durchtrainierte, verschwitzte Männer, die sich die Köpfe einschlagen und dabei simple Oneliner von sich geben. Der Tod auf dem Schlachtfeld ist die höchste Ehre. Sprüch wie „Give them nothing! But take from them everything!“ – „This is where we fight! This is where they die!“ – „Spartans, enjoy your breakfast, for tonight we dine in hell!“ – „Only the hard! Only the strong!“, reihen sich aneinander, während natürlich fleissig getötet wird und Körperteile abgeschlagen werden und der Boden sich mit Blut durchtränkt. Leider erreichen die martialischen Sprüche nicht einmal ansatzweise die Genialität der Sin City Monologe und auch ansonsten ist 300 ein wirklich simpler Unterhaltungsfilm, der nichts von der grandiosen Umsetzung enthält, die der Trailer verspricht.

 

Die Kriegsverherrlichung, die 300 an manchen Stellen vorgeworfen wird, ist ein interessantes Thema. Es stimmt auf jedenfall dass die Spartaner den Krieg als etwas tolles sehen und die Sprüche zweifellos als Kriegsverherrlichung durchgehen können. Auch die heroischen Bilder und die von Pathos getränkte Szenarie bekräftigt den Vorwurf als Kriegspropagandafilm noch. Hinzu kommt die strittige Zeichnung der Gegner: Die Perser sind dunkelhäutig, vermummt, entstellt und ihre Anführer erinnern in ihrer Kleide- und Umgangsweise an Homosexuelle. Hingegen sind die Spartaner die kräftigen, muskelbepackten und vor allem westlichen Helden. Man kann sicher darüber streiten ob eine solche Figurenzeichnung in unserer heutigen Welt, die schon genügend durch den Ost-West Konflikt gespaltet ist, nötig ist. Jedoch muss man 300 anrechnen dass der comichafte und überzogene Stil verhindert dass man den Film ernst nimmt. Manchen werden diese "Propagandaelemente" allerdings sicher sauer aufstoßen.

 

Was bleibt also abschließend zu diesem Film zu sagen? 300 ist sicher nicht schlecht. Er ist ein solider Unterhaltungsfilm, der allerdings in keiner Sekunde den besonderen Touch hat, den der Trailer verspricht. Gänsehaut ist nur ganz selten angesagt und deshalb lässt sich der Zuseher knapp 2 Stunden lang von Gewalt berieseln, ohne dass jemals große Gefühle aufkommen. Heldenepos ist somit wohl das falsche Wort um den Film zu beschreiben. Trashfans werden allerdings vielleicht gerade durch die niederen Instinkte, die 300 bedient, unterhalten werden. Es war klar dass 300 kein tiefgreifender Film werden würde, aber auch auf Unterhaltungsebene ist er nichts Herausragendes geworden. Dazu ist er viel zu einfach gestrickt und bringt zu wenig eigenständige Ideen ein. Der Trailer versprach etwas ganz großes. Der Film ist allerdings etwas durchschnittliches geworden.

 

Fazit:

300 richtet sich ganz an die niederen Triebe: Zack Snyder inszeniert einen bluttriefenden Trash-Actionfilm, voller Gewalt, Sex und verstümmelten Freaks. Der erhoffte Knaller ist es sicher nicht geworden. Da inhaltliche Qualitäten nicht vorhanden sind, kann man sich nur auf die Inszenierung verlassen. Diese ist allerdings nicht wie es der Trailer verspricht innovativ, sondern zelebriert nur seine eigene, von Pathos triefende visuelle Gestalltung und kann ansonsten keine neuen Ideen einbringen. Die Schlacht erweist sich als überraschend lahm und deshalb ist 300, selbst wenn man ihn nur als Unterhaltungsfilm betrachtet, ein mittelmäßiger Film.

 

Wertung:

6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 88
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