Nichts als Gespenster

OT: -  120 Minuten -  Drama
Nichts als Gespenster
Kinostart: 07.07.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
3297
Bewerten:

Filmkritik zu Nichts als Gespenster

Von am

Martin Gypkens hat sich für seinen Film Nichts als Gespenster die Kurzgeschichten von Judith Hermann hergenommen und versucht, die lediglich thematisch verbundenen Einzelepisoden in ein filmisches Ganzes zu bringen. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass gar nicht erst versucht wurde, die Geschichten miteinander zu verweben, sondern man sich traut, einfach einen Blick auf das Leben zu werfen, der kaleidoskopartig in verschiedene Richtungen gebrochen wird und so auf den Spuren vieler unterschiedlicher Charaktere wandert.

Ellen (Maria Simon) ist gemeinsam mit ihrem Freund  Felix (August Diehl) zu einem Trip quer durch die USA aufgebrochen, und dort muss das Paar feststellen, dass man sich eigentlich gar nicht mehr soviel zu sagen hat. In Deutschland hat sich Caro (Karina Plachetka) gerade in Raoul (Stipe Erceg), den Freund ihrer besten Freundin Ruth (Chiara Schoras), verknallt. Nora (Jessica Schwarz) ist gerade zu Besuch bei ihrem Ex-Freund Kasper (Janek Rieke) auf Jamaika, und ihre Freundin Christine (Brigitte Hobmeier), die sie begleitet, hat es dort auf einen vergebenen Mann abgesehen. Währenddessen hat es Jonina (Sólveig Arnarsdóttir) in Island auf Jonas (Wotan Wilke Möhring) abgesehen und Marion (Fritzi Haberlandt) besucht ihre Eltern in Venedig, wo sie ihr ganz persönliches Abenteuer erlebt...

Fünf Geschichten, allesamt räumlich voneinander getrennt, erzählt uns Nichts als Gespenster und versucht so einen aufgebrochenen Blick auf das Lebem und die Menschen zu werfen. Das auffälligste Thema des Films ist natürlich die Liebe, doch nicht auf eine kitschig verklärte Art und Weise, wie sie uns Hollywood präsentieren würde, sondern die einfache Studie von Menschen auf der Suche, die versuchen in ihrem Leben zurecht zu kommen und dabei nicht immer unbedingt glücklick erscheinen.

Viel mehr scheint sich Nichts als Gespenster eigentlich gar nicht für zufriedene Menschen zu interessieren, da die Figuren allesamt ihre persönlichen Geheimnisse mit sich herum tragen. Das Hauptinteresse des Films sind Menschen, die an Problemen leiden, die sie aber nicht zur Sprache bringen, sondern in sich verstecken, wo sie nur in wenigen Augenblicken ans Tageslicht kommen und so dem Zuseher präsentiert werden. Doch ist es gerade das Schöne daran, dass man sich als Zuseher selbst auf die Suche nach diesen Problemen machen muss und man die Feinheiten der Geschichte nicht auf dem Silbertablett serviert bekommt.

Der Teufel liegt im Detail, möchte man fast meinen, und könnte man bei oberflächlicher Betrachtung noch meinen, dass ohnehin alles in Ordnung ist, wozu der Mensch ja der Bequemlichkeit halber auch gerne einmal neigt, kann man bei aufmerksamer Betrachtung die vielen Facetten der Geschichte erkennen, die Nichts als Gespenster zu etwas so Besonderem machen. Und man kann es nur ganz große Kunst nennen, wie es Martin Gypkens schafft, diesen kleinen Facetten Ausdruck zu verleihen.

Da gibt es ein kleines Telefonat, welches bewirkt, dass man die Figur der Ellen plötzlich ganz anders wahrnimmt. Denkt man zuerst noch, dass sie in der Beziehung glücklich ist und den Trip in den USA genießt, sieht man sie plötzlich am Flughafen anrufen und fragen, ob es nicht die Möglichkeit gibt, einen Rückflug vorzuziehen, sodass sie ihrem Freund entfliehen kann. Dann sind da die beinahe mysteriösen Begegnungen in Venedig mit einem Perversen, die äußerst surreal wirken, und die man als Zuseher nur schwer zuordnen kann.

Oft sind es nur kurze Blicke, die einen tiefen Einblick in die Welt der Charaktere ermöglichen. Die Beziehungen und Gefühle werden nicht ehrlich in ausschweifenden und theatralischen Monologen auf den Punkt gebracht, wie es der Held eines Hollywoodfilms gemacht hätte, sondern es obliegt dem Zuseher, seine Schlüsse aus dem Gezeigten zu ziehen und zu versuchen, herauszufinden, wie die einzelnen Figuren zueinander stehen. Und genau hier liegt die größte Stärke des Films, was ihm andere vielleicht auch als große Schwäche auslegen werden.

Denn Nichts als Gespenster besitzt keine Dramaturgie im eigentlichen Sinn und erzählt auch keine abgeschlossene Geschichte, wie es unsere Sehgewohnheit verlangt. Stattdessen wird man am Beginn des Films irgendwo ausgesetzt und begibt sich danach zwei Stunden lang auf eine Reise durch verschiedene Länder. Dabei ist man als Zuseher, genau wie die Figuren, ein Reisender, der einfach die Impressionen, die ihm dargeboten werden, aufnehmen und verarbeiten muss. Wer mit einer solche Art des Kinos nichts anzufangen weiß, der sollte diesen Film meiden. Aber alle anderen können sich auf einen wunderschönen Trip durch die menschliche Seele freuen.

Fazit:
Nichts als Gespenster ist ein Film, der den Zuseher mit auf eine Reise durch verschiedene Orte nimmt und ihm dort viele Charaktere vorstellt, die er selbst zuordnen muss. Allesamt haben sie versteckte Gefühle und Geheimnisse, die nie ausgesprochen werden, die man aber alleine anhand ihrer Blicke deuten und interpretieren kann. Für ein Massenpublikum ist dies wohl kein Anreiz ins Kino zu gehen, aber wer sich auf einen ruhigen und ganz eigenwillig spannenden, meditativen Trip einlassen kann, der sollte Nichts als Gespenster auf keinen Fall versäumen.

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 5.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
50%
7 /10
0%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
50%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
I
Little Children
Flug 93
The Aviator
Das Meer in mir
Hotel Ruanda
Elephant
Drachenläufer (The Kite Runner)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!