Funny Games U.S.

OT: Funny Games U.S. - 112 Minuten - Thriller
Funny Games U.S.
Kinostart: 30.05.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Funny Games U.S.

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Michael Haneke ist ohne Zweifel einer der wichtigsten, wenn nicht gar der wichtigste österreichische Filmemacher. Zwar kam der große mediale Aufschrei erst, als sich Stefan Ruzowitzky den Auslandsoscar für Die Fälscher abholte, doch Michael Haneke ging schon Jahre vor ihm auf Preisejagd, nur dass dessen Werke eben unbequem sind und die gewonnen Awards nicht den Glamourfaktor eines Oscars haben, weswegen seine Filme vom Massenmarkt leider nicht gewürdigt wurden.

Doch auf Festivals und im Ausland bekommt Haneke längst schon die Würdigung, die ihm zusteht, und zuletzt war es sein meisterhafter Caché, der ihm in Cannes den Regiepreis sicherte. Auch in Amerika hat man den messerscharfen und intelligenten Filmemacher nicht übersehen. Also nahm man den im Oeuvre von Haneke wohl am besten vermarktbaren Film Funny Games, bat den Österreicher über den großen Teich und ließ ihn seinen eigenen Film erneut drehen. Das Positive ist sicher, dass sich Haneke nicht zu einem weichgespülten Hollywoodfilm hat überreden lassen, aber leider ist sein Funny Games U.S. nicht gerade ein Musterbeispiel für Innovation.

George (Tim Roth), seine Frau Ann (Naomi Watts) und ihr Sohn George (Devon Gearhart) machen sich auf in ihr Ferienhaus, um dort an einem See idyllische Sommerferien zu verbringen. Alles scheint zunächst seinen gewohnten Gang zu gehen, doch plötzlich läutet es an der Tür und der Gast ihrer Nachbarn Peter (Brady Corbet) stellt sich vor und bietet Ann um ein paar Eier. Bald schon gesellt sich sein Freund Paul (Michael Pitt) zu ihm und für Ann und ihre Familie beginnt ein tödliches Spiel...

Funny Games, im Jahre 1997 in Österreich gedreht, war ein Musterbeispiel für einen Film, der nicht auf die Unterhaltung des Publikums abziehlt, sondern diese ins Kino lockt, um ihnen dort einen Tritt in die Magengrube zu verpassen. Beinahe wie die Bösewichte des Films schlich sich Funny Games an uns heran und sorgte durch seinen ungemein kompromisslosen Umgang mit dem Thema Gewalt und durch jegliche Verweigerung von Zugeständnissen an das Mainstreampublikum für einen unglaubliche intensiven Kinoabend.

Man kann durchaus behaupten, dass der Film, wie er 1997 gedreht wurde, perfekt ist und man die Thematik kaum besser umsetzen kann. Das scheint sich auch Michael Haneke gedacht zu haben, denn er bescherte seinem Film keine Modernisierung, sondern inszeniert ihn als Shot-by-Shot Remake, in dem er alle Szenen des Originals genau nachstellt und selbst die Schauspieler genau wie damals spielen lässt. Der Grund ist einfach: Haneke hatte damals schon ein amerikanisches Publikum als Zielgruppe im Auge, denn sein Film war ja schließlich auch eine Reaktion auf das Kino, das in Amerika so verehrt wird.

Dabei muss man natürlich auch erwähnen, dass Funny Games U.S. für alle, die das Original nicht kennen, mit Sicherheit eine Empfehlung ist, da die Wirkung des Films immer noch vorhanden ist. Michael Haneke zelebriert einen äußerst medienkritischen Film, der den Umgang mit Gewalt in unserer Gesellschaft an den Pranger stellt und uns vor Augen führt, was Gewalt wirklich bedeutet. Als Zuseher wird man in die Position des Opfers gebracht, indem man quasi aus ihrer Sicht die Gewalt am eigenen Leibe spürt.

Aber gleichzeitig positioniert uns Haneke in der Rolle als Komplizen der Täter, indem sie sich immer wieder an das Publikum wenden und uns versichern, dass sie diese ganze Show nur für uns durchziehen, denn es kommt ja schließlich auf den Unterhaltungswert an, der selbstverständlich sinken würde, wenn man die Opfer schnell und ohne Qualen töten würde. In punkto Gewalt selbst gibt sich Haneke wie schon im Original keine Blöße, zeigt aber den Akt der Gewalt meist nicht, sondern die Reaktion eines anderen Darstellers auf ebendiesen.

Durch diesen Schachzug vermeidet er es geschickt, in die Fallen des Torture Porn Genres zu treten und durch allzu explizite Gewalt nur die Gorehounds anzulocken, die sich an dieser erfreuen. Ironisch dabei ist allerdings, dass gerade die Fans gewaltverherrlichender Filme einen solchen Film brauchen würden, der sie durch seine äußerst intensive psychologische Beanspruchung vielleicht wieder auf den Boden der Tatsachen holen könnte. Denn im Gegenzug zu Filmen wie Saw 2-4 feiert man in Funny Games keinen Gewaltakt, sondern fühlt sich abgestoßen, genau wie es sein sollte.

Doch leider bleibt es auch nicht aus zu sagen, dass der Film für Kenner des Originals absolut nicht empfehlenswert ist. Der Grund dafür ist, dass es eigentlich schon fast erschreckend ist, dass Michael Haneke keine Ideen für eine moderne Fassung gekommen sind. Denn 1997 war noch vor dem Revival der Folterfilme á la Saw, und somit wäre es doch offensichtlich, dass man den Film in diese Richtung hätte modernisieren können, anstatt einfach den selben Film nochmal mit anderen Darstellern zu drehen.

Durch diesen simplen Umstand gibt es eigentlich nur eine Schlussfolgerung: Michael Haneke hat den Film bereits 1997 genau nach seinen Vorstellungen realisiert und hatte keinen Grund ihn zu verändern. Damit ergibt sich zwar die Möglichkeit, mit dem Remake das amerikanische Publikum zu erreichen, welches ja bekanntlich ausländische Filme, die vielleicht sogar nur untertitelt sind, wie die Pest meidet, aber für das deutschsprachige Publikum gibt es absolut keinen Grund, sich diesen Film anzusehen.

Vor allem wenn man bedenkt, dass die österreichische Version auch noch weitaus besser auf unsere kulturellen Gepflogenheiten zugeschnitten ist und die Darsteller auch besser in die Rollen passen. Gut, Naomi Watts und Tim Roth liefern sich eine Tour de Force und spielen herausragend, aber sie bieten nicht den selben bodenständigen Charakter wie Susanne Lothar und Ulrich Mühe. Gar dramatisch wirkt sich das Remake allerdings auf die Gegenspieler aus, die leider nicht einmal ansatzweise die Klasse von Arno Frisch und Frank Giering erreichen, die alleine schon durch ihren überheblichen Wiener Dialekt für Unbehagen sorgten. Empfehlenswert bleibt der Film für alle, die das Original nicht kennen und sich den Film lieber im Kino ansehen wollen, anstatt das bessere Original auf DVD nachzuholen.

Fazit:
Funny Games ist ein herausragender, bitterböser und äußerst intensiver Film über das Thema Gewalt in den Medien und vor allem das Thema Gewalt als Unterhaltung. Das gilt zumindest für das Original, denn das Remake ist 1:1 der selbe Film, nur eben doch nicht ganz. Denn die Darsteller, so gut sie auch spielen mögen, erreichen in keiner Sekunde die selbe Intensität wie im Original. Außerdem ist es traurig, dass Michael Haneke 10 Jahre nach dem Original nichts Neues zum Thema einfällt, weswegen das Original in jedem Fall vorzuziehen ist.

Wertung:
6/10 Punkte

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