Doomsday - Tag der Rache (2008)

OT: - 105 Minuten - Action / Thriller
Doomsday - Tag der Rache (2008)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Doomsday - Tag der Rache

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Beängstigend stilsicher knallt Neil Marshall nach "Dog Soldiers" und "The Descent" nun auch seinen dritten Geniestreich "Doomsday" ohne Rücksicht auf Verluste auf die Leinwand und darf sich des Applauses speziell der Klientel sicher sein, die nicht nur die kompromisslose Haltung seiner rauen Gangart gegenüber zartbesaiteter PG-13-Ware zu schätzen weiß, sondern darüber hinaus auch noch die liebevollen, von "Mad Max" bis "Escape from New York" (inklusive eines zeitweise John Carpenter huldigenden Synthesizer-Scores) reichenden, Zitate wiedererkennen, die Marshall ohne prätentiöse Hinweise sondern ganz unaufdringlich und sehr liebevoll in seinen bizarr, abgedrehtes Endzeitszenario einpflegt.

Wenn auch für das breite Publikum gemacht, erfreuen sich am meisten die Geeks an diesem actiongeladenen Horror-Trip, der von der ersten Minute Vollgas gibt und keinen Stillstand kennt, sich dabei die Einflüsse des jüngeren Horrorfilms in Form der unaufhaltsamen Virusepidemie zunutze macht, daneben aber auch traditionelle Werte wiederentdeckt und auf diese Weise einen modernen Genrefilm mit genau dem Retro-Charme grundiert, der heute berechtigterweise immer lautstärker eingefordert wird.

Das Szenario wird entsprechend klassisch belassen. 2008 riegelt Großbritannien ganz Schottland hermetisch ab, nachdem der tödliche Reaper-Virus sich rasant ausbreitet und kein Impfstoff gefunden wird. Durch einen riesigen Grenzwall wird das Land vom Rest der Insel isoliert, Luft- und Seewege werden gesperrt und überwacht. Als 25 Jahre später der Virus plötzlich in London ausbricht und eine Katastrophe droht, wird eine Spezialeinheit um die abgebrühte Kämpferin Eden Sinclair (Rhona Mitra, "Shooter", "Underworld: Rise of the Lycans") nach Norden geschickt. Dort gibt es entgegen aller Annahmen tatsächlich Menschen, die die Epidemie überlebt haben. Man vermutet, dass sie ein Gegenmittel entwickelt haben. Innerhalb von 48 Stunden muss Sinclair es ausfindig machen, oder in London droht eine Katastrophe mit vielen Millionen Toten...

Erst einmal die zivilisierte (???) Welt hinter sich gelassen, dringt das Team in eine postapokalyptische Welt ein, in der neben partyfreudigen, aber nichtsdestotrotz grausamen Kannibalen auch eine Gemeinschaft lebt, die sich selbst ins Mittelalter zurückversetzt hat. Allesamt zeigen sie sich wenig hilfsbereit, so dass die riskante Mission zu einer Dauerhatz gerät, in der sich die dezimierten Teammitglieder gegen Heerscharen von Kannibalen und Rittern erwehren müssen, die ihnen mit allerlei archaischen Gerätschaften zu Leibe rücken...

Man kann Marshall dabei nur ein großes Lob aussprechen, wie er nahe an der Perfektion die absolut stimmige Atmosphäre, die brachial-spektakulären Actioneinlagen, den Spannungsbogen und die phantastischen Endzeit-Sets im Auge behält und dabei das hohe Tempo durchzieht. Selbstironisches Augenzwinkern und schwarzer Humor in den genau richtigen Dosierungen gehen "Doomsday" dabei genauso wenig ab, wie eine vielleicht etwas weiter hergeholte Hommage vor James Camerons "Aliens". Mit ruhiger Hand balanciert Marshall seinen irrsinnigen Trip aus, sprudelt vor kreativen Ideen nur so über und zelebriert Klischees nur da, wo es notwendig ist oder besser das Publikum sie auch fordert. Spektakuläre Verfolgungsjagden, Schießereien oder Nahkämpfe, der rasante Streifen drückt gewaltig auf die Tube und pflegt seinen erwachsenen Härtegrad ohne in grobe Unappetitlichkeiten abdriften zu müssen, dafür aber mit variantenreichen Actionszenen.

Rhona Mitra macht auf den Spuren Kate Beckinsales als feminine Snake-Plissken-Version einen sehr guten Eindruck. Sie darf ähnlich wie das Vorbild politisch unkorrekt Kippen wegziehen und fluchen, hält mit ihrem Auge allerdings noch ein weiteres Gimmick parat. Darüber hinaus kennt sie genauso wenig Gnade und zeigt sich im Umgang mit ihren Gegnern äußerst resolut. Nebendarsteller wie Malcolm McDowell ("Star Trek: Generations", Halloween"), Bob Hoskins ("Danny the Dog", "Outlaw"), David O'Hara ("Tristan + Isolde", "Wanted") und Alexander Siddig ("Vertical Limit", "Kingdom of Heaven") fallen mit routinierten Leistungen auf, sind meist aber ohnehin nur Stichwortgeber.

Letztlich zeichnet sich "Doomsday" auch dadurch aus, dass Neil Marshall ihn als puristischen Unterhaltungsfilm konzipiert, dem weder großartig an kritischen Tönen gelegen ist, noch krampfhaft versucht dem Genre neue Seiten abzugewinnen, sondern der allerlei bekannte Elemente zu einer sehr eigenen Version mit eigenständigem Charakter mixt und sich dabei unverhohlen selbst abfeiert.

Fazit:
Doomsday macht 100 Minuten lang einfach nur Spaß. Neil Marshall inszenierte hier einen hemmungslos abgedrehten Endzeithorroractioner, der sich vornehmlich den Vorbildern aus den Achtzigern widmet, ohne dabei altbacken zu wirken, sondern in seinem modernen Gewand zu einem zappeligen, hyperaktiven Filmspaß von extrem hohem Unterhaltungswert weiterentwickelt. Das wahnsinnig hohe Tempo, die tolle Atmosphäre, prächtige Sets, die richtige Portion Humor, Genrezitate zu jeder Zeit, die grafisch erwachsene Ausrichtung und die spektakulären wie blutigen Actionsequenzen kulminieren zusammen mit Tyler Bates' ("300", "Watchmen") ebenso überzeugendem Score zu einem Genrehiglight der ganz besonderen Art.

Wertung:
9/10 Punkte


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