Mulholland Drive - Strasse der Finsternis (2001)

OT: Mulholland Drive - 152 Minuten - Mystery / Thriller
Mulholland Drive - Strasse der Finsternis (2001)
Kinostart: 03.01.2002
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Mulholland Drive - Strasse der Finsternis

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Poesie ist was sich nicht übersetzen lässt, Kunst ist was sich nicht definieren lässt und Lynch ist was sich nicht erklären lässt. Dieses um den "Lynch-Faktor" erweiterte Zitat von Robert Frost trifft den Kern des Lynchschen Universums, dass in seiner Komplexität in Mulholland Drive den Höhepunkt gefunden hat, relativ gut. David Lynch war noch nie dafür bekannt einfache Kost zu liefern, aber als er die Zuseher im Jahr 1997 auf den Lost Highway führte, gingen viele davon aus dass der Regisseur entgültig den Verstand verloren hat. Der Film ist aufgebaut wie ein Möbiusband und führt die Handlung quer durch die Unmöglichkeit hin zu einem für alle unverständlichen Schluß, der die Geschichte zusammenkittet und die verzerrte Handlung komplettiert.

Nach Lost Highway folgte Lynchs gewöhnlichster Film: The Straight Story. Hier hörte man schon die ersten Stimmen rufen dass sich Lynch vom Surrealen wegbewegt hat und einen neuen Stil sucht, doch wenn sie gewusst hätten welchen Film der Regisseur nur 2 Jahre später drehen würde, wären sie wohl lieber stumm geblieben. Eigentlich war Mulholland Drive als Pilotfilm zu einer Fernsehserie für ABC konzipiert, doch die Senderleitung war nicht gerade von Lynchs alptraumartiger Vision überzeugt und brach das Projekt ab. Der Regisseur war darüber sehr enttäuscht, kaufte dir Rechte an dem Material und wollte einen Kinofilm daraus machen. Mit Canal+ fand er einen Geldgeber und konnte nun mit den Arbeiten beginnen.

Betty (Naomi Watts) ist aus Ontario/Kanada nach Los Angeles gezogen um eine Schauspielkarriere in Hollywood zu starten. Es trifft sich gut dass ihr reiche Tante, die bereits Filmstar ist, Betty bittet ihr Haus zu hüten während diese auf Reisen ist. Doch als Betty einzieht trifft sie die verstörte Rita (Laura Elena Harring) in dem Appartment. Die junge Frau dürfte bei einem Autounfall schwer verletzt worden sein und leidet jetzt unter Gedächtnisverlust. Die beiden versuchen nun das Rätsel um Ritas Identität zu lösen. Wärend dessen hat der anerkannte Jung-Regisseur Adam (Justin Theroux) andere Probleme. Während seiner Karriere durfte er seine Hauptrollen stets selbst besetzen, doch nun versuchen ihm seine Geldgeber nahezulegen die Rolle mit einer bestimmten Dame zu besetzen. Ein mysteriöser Cowboy (Monty Montgomery) versucht den Regisseur mit seiner Überredungskunst zu überzeugen...

Diese Zusammenfassung gewährt nur einen kleinen Einblick in die Welt des Mulholland Drives. Viele Elemente fehlen, die der Zuseher selbst im Film entdecken muss. Wer ist der schwarze Mann hinter dem Coffe-Shop? Was steht in dem schwarzen Buch für das drei Menschen getötet werden? Was ist die Blaue Box? Was geschieht im Club Silencio? Und was bedeutet das alles? Mulholland Drive nimmt den Zuseher mit auf eine ungewöhnliche Reise in eine Alptraumwelt, die nicht nur durch die hoch komplexe Geschichte und die unbeschreiblich Dichte Atmosphäre glänzt, sondern den Zuseher verstört, an manchen Stellen unterhält und vor allem zum Nachdenken anregt um ihn am Ende perplex zurück zu lassen.

Mulholland Drive ist einer jener Filme, die den Betrachter von Anfang an aufsaugen, um ihn dann am Ende grausam wieder auszuspucken. Konventionell ist an diesem Film absolut gar nichts und der Film wird sicher sehr gespalten aufgenommen. 20 Minuten vor dem Schluss nimmt der Film einen grausamen Plot-Twist, der den ganzen vorrigen Film relativiert, aber ihn keinesfalls unbedeutend werden lässt. Am Ende wird dann nichts erklärt und der Zuseher muss sich seine Lösung selbst zusammen dichten. Das besonder an diesem Film ist unter anderem dass jeder die Charaktere und die Geschichte anders sehen wird und dass sich nach jedenmal Sehen neue Details offenbaren.

Ein Verstehen ist nach dem ersten Mal ansehen eigentlich unmöglich. Am besten wirkt der Film wenn man sich am Anfang nur auf die wundervollen Bilder die von David Lynch kreiert wurden konzentriert und sich in der Welt fallen lässt. Wie gesagt kann man den Film beim ersten Mal nicht verstehen und sollte es auch nicht verkrampft versuchen. Bei weiterem Ansehen ergeben sich aufschlussreiche Facetten, die schon die ersten Theorien hervorbringen. Wie man es vom Meister des Surrealen gewohnt ist, spielen Träume eine wesentliche Rolle.

Nach dem The Straight Story Lynchs normalster Film ist, folgt mit Mulholland Drive seine Rückkehr zum Surrealen, Horror, Sex und Verfall. Der Film beinhaltet alles was sich ein Lynch Fan erwartet: Schräge Figuren, eine dichte Atmosphäre und eine verwobene, komplexe Geschichte, die nur sehr schwer zu verstehen, sondern eher zu interpretieren ist. Natürlich haben Lynch-Kritiker auch bei diesem Film wieder eine sehr große Angriffsfläche. Denn wie schon im ersten Satz dieser Kritik erwähnt wird, kann man Kunst nicht definieren und deshalb kann nur jeder für sich persönlich entscheiden ob Lynch Kunst macht, oder ob er nur seinen Wahnsinn in Bilder fasst.

David Lynchs Stil kann man in keinen Ordner schieben. Der Regisseur hat seinen eigenen Stil und entweder liebt man ihn, oder man hasst ihn. Ich persönlich liebe ihn und das Filmpuzzle Mulholland Drive ist meiner Meinung nach der beste Film des Meisters. Wer mit Lynch bis jetzt nichts anfangen konnte wird auch diesen Film nicht mögen, doch Lynchfans werden mit der offenen Geschichte, der wundervollen Atmosphäre und den genialen Charakteren bestens bedient. Ausserdem finden sich in dem Film eine der unheimlichsten Szenen der Filmgeschichte, die von Lynch ohne großes TamTam einfach so aus dem Ärmel geschüttelt wird. Es ist beeindruckend wie er es schafft mit den simpelsten Mitteln Spannung zu erzeugen, und in Punkto Filmathmosphäre ist er auf jedenfall der absolute Meister. Der Regiepreis in Cannes und eine Oscarnominierung als Bester Regisseur waren der Lohn für dieses risikoreiches Projekt.

Fazit:
Unbeschreibliches Meisterwerk, das am Ende die Köpfe zum Rauchen bringen wird!

Wertung:
10/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 51
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