Lars und die Frauen

OT: -  106 Minuten -  Tragikomödie
Lars und die Frauen
Kinostart: 06.06.2008
DVD-Start: 14.06.2013 - Blu-ray-Start: 14.06.2013
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Filmkritik zu Lars und die Frauen

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Es gibt so gewisse Standardthemen, auf die man in Hollywood immer wieder gerne zurückgreift, da sie sich bereits häufig beim Mainstreampublikum bewährt haben. Ganz oberflächlich betrachtet zählt die Liebe zwischen Mann und Frau zweifellos zu diesen Themen, und oberflächlich betrachtet fällt auch Lars und die Frauen in dieses Schema. Doch nur solange man an der Oberfläche verharrt, denn sobald man erfährt, dass die "Frau" im Film nur eine Sexpuppe ist, bekommt der Film eine ganz andere Gewichtung. Und gerade diese schräge Story ist es, die den Film so umwerfend werden lässt.

Seit dem Tod seines Vaters hat sich Lars (Ryan Gosling) immer weiter zurückgezogen und verbringt den Großteil seines Lebens in seiner Wohnung. Auf die Flirtversuche einer Arbeitskollegin reagiert er nicht, da er viel zu schüchtern ist, und sein
Bruder Gus (Paul Schneider) und dessen Frau Karin (Emily Mortimer) wissen schon nicht mehr, wie sie die richtige Frau für Lars suchen sollen. Doch eines Tages stellt ihnen Lars von selbst die neue Frau in seinem Leben vor: Bianca. Doch Bianca ist keine echte Frau, sondern eine lebensgroße Sexpuppe...

Wer sich diesen Auszug aus dem Inhalt durchliest, wird bereits feststellen, dass Lars und die Frauen keinenfalls ein gewöhnlicher Film ist. Doch man sollte nicht den Fehler machen zu denken, dass es sich hierbei um eine flache Komödie handelt, die versucht, mit schmutzigen Witzen zu punkten (denn wenn man nur nach dem Inhalt geht, könnte man dies durchaus annehmen). Stattdessen versucht Lars und die Frauen, obwohl es sich zweifellos um ein komödiantisches Werk handelt, seine Hauptfigur ernst zu nehmen.

Der Grund, warum dies auch so gut funktioniert, liegt zum einen bereits im Ausgangsmaterial. Drehbuchautorin Nancy Oliver, die bereits einige Folgen der Erfolgsserie Six Feet Under verfasst hatte, beweist viel Kreativität, aber vor allem Feingefühl und zaubert ein Drehbuch, das nicht zu Unrecht für den Oscar nominiert wurde. Doch aus dem selben Material hätte man durchaus auch eine vulgäre Gagparade schustern können, jedoch beweist Regisseur Craig Gillespie viel Verständnis und Gefühl, sodass die Geschichte auf bezaubernde Weise berührt.

Und der letzte, wahrscheinlich wichtigste Grund, weshalb Lars und die Frauen stets den richtigen Ton trifft und Fehlerquellen vermeidet, ist Hauptdarsteller Ryan Gosling. Bereits in seiner oscarnominierten Rolle in Half Nelson konnte der begnadete Schauspieler zeigen, dass er einer der besten seiner Generation ist, aber was er in Lars und die Frauen zeigt, ist schlicht umwerfend. Er spielt seine Hauptfigur mit der nötigen Schrulligkeit und Skurrilität, sodass man ihm den Außenseiter jederzeit abkauft, aber gleichzeitig spielt er die Rolle so warm, herzlich und vor allem präzise, dass diese Figur immer am Grat zur Lächerlichkeit entlang balanciert ohne jemals in Gefahr zu geraten, abzustürzen.

Es ist schlicht ein Wunder, dass man es geschafft hat, all die möglichen Fehlerquellen zu umgehen und tatsächlich das volle Potential dieser außergewöhnlichen Geschichte zu nutzen. Jeder, der den Einheitsbrei aus Hollywood verteufelt, wird garantiert mit dieser gefühlvollen Geschichte voller Witz und Tragik seine helle Freude haben. Denn es ist wirklich schwer einen Film zu finden, der gleichzeitig höchst unterhaltsam ist, aber auch nicht die tragischen Aspekte seiner Figuren vergisst. Lars und die Frauen schafft dies und noch vieles mehr und ist somit auf jeden Fall einen Blick wert.

Fazit:
Lars und die Frauen beweist, dass es durchaus noch Filme gibt, die man mit ruhigem Gewissen kreativ nennen kann. Dabei ist es äußerst bemerkenswert, dass man es schafft, die zahllosen möglichen Fehlerquellen der Geschichte zu umgehen und statt auf vulgären Gossenhumor auf einen feinfühligen Witz setzt, der auch nicht die Tragik der Figuren vergisst. Dank eines fantastisches Drehbuchs, einer stilsicheren Regie und vor allem eines grandiosen Ryan Gosling wird Lars und die Frauen zu einem wirklich bewundernswertem Film.

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
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