Abgedreht

OT: -  101 Minuten -  Komödie
Abgedreht
Kinostart: 25.04.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Abgedreht

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Welcher Filmfan träumt nicht davon einmal seinen eigenen Film, nur mit Herzblut und der Hilfe seiner Freunde zu drehen, und diesen dann gemeinsam in einer großen Gruppe anzusehen? Abgedreht nimmt sich nun diesem Thema an, und führt den Zuseher durch ein Sammelsurium an schrägen Ideen und skurrilen Figuren, zeigt dabei viel Zuneigung zu den verschiedendsten Werken der Filmgeschichte, und was noch viel wichtiger ist: Er versprüht dabei soviel Liebe zum Medium Film, dass man als Cineast nur ins Entzücken geraten kann.

Mr. Fletcher (Danny Glover) ist ein klassischer Haudegen der alten Schule, der nicht auf den DVD-Zug aufspringen will, sondern seine Videothek lieber mit den guten alten VHS-Bändern betreibt. Sein Geschäft befindet sich im Geburtshaus von Jazzmusiker Fats Waller, und obwohl das Geschäft nicht gerade überragend läuft, ist er ganz zufrieden. Doch die Idylle droht zu zerbrechen, als sich das städtische Bauamt bei ihm meldet, und Mr. Fletcher nun entweder eine sehr teure Renovierung durchführen muss, oder das Haus innerhalb von 2 Monaten räumen muss.

Mr. Fletcher glaubt nicht, dass es möglich ist so viel Geld aufzutreiben, und so nimmt er sich ein paar Tage frei, und überlässt seinem Mitarbeiter Mike (Mos Def) die Leitung des Ladens. Eines Tages jedoch geht ein Sabotageplan von Mikes bestem Freund Jerry (Jack Black), der das Kraftwerk neben dem er wohnt zerstören will, schief und Jerry wird magnetisch aufgeladen. Als er daraufhin in die Videothek spaziert löscht sein Magnetismus alle Bänder. Doch die beiden geben nicht auf, sondern drehen kurzerhand alle Filme selbst nach. Mit überraschendem Ergebnis...

Michel Gondry, der sich bereits durch seine Musikvideos einen Namen machen konnte und spätestens seit seinen Spielfilmen Human Nature, Eternal Sunshine of the Spotless Mind und The Science of Sleep den meisten ein Begriff sein sollte, versucht sich mit Abgedreht stark aus dem Schatten von Charlie Kaufman zu lösen, der ja das Drehbuch zu seinen ersten beiden Regiearbeiten beisteuerte. Dies bewirkt auf der einen Seite, dass man als Zuseher die gesamte Kreativität von Gondry bewundern kann, lässt aber leider die Genialität eines Eternal Sunshine of the Spotless Mind vermissen.

Dennoch ist Kreativität ein Wort, das man nicht mehr auf viele Hollywoodfilme anwenden kann, auf Abgedreht passt es allerdings wie die Faust aufs Auge. Die Ansammlung an wunderbaren Einfällen, die hier das gesamte Setting prägen sind schlicht umwerfend. Wem würde sonst ein Szenario einfallen, in dem ein Kerl, der auf einem Schrottplatz lebt kurzerhand beschließt ein Kraftwerk zu sabotieren und dabei einen Enterhaken in einen Trafo wirft, was schließlich bewirkt dass diese Person magnetisiert ist, und schließlich alle Videos seines Freundes löscht?

Doch spätestens wenn es daran geht, dass Mike und Jerry die verschiedensten Videos "Sweden" (so nennen sie es, wenn sie die berühmten Filme nachdrehen), sollte Abgedreht das Herz eines jeden Kinofans erobert haben. Allerdings ist Aufmerksamkeit, und natürlich die Kenntnis der Originalfilme erforderlich, denn nur so kann Abgedreht sein volles Potential ausschöpfen. Denn obwohl man sich zu Beginn noch relativ viel Zeit für einen einzelnen Film nimmt (die köstliche Ghostbustersadaption), werden die Drehs später relativ schnell durchgenommen, was dazu führt, dass man auch nach mehrmaligem Ansehen sicher noch einige Details entdecken wird.

Um seine Vision durchzuziehen, konnte Michel Gondry auf einige durchaus prominente Namen zurückgreifen. Jack Black hat dabei wohl die meisten Lacher auf seiner Seite, insbesondere da seine Figur die mit Abstand durchgeknallteste des Films ist. Mos Def fungiert als Sympathieträger und bildet eine Art Ruhepol zu aufgekratzten Black. Danny Glover spielt den alternden Videothekenbesitzer mit viel Gelassenheit, und in Nebenrollen dürfen unter anderem Mia Farrow und Sigourney Weaver auftreten. Alles in allem also ein erlesener Cast, dem man die Freude am Spiel in jeder Szene anmerken kann.

Was man an Abgedreht allerdings bemängeln muss ist, dass er die Erwartungen welche aus der Kombination des Themas, des Casts und vor allem des Regisseurs geschürt werden, nicht wirklich halten kann. Speziell Michel Gondry nimmt sich in seiner Inszenierung sehr zurück, und lässt vor allem die Figuren und die Geschichte sprechen. Somit ist Abgedreht weniger ein typischer Michel Gondry Film, als mehr eine "normale" Komödie mit vielen tollen Ideen. Aber wenigstens ist es eine gute Komödie, und nachdem der Film zu Ende ist, werden wohl alle dem Leitsatz des Trailers zustimmen: "Manchmal sind die besten Filme, die Filme, die wir selbst machen."

Fazit:
Zuerst das negative: Abgedreht ist nicht so genial, wie man es von Michel Gondry erwarten würde. Aber dafür plädiert der Film mit voller Leidenschaft für ein Kino, bei dem Herz und Liebe mehr zählen als das Budget. Abgedreht ist kurz gesagt ein herrlich sympathischer Film, bei dem man in jeder Sekunde erkennen kann, wie viel Freude die Filemacher und Schauspieler beim Dreh gehabt haben. Mit viel Witz und Kreativität erzählt uns Michel Gondry eine herzerwärmende Geschichte, die sich kein Kinofan entgehen lassen sollte.

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 18
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