Wie ein wilder Stier

OT: Raging Bull  -  129 Minuten -  Drama
Wie ein wilder Stier
Kinostart: 12.03.1981
DVD-Start: 14.02.2014 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Wie ein wilder Stier

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Martin Scorseses fulminante Biographie des Mittelgewicht Boxers Jake La Motta (Robert De Niro) ist aus mehreren Gründen etwas einzigartiges in der Filmgeschichte. Zum Einen erwarteten die Zuseher der damaligen Zeit von einem Boxerfilm, dass er in Rockymanier von einem Helden erzählt, der vom Niemand zum großen Star aufsteigt. Doch Scorsese setzt auf einen Helden, der wohl niemanden auf seine Seite ziehen kann, da er nicht einmal sich selbst auf seiner Seite hat. Jake La Motta geht in den Ring um sich selbst zu bestrafen. Er lässt sich prügeln, gönnt aber dem Gegener nicht die Befriedigung ihn KO zu schlagen. Ausserdem drehte Scorsese den Film in Schwarz-Weis, was die kommerzielle Kraft des Films noch einmal herabsetzte. Zusätzlich kommt hinzu dass Scorsese den Boxsport nicht als Sport sieht, sondern als etwas primitives bei dem sich zwei Männer prügeln und ein Haufen Menschen ihnen dabei zujubeln. Diese Abneigung gegenüber dem Boxen kennt man dem Film auch an und es spiegelt sich in seiner tragischen Hauptfigur wider, die sich im Ring nur selbst quält.

 

Scorsese war davon überzeugt dass Wie ein wilder Stier sein letzter Film werden würde. Er setzte alles auf eine Karte und steckte trotz angeschlagender Gesundheit seine ganze Kraft in den Film. Warum der Film überhaupt gedreht wurde, beziehungsweise warum sich ein Studio auf das finanzielle Risiko eingelassen hat, weiß der Meisterregisseur wohl selbst nicht. Doch vom bevorstehenden Untergang sowohl angesporn, als auch emotinal beschwert mutierte Scorsese beinahe selbst zum Raging Bull, der mit seinem Film ähnliche selbstzerstörerische Züge wie Jake La Motta im Boxring zeigt.

 

Der Film beginnt kurz bevor La Motta seine erst 15 jährige spätere Frau Vickie (Cathy Moriarty) kennen lernt. Ausser ihr gibt es nur einen Menschen der ihm etwas bedeutet: Seinen Bruder Joey (Joe Pesci). Doch eigentlich weiß der Boxer gar nicht was Liebe ist. Er nützt sie nur aus um selbst zum Erfolg zu kommen. Statt Liebe prägt Eifersucht sein Leben und er ist nicht im Stande seine Wut zu kontrollieren. Im Boxring wird La Motta zum Tier. Seine unbändigbare Wut richtet er des öfteren gegen sich selbst. Er lässt sich verprügeln. Unter anderem von seinem Dauergegner Sugar Ray Robinson (Johnny Barnes). La Motta breitet die Hände aus und hängt in Christus artiger Opferpose in den Seilen. Doch statt aufzugeben provoziert er seinen Gegner. Trotz seines Selbsthasses erreicht La Motta den Titel im Mittelgewicht. Doch er weigert sich für die Mafia zu boxen und so wird er sich nicht lange oben halten können...

 

Es ist eigentlich in Worten nicht zu beschreiben welche Kraft Martin Scorseses imposanter Film besitzt. Angefangen von der zutiefst tragischen Figur des Jake La Motta, welcher der Inbegriff des Scorsese Anti Helden ist, bis hin zur makellosen Technik und seiner unglaublich realistischen Gewalt ist dieser Film ein Meisterwerk. Die Figur des Jake La Motta wird perfekt verkörpert durch einen Robert De Niro, der die Leistung seines Lebens erbringt. Sein Spiel ist Method Acting in Reinkultur. Er trainierte über ein Jahr mit Jake La Motta und lernte alles von ihm. Nach dem die Boxszenen abgedreht wurden hatte De Niro 3 Monate Zeit um 50 Pfund zu zunehmen. Er wollte unbedingt durch das körperliche verkommen von La Motta visualisieren wie sich sein Verfall nach dem beenden seiner Boxkarriere vollzog.

 

Es ist beeindruckend wie es Martin Scorsese schafft einen Film über das Boxmilieu zu drehen, der es in keiner Sekunde verheimlicht dass es sich keinesfalls um eine erstrebenswerte Lebensweise handelt. Der Film erzählt wenig gutes über den Boxsport und viel mehr als ein Boxerfilm ist Wie ein wilder Stier ein ergreifender Einblick in die Psyche eines gescheiternden Menschen. Dieser Jake La Motta ist genau die exakte Definition des Scorsese Helden. Er ist selbstzerstörerisch und verletzt die Menschen die er liebt. Er ist von Hass und Eifersucht zerfressen und ist dazu bestimmt unterzugehen. Besonderns gut wurde dies ausgedrückt als La Motta ins Gefängnis muss und nun keinen Gegner mehr hat an dem er seinen Hass abbauen kann. Er wird dem einzigen Feind gegenübergestellt den La Motta nie bezwingen konnte: Sich selbst. Er steht in der Zelle und boxt gegen die Wand.

 

Scorsese ist dafür bekannt Gewalt nicht zu stilisieren, sondern sie so zu zeigen wie sie ist: Brutal und abstossend. Deshalb hat er sich auch dazu entschlossen die Boxkämpfe alle so zu filmen dass die Kamera immer im Ring ist. Dies erreicht ein unglaublich intensives Erlebnis für den Zuseher und vermittelt das Gefühl dass man selbst Prügel bezieht. Diese realistische Darstellung der Brutalität des Boxsports ist einzigartig in der Filmgeschichte.

 

Wie ein wilder Stier ist zweifellos ein absolutes Highlight der Filmgeschichte. Die intenisve Inszenierung und die unerbittliche Darstellung von Robert De Niro gepaart mit der immensen Tragik der Lebensgeschichte von Jake La Motta ergibt einen Film der sicher nicht leicht zu sehen ist, der aber eine unglaubliche emotinale Wucht erreicht. Wie ein wilder Stier nimmt den Zuseher mit in die Welt eines Menschen mit psychischen und sexuellen Hemmungen und überträgt die Selbstzertörung seines Hauptdarstellers ungebremst auf den Betrachter. Dabei scheut Scorsese kein Tabu und zeigt unbeschönigt die ganze Wahrheit über Jake La Motta.

 

Fazit:

Meisterhaft gespieltes und perfekt inszeniertes Psychogramm mit unglablicher emotionaler Tragweite.

 

Wertung:

10/10 Punkte

Filmering.at
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