Flags of our Fathers

OT: -  132 Minuten -  Kriegsdrama
Flags of our Fathers
Kinostart: 19.01.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Flags of our Fathers

Von am

 

Es ist ein sehr ambitioniertes Projekt das da unter der Regie von Hollywood-Altmeister Clint Eastwood entstanden ist. „In den Kriegsfilmen meiner Jugend war die Welt klar in die Guten und die Bösen aufgeteilt. Das hat aber mit dem wirklichen Leben, mit dem wahren Krieg nichts zu tun. In meinen Filmen geht es nicht um Sieg oder Niederlage. Es geht um das, was der Krieg in den Menschen anrichtet, es geht um jene, die viel zu früh sterben müssen.“  Es wurde nämlich bei diesem Projekt nicht nur ein Film gedreht, sondern jeweils ein Film aus der Sicht der Amerikaner und einer aus der Sicht der Japaner, die beide die Schlacht um Iwo Jima behandeln. Flags of our Fathers ist der amerikanische Teil und der japanische Part Letters from Iwo Jima, wird ebenfalls 2007 erscheinen.

 

Während des zweiten Weltkrieges wollen die Amerikaner die im Pazifik liegende Insel Iwo Jima einnehmen, da diese ein strategisch wichtiger Posten ist. Die Insel wird von 22 000 gut verschanzten Japanern verteidigt und die Amerikaner planen die Insel nach mehrtägiger Bombadierung nun zu erobern. Mit mehr als 30 000 Mann stürmen die Marines dem Gipfel der Insel entgegen. Als sie ihn erreichen stellen sie am höchsten Punkt der Insel eine Fahne auf, um die Truppen zu motivieren. Doch ein Minister will die Fahne als Andenken für sich selbst behalten und so befielt der ranghöchste Offizier Colonel Chandler Johnson (Robert Patrick) die alte Fahne herunterzulassen und eine neue, noch größere aufzestellen. Bei dieser Zeremonie entsteht ein Foto, dass die Männer zeigt wie sie mit vereinten Kräften die amerikanische Fahne unter widrigen Bedingungen hissen.

 

Das Foto wird nur 17 Stunden nach dem es gemacht wurde in sämtlichen amerikanischen Zeitungen abgedruckt und ist eine große Hoffnung für die Bevölkerung dass der Krieg noch gewonnen werden kann. Die drei überlebenden Soldaten die beim Hissen der Fahne mithalfen werden in die Heimat geschickt um Geld aufzutreiben. Sie ziehen durch das Land und halten mitreissende Ansprachen über den Krieg und das Aufstellen der Flagge. Doch keiner weiß dass das Foto eigentlich nur beim zweiten aufstellen der Fahne erzeugt wurde und die heimkehrenden Soldaten leiden zunehmend unter Depressionen, da sie für eine solche geringefügige Leistung nach Hause durften, als Helden verehrt wurden und ihre Freunde weiterhin in der Schlacht sterben mussten...

 

John „Doc“ Bradley (Ryan Phillippe), der Indianer Ira Hayes (Adam Beach) und Rene Gagnon (Jesse Bradford), sind die jenigen Soldaten die als Helden nach Hause zurück durften und im Folgenden wird Clint Eastwood einen interessanten Diskurs über Heldenfiguren in der Öffentlichkeit und ihr Innenleben starten. Das besondere an Flags of our Fathers ist dass er den Schwerpunkt nicht auf den Kriegsschauplatz legt, sondern auf die psychologische Situation der Hauptfiguren. In Rückblenden finden wir uns immer wieder auf Iwo Jima ein und die Geschichte wird zeitlich ziemlich verschachtelt präsentiert. Leider wirken sich diese Verschachtelungen nicht gerade positiv auf den Film aus, aber dazu später mehr.

 

Der Krieg selbst wurde sehr gekonnt und minimalistisch von Clint Eastwood inszeniert. Es gibt eigentlich nur wenige imposante und groß angelegte Schlachtszenen, aber diese erreichen beinahe die Qualität der Normandie-Szene in Der Soldat James Ryan, aber eben nur beinahe. Der Großteil des Films zeigt allerdings den Krieg sehr Nahe an den Hauptdarstellern und lässt uns somit in ihre Haut schlüpfen. Eastwood ist die psychologische Intensität des Films deutlich wichtiger als eine epische Inszenierung. Auch das Aussehen des Films hebt sich gekonnt aus der Masse an Kriegsfilmen hervor. Die Farben in den Kriegsszenen wirken sehr blass und beinahe Monocrome. Die Schwarztöne wirken sehr kräftig und alle anderen Farben sehr ausgebleicht. Somit ergibt sich in diesen Szenen eine sehr bedrückende Atmosphäre. Besonders zu gute kommt diesem Stil dass es auf Iwo Jima schwarzen Sand gibt, der im Kontrast sehr stark wirkt.

 

Auch die Szenen die abseits der Schlacht stattfinden können durchaus gefallen und erreichen ihre eigene Dramatik. Man kann sich richtig in die Haut der nachhausegeschickten Soldaten hineinfühlen und versteht warum sie es nicht gerade als heldenhaft betrachten dass sie als Helden verehrt werden während ihre Freunde weiter sterben müssen. Leider hat der Film ein besonders großes Problem: Die ineinander verschobenen Zeitebenen funktionieren leider nicht gut und ein durchgehender chronologischer Ablauf wäre für die Dramaturgie viel besser gewesen. Somit ergeben sich viele langatmige Szenen und das Hin- und Herspringen zwischen den Schauplätzen stört im homogenen Gefüge des Films noch zusätzlich.

 

Neben diesem dramturgischen Problem, dass einige langatmige Szenen hervorruft gibt es noch ein weiteres Problem: Die Schauspieler wissen leider nicht durchgehend zu gefallen. Besonders die drei Hauptdarsteller bleiben überraschend blass. Normalerweise ist man von Clint Eastwood eine virtuose Schauspielführung gewohnt und somit kommt dieser Aspekt doch ziemlich unerwartet. Ryan Phillipe ist hier noch der Stärkste der drei Hauptdarstellern, aber auch er kann die Zerrissenheit seiner Figur nicht wirklich portraitieren. Jesse Bradford ist einfach durch und durch mittelmäßig und Adam Beach hatte die zugegeben anspruchsvollste Aufgabe, konnte sie aber auch nicht wirklich zufriedenstellend erfüllen. Zwar kann er an einigen Stellen durchaus überzeugen, aber er hält das Niveau leider nicht durchgehend. Die Schauspieler waren wirklich nicht schlecht, aber eben auch nicht aussergewöhnlich wie man es von einem Clint Eastwood Film erwartet.

 

 

Dieser Film macht es den Zusehern und auch den Kritikern garantiert nicht leicht. Auf der einen Seite steht der wunderbare dezente Regiestil von Clint Eastwood, der sich deutlich am Prinzip "weniger ist mehr" orientiert und neben dem großen Bezug zu seinen Hauptfiguren auch die realistische Inszenierung und die Kameraarbeit wunderbar erscheinen lässt. Positiv kommt noch die von Clint Eastwood komponierte Musik hinzu die genau wie der Rest des Films sehr dezent ist und den Film wunderbar ergänzt. Doch leider hat der Film viel zu viele Schwächen um als großartig in Erinnerung zu bleiben.

 

Flags of our Fathers ist ein wunderbar inszenierter Film, der deutlich die Handschrift von Clint Eastwood trägt, aber der leider auch deutliche Dramaturgische Probleme aufweist. Stellenweise wurde der Film einfach langweilig und unübersichtlich, was man vor allem den schlecht eingesetzten Zeitsprüngen zuschreiben muss. Der Film wird zwar durch die Sprünge nicht unverständlich, allerdings reissen sie den Zuseher sehr aus den einzelnen Szenen heraus. Zwar ist die Mischung aus Drama und Antikriegsfilm sehr ambitioniert und auch stellenweise sehr gelungen, aber als Gesamtwerk weist der Film dann doch zu viele Schwächen auf um als Meisterwerk gelten zu können. Eigentlich ist das sehr schade, da die Grundidee des Films sehr gelungen ist, und der Film auch stellenweise sehr gut funktioniert hat. Ich bin sehr gespannt wie der Film nach dem Sehen des dazugehörigen Letters from Iwo Jima wirkt. Ich denke nämlich dass die beiden Filme ihr volles Potential erst ausschöpfen wenn man sie beide gesehen hat.

 

Fazit:

Stellenweise großartiges, an anderer Stelle langweiliges Werk, das meisterhaft inszeniert ist, aber Dramaturgisch leider unausgereift wirkt.

 

Wertung:

6,0/10 Punkte

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