Sophie

OT: -  21 Minuten -  Thriller
Sophie
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
2863
Bewerten:

Filmkritik zu Sophie

Von am

Im Jahr 2006 schaffte es der österreichische Regisseur Vlado Priborsky mit seinem durchaus beeindruckenden Kurzfilm Plan B, etwas Aufmerksamkeit zu erregen. Natürlich fehlten Budget und Vertriebsweg, sodass die breite Masse nichts von seiner stimmigen Talentprobe mitbekommen hat. Ein Jahr später machte sich der Regisseur daran seinen nächsten Film zu drehen: Sophie. Plan B lässt sich am besten als eine Mischung aus Drama und Thriller beschreiben, und scheut sich auch nicht davor etwas Aufmerksamkeit vom Zuseher einzufordern. Sophie geht einen etwas anderen Weg, und versucht sich eher als beklemmender Thriller mit Splatterelementen, doch leider bleibt der Wow-Effekt eines Plan B hier aus.

Sophie (Jasmin Devi) ist gerade mitten im Scheidungskrieg mit ihrem Mann Clemens (Mario L. Ross). Um etwas zu entspannen fährt sie zu einem entlegenen Waldstück und will dort etwas spazieren gehen. Doch es soll alles anders kommen als erwartet: Ein unachtsamer Schritt reicht aus, und sie stürtzt einen Hang hinunter. Unten angelangt tritt sie sogleich in eine Bärenfalle und zu allem Überfluss ist auch noch das Handy ausserhalb ihrer Reichweite gelandet. Mit all ihrer Willenskraft versucht sie sich aus der Situation zu retten, und denkt dabei über ihr Leben mit Clemens nach...

Den Kennern von Plan B wird bereits beim lesen der kurzen Inhaltsangabe auffallen, dass Mario L. Ross wieder als Clemens zu sehen ist. Dies erklärt sich dadurch, dass Sophie ein zusätzliches Puzzlestück zu Plan B ist, und die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet. Nichtkenner des Films brauchen sich allerdings keine Sorgen zu machen, denn Sophie erzählt eine weitgehend eingeständige Geschichte, die nur in den Rückblenden Bezug zu Plan B nimmt. Eine Kenntnis von Plan B ist aber dennoch zu empfehlen, da man so ein interessantes Wiedersehen mit den Figuren feiern kann.

Besonders auffällig an Sophie ist mit Sicherheit seine äusserst schicke Aufmachung. Man hat sich dazu entschieden alles mit HDV zu drehen und angefangen von den wirklich schönen Bildern, über den punktgenauen Schnitt bis hin zur Ausleuchtung und dem Make-up ist die technische Verbesserung gegenüber dem Vorgänger Plan B allgegenwärtig und auch immer spürbar. Alleine wegen der, für einen Kurzfilm, astreinen handwerklichen Umsetzung verdient sich Vlado Priborsky und sein Team also schon einmal viel Lob, nur leider macht einen Film nicht unbedingt seine technische Komponente aus.

Plan B überzeugte durch eine sehr intelligente, und vor allem knackige Idee, die den Zuseher dazu inspirierte den Film öfters anzusehen und die versteckten Hinweise auf die Auflösung zu entdecken. Sophie lässt diese Hintergründigkeit leider vollends vermissen. Stattdessen benutzt der Film eine relativ simple Grundidee, und bläst diese mit Rückblenden auf. Das Problem bei diesen Rückblenden ist nun, dass sie auf der einen Seite den Filmfluss stören, und zusätzlich auch noch nicht besonders interessant sind. Viel mehr sind sie äusserst simple Versuche den Zuseher an die Hauptperson zu binden.

Doch auch die Kernhandlung in Sophie ist leider nicht frei von Fehlern. Erste Zweifel stellen sich bereits ein, als das typische Klischee des Abrutschens eingesetzt wird, und leider setzt Sophie noch einen nach, als man die Hauptfigur in eine Bärenfalle steigen lässte. Jeder der mit dem ersten Saw Film vertraut ist, sollte an dieser Stelle ein kräftiges Déjà Vu Erlebnis haben, und leider wirkt auch die Befreiung aus der Falle sehr von Saw abgekupfert. Zwar hat man diese Sequenz wohl so gut wie möglich umgesetzt, aber spätestens bei den Splattereffekten werden dann auch die Restriktionen einer solchen Produktion bewusst.

Ein dickes Lob gibt es allerdings für eine wunderbar verstörende Albtraumsequenz, die sehr an den Stil eines David Lynch erinnert, wenngleich es auch hier nicht nur Lob, sondern auch einen Tadel gibt. Das man argumentieren könnte, dass man sich hier sehr augenscheinlich beim "Meister" Lynch inspiriert hat, soll an dieser Stelle einmal aussen vor gelassen werden, allerdings ergibt sich dennoch das Problem, dass sich diese Sequenz nicht so wirklich in die homogene Struktur des Films einpasst. Somit sticht sie deutlich aus den restlichen Szenen hervor, und es wirkt so, als hätte man einfach die gute Idee zu dieser Sequenz gehabt, und sie auf Teufel komm raus in den Film gepackt, ohne darauf zu achten ob sie auch wirklich nötig ist.

Das alles klingt vielleicht etwas zu negativ, als es wirklich ist, nur ist es eben so, dass Sophie unter all den technisch wirklich bemerkenswerten Verbesserungen gegenüber Plan B nur ein mäßiges Drehbuch zur Verfügung hat, welches der ausgeklügelten und knackigen Geschichte von Plan B nichts entgegen zu setzen hat. Positiv ist sicher, dass Regisseur Priborsky erneut zeigt, dass ein Rohtalent in ihm schlummert, das es wert ist gefördert zu werden. Auch Jasmine Devi gibt eine gute Figur, und somit ist Sophie als inszenatorische Fingerübung für das Team, sicher einen Blick wert, wenngleich das Drehbuch auch fundamentale Schwächen aufweist.

Fazit:
Man kann Sophie deutlich ansehen, dass Vlado Priborsky und sein gesamtes Team bei den Dreharbeiten Blut geschwitzt haben und durch den gigantischen Einsatz einen technisch wirklich gelungenen Kurzfilm abgeliefert haben. Doch unter der schönen Oberfläche und der guten Inszenierung schlummert leider nur ein sehr mäßiges Drehbuch, das über viele dramturgische Probleme verfügt und in keiner Sekunde die hintergründige Intelligenz eines Plan B erreicht. Zu viele Klischees werden abgegrast, und das Ende selbst ist schließlich leider nur ein sehr müder Ausklang.

Wertung:
6/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
0%
6 /10
100%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Keine Empfehlungen gefunden!
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!