The Departed (2006)

OT: The Departed - 151 Minuten - Thriller
The Departed (2006)
Kinostart: 07.12.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Departed

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Martin Scorsese gilt nicht umsonst als einer der wegweisendsten Regisseure aller Zeiten. Filme wie Taxi Driver, Wie ein wilder Stier, Good Fellas und Casino dürfen sich zweifellos zu den besten Filmen der Filmgeschichte zählen und überzeugen auf ganzer Linie. In den letzten 10 Jahren hat er sich jedoch etwas von dem von ihm so geprägten Genre des Gangsterfilms abgewendet und versuchte sich in anderen Gebieten. Nun kehrt er mit The Departed wieder zu dem rauhen, dreckigen Stil seiner Gangsterfilme zurück und serviert den Cineasten einen vielschichtigen, komplexen und vor allem mitreissenden Copthriller der Extraklasse.

 

In Boston wird die gesamte Unterwelt vom Irischen Mafiosi Frank Costello (Jack Nicholson) geleitet. Die Cops versuchen seit langem ihn festzunehmen und so beschließen die Leiter einer Spezialtruppe einen verdeckten Ermittler in die Reihen von Costellos Männern einzuschleusen. Die Vorgesetzten Queenan (Martin Sheen) und Dignam (Mark Whalberg) schicken den aus Verbrecherkreisen stammenden Billy (Leonardo DiCaprio) unter falscher Identität los um sich bei Costello hochzuarbeiten. Was sie allerdigns nicht wissen ist dass sich ebenfalls einer von Costellos Männern in ihrer Abteilung befindet. Colin (Matt Damon) sieht in dem Gangsterboss so etwas wie eine Vaterfigur und offenbart ihm alle Details über die Pläne der Polizei. Doch langsam beginnen die beiden von einander zu erfahren...

 

Mit The Departed kann Martin Scorsese wieder an die Makellosigkeit seiner früheren Werke anknüpfen und dreht das wahrscheinlich beste Remake der Filmgeschichte. Infernal Affairs, soll hierbei weniger Konkurent sein, sondern viel mehr als eine Inspiration für Scorseses Film dienen. In The Departed wird vor allem viel Wert auf die Charaktere gelegt und wie sich ihre psychologische Ausgangslage im Lauf des Films ändert. Dabei ist es zu Beginn die Spannung der gegenseitigen Ermittlungen die fesseln und am Ende das furiose Finale, in dem Scorsese viel Mut beweist und seinen Stil konsequent durchzieht.

 

Das wahrscheinlich Aussergewöhnlichste an The Departed ist sein unglaublich perfekt gestalteter Spannungsbogen, der quasi bei Null beginnt und sich von Minute zu Minute immer mehr spannt. Beide Hauptpersonen befinden sich in einer Situation größter Anspannung, da sich jeder kleine Fehler fatal für sie auswirken kann. Aus dieser angespannten Situation entwickelt sich durch immer mehr Informationen über den jeweiligen Gegenspieler ein beinahe paranoider Zustand, der sich noch mehr zuspitzt als Colins Freundin ihn mit Billy betrügt und sich eine erneute Situation ergibt in die beide verwickelt sind ohne sich zu kennen. Die Spannung wird dabei konstant verstärkt und explodiert am Ende in einen unglablich intensiven Höhepunkt, der sicher für erstaunte Gesichter sorgen wird. Martin Scorseses Konsequenz am Ende des Films ist sehr zu bewundern.

 

Für zart besaitete Gemüter wird The Departed sicher nicht geeignet sein, da der Film wie man es von Scorsese gewohnt ist sehr brutal ist, und die Gewalt sehr objektiv und unbeschönigt gezeigt wird. Die zusätzliche Schimpfwörtersalve, die auf den Betrachter abgefeuert wird, wird den Rest dazu beitragen um leicht zu schockierende Zuseher abzuschrecken. Der gesamte Film erreicht durch seine psychologische Intensität, die knackende Spannung, die schonungslose Gewalt und die gesamte Ausgangslage eine unglaubliche Tension die den Zuseher auf eine atemberaubende Achterbahnfahrt mitnimmt. Die Spannug spitzt sich wie bereits erwähnt von Minute zu Minute zu und entwickelt bobastische Ausmaße, die den Zuseher gebannt im Sessel verschwinden lässt, ohne ihm einen Ansatzpunkt für den weiteren Verlauf der Geschichte zu bieten. Dennoch wirkt das Finale logisch, nachvollziehbar und ist die einzige konsequente Lösung.

 

Einer der größten Vorteile des Films wurde bis jetzt noch gar nicht angesprochen: Das perfekt aufspielende Ensemble. Zum Einen wäre das geniale Duo Martin Sheen und Mark Whalberg zu erwähnen, welche das klassische Guter Bulle - Böser Bulle Spiel spielen und dennoch den klassischen Rollen einen eigenen Touch geben können und somit voll und ganz überzeugen. Ein weiterer Höhepunkt auf der Seite der Polizisten, der allerdings zu wenig Screentime zugesprochen bekam, ist Alec Baldwin. Die wahren Großleistungen des Films finden sich allerdings eindeutig in den drei Hauptrollen.

 

Der erste der hier erwähnt werden muss ist Jack Nicholson, von dem es ja durchaus bekannt ist dass er sich in bösen, ja fast diabolischen Rollen wie zu Hause fühlt. In The Departed leitet er den Film sehr stimmungsvoll ein in dem er uns seine Sicht der Dinge erklärt. "Dir wird niemand etwas schenken, also nimm es dir wenn du was willst" ist einer dieser wesentlichen Leitsätze, die den skrupellosen Mörder zum Boss von Bostons Unterwelt aufstiegen lies. Eine durch und durch böse und berechnende Atmosphäre umgiebt ihn während des ganzen Films und durch die plötzlich aus ihm herausbrechende Gewalt kann man nie wissen was als nächstes geschieht wenn er ins Bild kommt.

 

Die nächste wesentliche Leistung entstammt Matt Damon, der den zum Polizisten gewordenen Verbrecher spielt, der durchaus Karriereorientiert denkt und der dem Zuseher ebenfalls ein Gefühl der Unberechenbarkeit übermittelt. Es fällt schwer seine Ziele richtig einzuschätzen. Zwar verhält er sich loyal gegenüber Costello, aber man wird das Gefühl nicht los dass diese Loyalität nur auf Gewohnheit beruht und dass er sich viel wohler fühlen würde wenn er sich nur auf seine Polizeilaufbahn konzentrieren könnte. Damon spielt die Rolle als typischen Karriereorientierten Kerl, der zwar stets an der Grenze zum übertrieben verkörperten Klischee liegt, diese Grenze aber nie überschreitet, sondern sein Ziel voll und ganz erfüllt und als Höhepunkt in Erinnerung bleibt.

 

Der interessanteste Part liegt allerdings in der Rolle des Billys, der sehr treffend von Leonardo DiCaprio verkörpert wird, der sich langsam aber sicher zu Scorseses neuem De Niro hinaufarbeitet und in The Departed aufs Neue eine fabelhafte Leistung bringt, die ihm durchaus seine dritte Oscarnominierung einbringen könnte. Das besondere an dieser Figur ist sein tief dramatischer Hintergrund. Billy versucht seiner schäbigen Herkunft zu entfliehen und als Polizist zu arbeiten. Wegen seiner Vergangenheit wird er allerdings wieder in die Rolle des Verbrechers gesteckt, der sich ohne erlösende soziale Kontakte in feindlicher Umgebung durchschlagen muss. Hinzu kommt die zusätzliche Spannung, durch Costellos Spitzel, der falls er ihn enttarnt Billys Todesurteil wäre, und somit die sowieso blank liegenden Nerven von Billy noch mehr strapaziert.

 

Es ist wirklich beeindruckend mit welch virtuoser Brillanz Martin Scorsese diesen komplexen Stoff verfilmt und sowohl die Spannung ins unermessliche treibt, als auch die Charaktere beleuchtet und ihre Hintergründe darlegt. Besonders wie die beiden Hauptfiguren versuchen sich gegenseitig zu entlarven und den anderen zu erwischen ist an Spannung nicht zu toppen. Zusätzlich kommt der Druck der Aussenwelt hinzu, der beiden sehr zusetzt und durch teilweise hektische Schnitte den paranoiden Verfolgungswahn der unter Feinden lebenden Protagonisten visualisiert.

 

Handwerklich ist der Film wie man es von Scorsese gewohnt ist ohne Makel. Die Visualisierung ist wunderbar und der gewählte Soundtrack passt wie in jedem Scorsesefilm exakt. Besonders die teilweise eingesetzte irische Rock-Musik unterstreicht die Atmosphäre des Films sehr treffend. Auch der schon erwähnte Schnitt des Films, der durch seine rauhen, ja fast hektischen Cuts die Dramatik des Films sehr gut unterstützt ist sicher erwähnenswert. Das besondere ist jedoch dass sich keine technische Komponente über die andere stellt, sondern sich alle zu einem wunderbaren Gesamtwerk vereinen.

 

The Departed ist ein Highlight des Filmjahres und jeder der die Möglichkeit hat den Film zu sehen sollte diese nutzen. Vom virtuosen Spannungsaufbau, bis hin zum aussergewöhnlichen Szenario und den genialen Darstellern ist The Departed ein makelloser Film an dem sich kein Kritikpunkt auftut. Vom Anfang bis zum Ende kompromisslos, dramatisch und vor allem mitreissend. Martin Scorsese hat sich wieder einmal für den Oscar bereitgestellt. Jetzt liegt es an der Academy ihm diesen Preis auch zu überreichen.

 

Fazit:

Makelloses Filmhighlight mit durchdacher Story und fulminanter und packender Inszenierung die den Zuseher einfach wegfegt.

 

Wertung:

10/10 Punkten

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.2/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 131
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