8 Blickwinkel

OT: -  90 Minuten -  Thriller
8 Blickwinkel
Kinostart: 29.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
2753
Bewerten:

Filmkritik zu 8 Blickwinkel

Von am

8 Blickwinkel versucht formal eine interessante Technik anzuwenden, die unter anderem auch speziell am Beginn der zweiten Staffel Lost verwendet wurde: Man zeigt den selben Zeitraum immer wieder, nur eben aus verschiedenen Blickwinkeln, und deshalb kann man dem Zuseher Schrittweise immer mehr Informationshappen vorwerfen. Augescheinlich ist hier auch eine Paralelle zum Klassiker Rashomon, von Akira Kurosawa zu finden, allerdings sollte man sich mit diesem Vergleich etwas zurückhalten. Denn obwohl die angewandte Technik zweifellos ähnlich ist, lässt 8 Blickwinkel den philosophischen Diskurs mit einer subjektiven Wahrheit schmerzlich vermissen, spart sich jede Form der persönlichen Verzerrung auf und beschränkt sich darauf die "objektive" Wahrheit von verschiedenen Seiten zu zeigen.

Im spanischen Salamanca will der US Präsident Ashton (William Hurt) eine Rede über den Krieg und den Terror halten, doch während seines Auftritts wird er von zwei Kugeln niedergeschossen und kurz darauf erschüttert eine Bombenexplosion die Stadt. In der Menge kreuzen sich die Leben von verschiedenen Augenzeugen, die allesamt ihren Teil zum Puzzle beizutragen haben. Darunter zum Beispiel ein amerikanischer Tourist, der das Attentat auf Video aufgenommen hat, eine TV-Produzentin die alles auf den Monitoren beobachtet hat, und natürlich die Secret-Service-Agenten Thomas Barnes (Dennis Quaid) und Kent Taylor (Matthew Fox), die nun auf die Jagd nach den Drahtziehern sind...

Man denke nur einmal zurück an Kurosawas Rashomon: Der Film handelt vom Mord an einem Samurai, und dem anschließenden Rätselraten aller Beteiligten. Nach und nach kommen verschiedene Beteiligte zu Wort, und allesamt erzählen sie eine andere Geschichte. Somit ist es keinenfalls so, dass sich einfach nur die Puzzleteile zusammenfügen und man am Ende eine schönes, eindeutiges Bild vor sich hat. Viel mehr brachte Kurosawa einen sehr menschlichen Aspekt in seinen Film: Den Irrtum. Durch subjektive Betrachtung verzerrten sich alle Aussagen, sodass es am Ende dem Zuseher überlassen blieb, an welche Interpretation er sich denn klammern möchte.

Von einer solchen intelligenten Auseinandersetzung ist 8 Blickwinkel allerdings ein Stück entfernt. Viel mehr beschränkt er sich auf einen viel einfacheren Ansatz: Er verwendet die Technik der verschiedenen Blickwinkel dazu um dem Zuseher Schritt für Schritt mehr Wissen zu gewähren. Doch dies soll man auch nicht von vorne herein verurteilen, es zeigt nur deutlich, dass sich der Film selbst auf eine reine Unterhaltungsebene beschränkt. Zum Glück macht er dies zunächst auch durchaus zufriedenstellend und legt einen recht überzeugenden Start hin.

Das Tempo mit dem 8 Blickwinkel ins Rennen geht ist von Anfang an angezogen, und viele Verfolgungsjagden erinnern stellenweise an die grandiosen, hektischen und unglaublich intesiven ähnlichen Szenen aus der Bourne Reihe, jedoch schafft man es in keiner Sekunde deren Qualität zu erreichen. Diese Szenen sind es auch, die zeitweise über die Schwächen des Films hinwegtrösten, da die Inszenierung, obwohl wenig innovativ, durchaus gefällig ist, und das Tempo so hoch ist, dass es die logischen Patzer an manchen Stellen kaschieren kann.

Doch was das wirkliche Problem des Films ist, und was man auch nicht so leicht verleugnen kann ist, dass die zugrunde liegende Geschichte nur 08/15 Material ist, und sich, je weiter der Film voranschreitet immer abgenutzter anfühlt. Auch tut es an manchen Stellen richtig weh, dass man solch namhafte Darsteller wie Forest Whitaker, Dennis Quaid oder William Hurt großteils mit lahmen Figuren unterfordert, die so simple Abziehbilder sind, dass es fast schon schmerzt. Matthew Fox, der in seiner Rolle in der Fernsehserie Lost bereits Qualität bewiesen hat kann einem allerdings richtig Leid tun, da er sich mit der wahrscheinlich undankbarsten Rolle abmühen muss.

8 Blickwinkel ist im Endeffekt ein sehr gutes Beispiel für eine vergebene Chance. Hätte man sich mit der Geschichte und den Figuren etwas mehr Mühe gegeben, dann hätte man mit dem vorhandenen Ensemble einen wirklich guten Film machen können. So wie es allerdings schlußendlich geworden ist, ist 8 Blickwinkel ein Film, der einen sehr guten Start hinlegt und es zunächst auch schafft gewisse Unzulänglichkeiten zu kaschieren, aber je mehr Häppchen man von der Story serviert bekommt, umso platter fühlt sich alles an, und schlußendlich beginnen sogar die Blickwinkelwechsel zu nerven. Ein ganz passabler Unterhaltungsfilm ist es allerdings dennoch geworden!

Fazit:
8 Blickwinkel hätte durchaus ein rasanter Tempothriller mit Hirn werden können, wie etwa Das Bourne Ultimatum, jedoch hat man das Rashomon Prinzip leider auf ein reines Puzzleraten reduziert, und alle tiefergehenden Aspekte fallengelassen. Auch fühlt sich die Story etwas simpel an, und die Charaktere sind großteils farblose Reißbrettentwürfe nach Schema F, aber dennoch sollte man den Film nicht generell niedermachen. Denn richtig enttäuschend ist nur, dass man das vorhandene Potential nicht genutzt hat, sondern "nur" einen soliden Unterhaltungsfilm daraus gemacht hat.

Wertung:
6/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 23
10 /10
13%
9 /10
4%
8 /10
13%
7 /10
22%
6 /10
17%
5 /10
26%
4 /10
0%
3 /10
4%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
The Hitcher
Der Staatsfeind Nr. 1
The Game
Das perfekte Verbrechen
Training Day
Panic Room
Wolf Creek
Bank Job
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!