Taxi Driver (1976)

OT: Taxi Driver - 109 Minuten - Drama
Taxi Driver (1976)
Kinostart: 07.10.1976
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 07.04.2011
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Filmkritik zu Taxi Driver

Von am
„The whole conviction of my life now rests upon the belief that loneliness, far from being a rare and curios phenomenon, is the central and inevitable fact of human existence.“
Thomas Wolfe

Taxi Driver ist einer jener Filme die einen als Zuseher sehr intensiv und sehr intim berühren. Der Film handelt von Einsamkeit, von Gewalt, von Wut und erklärt warum diese Gefühle unabdingbar miteinander verknüpft sind. Martin Scorseses Film ist nicht nur einer der besten Filme aller Zeiten, er ist vor allem ein sehr persönlicher Film, der sehr unkommerziell ist. Warum er trotzdem ein finanzieller Erfolg wurde ist wohl unerklärlich. Wahrscheinlich liegt es daran dass er von vielen falsch aufgenommen wurde.

Martin Scorsese erzählte von einem Erlebnis, welches er so nicht erwartet hätte, und welches ihn sehr tief berührt hat. Während einer Vorführung von Taxi Driver in einem schlechten Viertel von New York, bei dem die Unterschicht der Stadt versammelt war und sich auch der Regisseur ins Publikum schlich um die Wirkung seines Films zu studieren, beobachtete Martin Scorsese die Reaktion der Zuseher besonders während Travis Rachefeldzug. Die Zuseher jubelten und tobten. Sie feuerten Travis an noch mal zu schießen und waren gänzlich auf dessen Seite. Scorsese berichtete später dass er auch diese Reaktion beabsichtigte, nur sollte kurz nach dem ersten Jubelrausch eine Katharsis eintreten, die den Betrachter aus dem Jubel heraus reisst und ihm vor Augen führt dass dies doch keine Lösung sei. Doch offenbar saßen Wut und Verzweiflung zu tief im Publikum fest um sich von der reinigenden Kraft der Gewalt los zu lösen. Auf der einen Seite war dies zwar Bedauernswert für Scorsese, da es seine Motive verzerrt, auf der anderen Seite zeigt es aber gerade wie wichtig dieser Film für uns alle doch ist.

Travis Bickle (Robert De Niro), ist ein Vietnamveteran und muss nun als Taxi Fahrer arbeiten. Er hasst den Abschaum der auf den Straßen New Yorks sein Unwesen treibt und gleichzeitig fährt er Nachtschichten. Dabei ist es ihm durchaus bewusst dass die Subjekte die er hasst sich gerade in der Nacht besonders hervor trauen. Doch es ist ihm egal und so wird sein Hass im Unterbewustsein immer mehr geschürt. Travis kann nicht schlafen. Er wirkt ausgelaugt und nicht mehr klar bei Sinnen, auch ihm selbst wird langsam klar dass seine Lebensweise so nicht weitergehen kann. Seinem Tagebuch, seinem einziger Gesprächspartner, offenbart er dass er sich selbst als Gottes einsamster Mann sieht.

Er wirkt verzweifelt und die einzigen sozialen Kontakte die er wahrt ist die Gesellschaft seiner Arbeitskollegen während einer Kaffepause. Seine Schlaflosigkeit lässt die Tage für Travis qälend lange werden. Seine Psyche ist geschädigt und die Anonymität der Großstadt lässt Travis immer einsamer werden. Die langen Tage und die Unmöglichkeit sie mit jemanden zu verbringen treiben Travis an die Orte die den Abschaum beherbergen, welchen Travis so sehr hasst. Er geht in Pornokinos und es ist völlig normal für ihn. Zwanghaft sucht er den Kontakt zu anderen Menschen, doch an den Orten an denene Travis nach ihnen sucht ist niemand sonderlich kontaktfreudig.

Doch auf einer seiner Routen sieht Travis im Wahlkampfbüro von Senator Charles Palentine (Leonard Harris), welcher der Favorit auf das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist, die wunderschöne Betsy (Cybill Shepherd). Mit ihrem weißen Kleid und ihrem unschuldigen Auftreten erinnert sie Travis an einen Engel. Er will sie. Travis nimmt seinen Mut zusammen und läd Betsy ins Kino ein. Sie fühlt sich auch von Travis angezogen und begleitet ihn. Travis weiß nichts von den typischen Ritualen verliebter Menschen. Er nimmt sie an einen für ihn vollkommen logischen Ort mit: Ins Pornokino. Doch Betsy fühlt sich angeekelt und verlässt Travis. Sie antwortet nicht mehr auf seine Anrufe und schickt ihm seine Blumen zurück.

Für Travis ist es nun klar. Er hat versucht aus seinem Leben auszubrechen und ist gescheitert. Die Welt der normalen Kontakte scheint für ihn für immer geschlossen. Während einer Taxifahrt lernt er Palentine kennen und unterhält sich mit ihm. Dieser ist freundlich zu ihm und fragt Travis auch nach seinen Ansichten. Doch der Vorfall mit Betsy hat Travis auf einen Weg gebracht, von dem keine Abkehr mehr möglich ist. Betsy kehrt für ihn von der Heiligen zur Hure. Mit ihr hasst er alles wofür sie steht. Travis will nun Senator Palentine töten. Während seinen Vorbereitungen in denen er seinen Körper stählt und den Umgang mit einer Schußwaffe lernt, konfrontiert er sich mit seinem eigenen Spiegelbild. "Redest du mit mir" diese Frage wirft er dem Spiegel entgegen und schürt dabei neben seiner allgemeinen Enttäsuchung darüber keinen echten Gesprächspartner gefunden zu haben vor allem den Hass. Den Hass gegenüber dem Abschaum und den Hass gegenüber sich selbst. Er schnallt sich die Waffe an seinem Arm und Gottes einsamster Mann wird zur vollendeten Symbiose aus Tötungsinstrument und Mensch. Er wird selbst zur Waffe.

In dieser Zeit werden auch seine Gäste immer ungewöhnlicher. Neben einen mysteriösen Mann (Martin Scorsese), der Travis gesteht dass er seine Frau töten will, weil diese ihn betrügt, lernt Travis die junge Iris (Jodie Foster) kennen. Sie ist eine 12 jährige Prostituierte und springt zu Travis ins Taxi weil sie aus ihrem Umfeld fliehen will. Doch ihr Zuhälter Sport (Harvey Keitel) hält sie davon ab und gibt Travis 20 Dollar damit er das Gesehene vergisst. Doch Travis kann nichts mehr vergessen. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes wach. Er sucht den Kontakt zu Iris und will sie überreden zurück nach Hause zu gehen. Er will aus der Hure eine Heilige machen und "seine" Form der Betsy zurückholen. Doch Iris will davon nichts wissen und somit kehrt Travis zu seinem Attentatsplan zurück.

Doch während Travis, der seinen emotionalen Umschwung durch eine passende, wilde Frisur ausdrückt, bei einer Rede von Palentine sein Attentat durchführen will um sich danach selbst zu richten, wird er von einem Mitarbeiter des Secret Service entdeckt und muss fliehen. Er beschließt kurzerhand seinen Plan zu ändern und will nun Iris retten...

Nach dieser langen Einführung in die Welt des Taxi Drivers, die notwendig ist um den Film zu diskutieren, aber noch immer bei weitem unzureichend ist um einen Filmgenuss zu ersetzen möchte ich an dieser Stelle meine tiefe Zuneigung zu diesem zeitlosen und sowohl inhaltlich als auch emotinal überwältigenden Film bekennen und Martin Scorsese und Paul Schrader die Anerkennung erweisen die ihr absolutes Meisterwerk Taxi Driver verdient.

Vor allem die inhaltliche Kraft dieses Films und mit welch aufopfernder Brillanz Martin Scorsese diese inszeniert hat ist einzigartig in der Filmgeschichte. Taxi Driver ist eine wundervolle Parabel über das Suchen nach Liebe, über Einsamkeit und natürlich das Scheitern im Leben. Hinzu kommt die tiefmelancholische Atmosphäre des Films, die auch sehr an Robert De Niros tragischer und makelloser Darstellung dieser zerrissenen Figur liegt.

Travis Bickle ist eine höchst widersprüchliche Figur. Auf der einen Seite hasst er das Gesindel auf der Straße und auf der anderen Seite fährt er Nachtschichten und geht in Pornokinos. Er versucht gar nicht erst seinem Hass auszuweichen, sondern lässt diesen aufstauen bis Travis schließlich im Finale des Films explodiert und der reinigenden Kraft der Gewalt freien Lauf lässt. Wie er selbst sagt wünscht er sich nur einen reinigenden Regen, der das Gesindel von den Straßen fegt. Doch Travis stirbt nicht wie geplant in seiner Kamikazeaktion sondern findet paradoxerweise auch noch die Anerkennung der Medien. Travis wird zum Held und die Aktion die durch Travis Einsamkeit hervorgerufen wurde, führt schließlich zur öffentlichen Anerkennung. Doch die Anerkennung erfolgt gerade durch eine Tat die Travis selbst verabscheut. Am Ende kann man interpretieren ob sie Travis geholfen hat, oder ob es noch nicht das Ende von Travis Leidengeschichte ist. Sein Blick in den Rückspiegel seines Taxis, bei dem man ihn fast sagen hört: "Redest du mit mir?" verrät dass es nicht das Ende ist.

Travis Bickle. Diese Figur erinnert nicht nur in der Endszene an John Wayne. Viel mehr ist Taxi Driver die stark modernisierte Version von John Fords The Searchers und Travis Bickle der moderne Ethan Edwards. Auf dem Weg die junge Frau aus den Händen der Wilden zu befreien scheinen beide Figuren zu vergessen dass diese Tat nur möglich ist wenn man selbst zum Wilden wird. Dieses Paradox zieht sich durch den gesamten Film, ist aber bei weitem nicht sein einziges intelektuelles Standbein.

Viele Menschen haben dem Film Gewaltverherrlichung vorgeworfen. Ich sage kein Film war jemals weiter davon entfernt. Taxi Driver ist ein Film über Einsamkeit und Verzweiflung, zeigt uns aber auch kompromisslos zu was diese Einsamkeit führen kann. Es stimmt dass am Ende Travis zu einem reinigenden Akt der Gewalt greift der ihm die Anerkennung der Medien garantiert, jedoch auch dazu führt das Travis zu einem jener Subjekte wird die er so sehr verabscheut. Manche Menschen haben auch darüber spekuliert dass der letzte Teil des Films, der Travis als Medienheld zeigt, nur die letzte Fantasie eines Sterbenden ist. Doch meiner Meinung nach würde dies nicht Scorseses Charakter entsprechen. Travis wird der Tod nicht gegönnt. Er ist zu einem Leben verurteilt dass ihn anekelt und für ihn seine persönliche Bestrafung ist.

Taxi Driver ist ein großer Höhepunkt der Filmgeschichte und sowohl die inhaltlich Stärke des Films, als auch seine Inszenierung und die tiefsensible Darstellung Robert De Niros ist perfekt. Taxi Driver hat im Jahre 1976 die goldene Palme in Cannes gewonnen und kein Film hat diesen Preis jemals so sehr verdient.

Fazit:
Ein makelloser Meilenstein der Filmgeschichte, der sowohl emotional als auch intelektuell berührt und fordert.

Wertung:

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Filmering.at
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