The Aviator

OT: -  170 Minuten -  Drama
The Aviator
Kinostart: 20.01.2005
DVD-Start: 20.10.2011 - Blu-ray-Start: 07.02.2013
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Filmkritik zu The Aviator

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John Logans Drehbuch The Aviator geisterte lange in Hollywood herum bevor es seine Verfilmung fand. Gekauft wurde es schließlich von Michael Mann, der es auch verfilmen wollte, jedoch dann beschloß dass er nach The Insider und Ali ersteinmal genug von Biographien hat. Stattdessen fungierte er nur als Produzent und bot den Regieposten seinem Freund Martin Scorsese an. Und dies war wahrlich keine Fehlentscheidung.

 

Der Visionär und Millionär Howard Hughes (Leonardo DiCaprio), der bereits im Alter von 18 Jahren durch die Erbschaft der Firma Hughes Tools zu einem der reichsten Männer der Welt wurde, will nun abseits seiner bisherigen Erfolge die Filmwelt revolutionieren. Mit seinem innovativen Flugzeugepos Hell´s Angels sprengt er die Grenzen des Vorstellbaren. Er produziert den damals teuersten Film aller Zeiten und lässt ganze Teile des Films neu drehen. Absolut unglaublich ist dann sein Entschluss nach Beendigung der Dreharbeiten den gesamten Film mit der neuentwickelten Tonfilmtechnologie neu zu drehen. Durch den Film wird die junge Jean Harlow (Gwen Stefani) zum Star und der erste Schritt zu Hughes Playboy Image gelegt. Weiter Affären folgen unter anderem mit Katherine Hepburn (Cate Blanchet) und Ava Gardner (Kate Beckinsale).

 

Doch sein Hang zum Ungewöhnlichen beschränkt sich nicht nur auf seine Filme, die auch in späteren Jahren noch für Kontroversen, vor allem bei der Zensurbehörde, sorgen werden. Er ist ein begeisterter Flugzeugfan und entwickelt auch seine eigenen Modelle. Er entschließt sich kurzerhand die Fluglinie TWA zu übernehmen und nimmt unter anderem Aufträge vom Militär an. Ausserdem will er das Monopol von Pan Am für Flüge über den Atlantik einstürtzen lassen. Doch der Boss seiner Konkurenzfirma Juan Tripe (Alec Baldwin) sieht dies gar nicht gerne und plant gemeinsam mit dem von ihm gesponsorten Senator Ralph Brewster (Alan Alda) Hughes zu Fall zu bringen...

 

Martin Scorseses wundervolles Epos The Aviator ist nur auf dem ersten Blick eine Biographie. Dafür wurde das Leben vom exzentrischen Howard Hughes nicht genau genug widergegeben. Vor allem dessen unschönes Ende wurde ausgelassen. Doch dies ist nicht wirklich schlimm, da man auf diese Weise auch einfach die langweiligen Passagen von Hughes Leben überbrücken kann. Stattdessen ist The Aviator vor allem eine wunderschöne Rekonstruktion des alten Hollywood und ein Portrait des damaligen Lebens.

 

Im wesentlichen kann man den Fim in drei Teile zerlegen. Der erste Teil ist ein Film über das alte Hollywood und man kann Martin Scorsese seine Nostalgie förmlich ansehen. In diesem Teil stehen die Dreharbeiten zu Hell´s Angels und die Beziehung zu Katherine Hepburn im Mittelpunkt. Dieser Hollywood Teil des Films ist auch der mit Abstand gelungendste Abschnitt und zeichnet ein gekonntes und detailiertes Stimmungsbild der damaligen Zeit. Angefangen von den wundervoll inszenierten Filmpremieren, bis hin zum genialen Club Coconut Groove stimmt hier der Film perfekt ineinander und liefert ein atmosphärisch dichtes Portrait einer Zeitepoche.

 

Der zweite Teil des Films ist der Technik Film. Auch dieser Abschnitt ist wunderbar gelungen und handelt vor allem von Hughes Flugzeug Besessenheit. Doch der dritte Teil des Films ist der Film über die Person Howard Hughes selbst und auch der deutlich Substanzärmste Teil des Films. Zwar wird der Übergang von Hughes leichten Zwangsneurosen, die sich durch häufiges Händewaschen zeigen, bis zur handfesten Paranoia und zum Verfolgungswahn sehr schön gezeigt, aber dennoch hat der Film hier seine schwächsten Momente.

 

Dies kristalisiert sich besonders im dritten Viertel des Films heraus. Hier wartet man im Prinzip nur noch auf den Höhepunkt des Films. Der Endteil, der eine Anhörung vor dem Senat, bei der Howard Hughes in die Ecke gedrängt wird, ist, stellt dann wieder eine Besserung da und ist selbst auch wundervoll inszeniert, nur ist das Warten auf diesen Moment im angesprochenen Teil des Films der einzige Schwachpunkt den dieser ansonsten brillante Film auweist.

 

Die Aufteilung in drei Teile die oben erwähnt wurde erfolgt natürlich nicht durch ein chronologisches Zerstückeln, sondern nur durch die inhaltlichen Schwerpunkte. Ansonsten werden diese Teile sehr schön inneinander Verwoben und zeichnen eine insgesamt hochinteressante Skizze von Howard Hughes Seelenleben. Technisch gesehen ist The Aviator wahrscheinlich Martin Scorseses ausgereiftester Film und bietet neben den charakteristischen langen Aufnahmen welche die Charaktere auf Schritt und Tritt begleiten, auch eine in allen anderen relevanten Punkten perfekte technische Umsetzung. Auch der wundervolle Soundtrack trägt dazu bei um The Aviator Scorseses schönsten Film werden zu lassen.

 

Bei den Darstellern hat Martin Scorsese wie man es von ihm gewohnt ist ein glückliches Händchen bewiesen. Die Höhepunkte finden sich in Leonardo DiCaprio, der den Film souverän trägt und seiner Rolle unglaubliche Tiefe verleiht, und in Cate Blanchett, die mit ihrer ungewöhnlichen Darstellung eine perfekte Verkörperung ihrer Figur liefert. Weitere ausgezeichnete Leistungen liefern Alec Baldwin, der seinem Juan Tripe sowohl Charisma als auch die eisige Aura eines Geschäftsmann gibt und Alan Alda, der mit seiner Aalglatten Darbietung einem verlogenen Politiker sehr nahe kommt.

 

The Aviator ist durch das schwache dritte Viertel des Films nicht Scorseses bester Film, aber insgesamt gesehen ist er dennoch ein wunderbares Portrait des alten Hollywood und gewährt einen kleinen Einblick in das Leben eines amerikanischen Heldes. Doch der Film endet mit dem erfolgreichen Test von Hughes gewagtestem Flugprojekt: Der Sproose Goose und lässt somit einen Hauch von Hoffnung über, der Hughes im echten Leben nicht vergönnt war.

 

Fazit:

Wunderschönes Stück Geschichte. The Aviator ist ein informativer, unterhaltsamer und interessanter Film, der allerdings die Schattenseiten seines Helden nur unzureichend beleuchtet.

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 46
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