Helden der Nacht - We Own the Night (2007)

OT: - 117 Minuten - Crime / Drama
Helden der Nacht - We Own the Night (2007)
Kinostart: 22.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Helden der Nacht - We Own the Night

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James Gray drehte innerhalb der letzten 12 Jahre gerade einmal drei Filme. Allesamt sind sie im Cop/Gangster Millieu angesiedelt, und alle haben sie es gemeinsam, dass sie eher auf ein langsames Erzähltempo setzen, und sich kaum um die Erwartungen des Zusehers an einen Copthriller scheren. Deshalb ist es auch sehr verständlich, dass die Produzenten nicht gerade Schlange stehen um ihm seine spröden Filme zu finanzieren, aber zum Glück hat er sich für sein neues Projekt Helden der Nacht die Unterstützung seiner Hauptdarsteller Mark Wahlberg und Joaquin Phoenix gesichert, die mit ihm schon The Yards drehten, und ohne die dieser Film wohl nie gemacht worden wäre. Die richtige Mischung hat James Gray aber für diesen Film leider nicht gefunden.

Bobby (Joaquin Phoenix) und Joseph (Mark Wahlberg) sind Brüder, die einen sehr unterschiedlichen Lebensweg gewählt haben. Während Joseph in die Fußstapfen seines Vaters (Robert Duvall) getreten ist, und als Polizist sein Geld verdient, leitet Bobby einen Nachtclub und hat viel mit der dunklen Seite des Gesetzes zu tun. In seinem Club treiben sich nämlich viele Mitglieder der Russenmafia herum, und als Joseph eine Razzia im Club seines Bruders leitet, wird nicht nur der Drogenboss Vadim Nezhinski (Alex Veadov) verhaftet, sondern auch Bobby, was die Brüder nur noch weiter auseinander bringt. Doch als Nezhinski einen Racheanschlag and Joseph ausführt, wechselt Bobby die Seiten, und will die Polizei unterstützen...

Es ist ja wahrlich nichts Neues, dass sich der Kampf der Cops gegen die Verbrechen hervorragend für die Leinwand eignet. Die Frage ist nur für welche Seite man sich entscheidet wenn man einen solche Film macht. Sowohl die Gangsterfilme wie Der Pate, GoodFellas, oder Casino, als auch Copfilme wie The French Connection oder Cop Land konnten in der Vergangenheit überzeugen, und dann gibt es noch so großartige Filme wie Eastern Promises, Heat oder The Departed, die es schaffen sowohl Cop- als auch Gangsterelemente unter einen Hut zu bekommen.

Das Problem was sich dabei allerdings ergibt ist, dass das Publikum so mit ausgezeichneten Filmen des Genres verwöhnt ist, dass man Durchscnittsware erst gar nicht mehr akzeptiert. Helden der Nacht ist nun leider einer dieser Filme, die sich nicht maßgeblich über die Mittelklasse hinausbewegen. James Gray legt seinen Schwerpunkt eindeutig auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren, verkauft das Produkt nach aussen hin aber so, als würde es sich um einen Thriller handeln, was dann natürlich für große Enttäuschung beim Publikum sorgen könnte.

Und diese Irreführung, die hier teilweise suggeriert wird, ist insofern schlimm, handelt es sich bei Helden der Nacht doch noch nicht einmal um einen Film, der einen leichten Schwerpunkt auf die ruhigen Momente legt, sondern um einen Cop-Thriller, der Thrillerelemente völlig vermissen lässt. Nur bei ganz wenigen Szenen kommt überhaupt soetwas wie Spannung auf, und ansonsten plätschert Helden der Nacht nur so vor sich hin. Ansich könnte man das auch akzeptieren, wenn wenigstens die ruhigen Momente stimmig wären, doch leider ist die Story dazu viel zu durchschaubar und die Charaktere nicht interessant genug.

Helden der Nacht hätte eigentlich eine sehr interessante Ausgangslage, bei der die Hauptfigur zwischen seinem Leben mit seinem Club und seiner Frau und dem Polizeieinfluss, durch Vater und Bruder hin- und hergerissen wird, und so in einer sehr schwierigen Lage ist. Doch wo erst kürzlich Martin Scorseses The Departed eine ähnliche Situation zu einem spannungsgeladenen Feuerwerk nutzte, oder David Cronenberg seinem Russenmafiafilm Eastern Promises mit einer unglaublich dichten Atmosphäre aufwertete, scheint James Gray solche Mittel zu meiden.

Das soll hier keinenfalls ein Plädoyer dafür sein, dass ein Film unbedingt mit Action gespickt sein muss (wobei die obligatorische Autoverfolgungsjagd natürlich auch in Helden der Nacht nicht fehlen darf), aber es gehört schon etwas dazu wenn man den gefährlichen Kampf gegen den Drogenhandel so unspektakulär in Szene setzt. Zwar ist der Ansatz, die Polizeiarbeit möglichst realistisch zu zeigen, durchaus interessant, aber genau das selbe hatte auch schon The French Connection gemacht, und in diesem Film bewegte sich alles einige Klassen höher.

Was Helden der Nacht stellenweise rettet, sind die großartigen Hauptdarsteller, die allein durch ihre Ausstrahlung schon ein Gewinn für den Film sind. Zwar hat man sie alle schon besser gesehen, aber dennoch macht es Spaß den sehr gut agierenden Joaquin Phoenix und Mark Wahlberg bei der Arbeit zuzusehen. Robert Duvall zeigt sich wieder einmal in einer klassischen Nebenrolle, wie er sie im Lauf seiner Karriere so oft gespielt hat, aber er hat noch immer nichts von seinem Können verloren. Es bleibt allerdings nicht aus zu sagen, dass wohl all diese drei Darsteller etwas unterfordert sind, und die durch das Drehbuch viel zu vereinfachten Rollen, sichtlich aus dem Handgelenk schütteln.

Helden der Nacht hat allerdings trotz all dieser Schwächen einiges zu bieten, wie zum Beispiel eine durchaus interessante Verfolgungsjagd bei strömendem Regen, und auch ansonsten ist es ein Film der nie wirklich schwach ist, der es aber nicht schafft seine Komponenten in vernüftigem Maße zu mischen, weswegen sich durch den Fokus auf die etwas uninteressant präsentierten zwischenmenschlichen Beziehungen, an einigen Stellen Langeweile einstellt. Die guten Darsteller heben das Niveau zwar zeitweise, aber in Anbetracht der bei weitem überlegenen Konkurrenz in diesem Genre ist Helden der Nacht mit Sicherheit kein Pflichttermin.

Fazit:
Helden der Nacht legt seinen Schwerpunkt eindeutig auf die zwischenmenschlichen Beziehungen, und lässt den Krieg gegen die Drogenmafia als etwas zu unspektakulär erscheinen. Nur in ganz wenigen Momenten kommt Spannung auf, und auch die Figuren sind etwas zu simpel, als dass sie den Film tragen könnten. Als kleiner Bonus bleiben die tollen Darsteller Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg und natürlich Robert Duvall, die in ihren Rollen allerdings kaum gefordert werden. In Anbetracht der Konkurrenz in diesem Genre muss man sich Helden der Nacht somit nicht unbedingt ansehen.

Wertung:
6/10 Punkte











Filmering.at
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Liste von pries
Erstellt: 03.01.2015