Die Liebe in den Zeiten der Cholera

OT: -  139 Minuten -  Romantik / Drama
Die Liebe in den Zeiten der Cholera
Kinostart: 21.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 28.10.2011
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Filmkritik zu Die Liebe in den Zeiten der Cholera

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Die Liebe in den Zeiten der Cholera gilt als einer der wichtigsten Romane des späten 20. Jahrhunderts. Die Geschichte rund um eine ewige Liebe, die lange Zeit getrennt ist, gespickt mit vielen zeitgenössischen Anspielungen stammt aus der Feder vom Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez, und ist auf der ganzen Welt ein Bestseller. Harry Potter und der Feuerkelch Regisseur Mike Newell nimmt sich nun dieser schwierigen Vorlage an, und versucht das höchst poetische Werk in ein cineastisches Korsett zu zwängen, stößt dabei allerdings an die Grenzen seiner Fähigkeiten.

Ein kurzer Moment im Jahr 1879 sollte das Leben des jungen Telegrammboten Florentino (Unax Ugalde) für immer verändern, denn als er die wunderschöne Fermina (Giovanna Mezziogiorno) erblickt hat er die Frau gefunden, die er Zeit seines Lebens lieben wird. Er beginnt ihr Liebesbriefe zu schreiben, doch als er ihr einen Heiratsantrag macht, muss sie auf Anweisung ihres Vaters (John Leguizamo) ablehnen, da dieser auf einen besseren Ehemann für seine Tochter hofft. Schließlich lernt sie den Arzt Dr. Juvenal Urbino (Benjamin Bratt) kennen, und heiratet ihn schließlich. Florentino (ab diesem Moment von Javier Bardem gespielt) arbeitet sich währenddessen zum Direktor der Karibischen Flussgesellschaft hinauf, und wird zum Frauenhelden, der zwar mit unzähligen Frauen ins Bett steigt, aber immer noch in Fermina verliebt ist...

Sobald es die Ankündigung gibt, dass es eine weitere Literaturverfilmung in die Kinos schaffen wird, wird es immer wieder die hartnäckigen Fans der Vorlage geben, die auf die Barrikaden steigen und bereits im Vorfeld die Änderungen an der Vorlage verteufeln und fürchten, dass der Film niemals die selbe Kraft wie das Buch haben wird. Da es auch selbstverständlich unumgänglich ist, dass ein Film Kürzungen vornimmt, da man die epische Länge eines Romans ganz einfach nicht unterbringen kann, wird man es auch nie verhindern können, dass sich so mancher Leser aufregt, dass gerade seine Lieblingspassage gestrichen wurde.

Die Liebe in den Zeiten der Cholera ist nun ein ganz spezieller Fall, der leider eines der Beispiele ist, dass eben nicht jedes Buch standesgemäß verfilmbar ist. Zwar galt auch ein Herr der Ringe lange Zeit als unverfilmbar, doch war dies eher auf die schiere Länge und die Special Effects zurückzuführen, als auf die Geschichte selbst. Die Liebe in den Zeiten der Cholera bietet sich technisch gerade zu für eine Verfilmung an, und auch die Geschichte würde passen, jedoch ist die Aufbereitung in Gabriel García Márquez' Roman ein zutiefst literarisches Erlebnis, und wenn man die poetischen Worte des Autors entfernt, bleibt nicht viel mehr als ein hohles Knochengerüst zurück.

Der Fehler ist, dass man es nicht schaffte das Poetische an der Geschichte unterzubringen, sondern sich darauf beschränkt ein zwar stellenweise berührendes, aber großteils leider sehr oberflächliches Ausstattungskino zu kreieren, das zwar technisch sehr ausgereift ist und vor allem als wahrlich oppulent zu bezeichnen ist, aber das dennoch an der Essenz der Vorlage vorbeischrammt. So fühlt man sich als Zuseher an manchen Stellen etwas verloren und da man deshalb nicht wirklich in den Film hineintauchen kann, fühlt man sich ausgegrenzt, weswegen sich die 139 Minuten doch deutlich zu lange anfühlen.

Der Anfang des Films leidet auch im speziellen daran, dass Unax Ugalde die Rolle nicht halb so gut wie der für die späteren Jahre besetzte Javier Bardem spielt, und anstatt pointiert eingesetztem Humor vor allem der Kitsch dominiert. Der danach folgende Javier Bardem macht seine Sache schon deutlich besser, allerdings kommt er nicht an seine ganz großen Leistungen heran. Doch dies liegt vor allem an der generellen Prämisse des Films, und weniger an seiner speziellen Leistung. Da man nicht in die Geschichte eintauchen kann, bleibt es auch aus, dass man Bardem vollständig in seiner Rolle sieht, sondern es bleibt immer nur eine oberflächliche Darbietung. Zwar kann man ihm seinen Charme nicht absprechen, aber von der Genialität seiner Rolle in No Country for Old Men ist er ein Stück entfernt.

Auch das Make-up, welches die Darsteller älter aussehen lassen soll, erweist sich leider etwas als Bremsklotz, da es nicht besonders echt wirkt, und noch dazu die Darsteller etwas in ihrer Mimik beschränkt. Dennoch wäre es zu viel des Guten, wenn man diese Verfilmung allzu schlecht reden würde, denn zumindest die handwerkliche Ebene funktioniert prächtig, und für das Auge wird genügend geboten. Nur leider lassen sich die Schwächen des Films nicht leugnen und so kommt es, dass Die Liebe in den Zeiten der Cholera zwar ein schöner Film ist, aber leider auch ein oberflächlicher, der sich zeitweise doch merkbar in die Länge zieht.

Fazit:
Die Liebe in den Zeiten der Cholera ist leider eines der Beispiele für Bücher, die man nicht verfilmen sollte. Der Grund dafür sind allerdings nicht die vorgenommenen Kürzungen, die notwendig sind, und in diesem Fall auch nicht stören, sondern dass man es nicht schaffte die Poesie der Vorlage in einen Film zu transformieren. So ist Die Liebe in den Zeiten der Cholera zwar ein schöner, aber leider auch ein sehr oberflächlicher Film, der es nicht schafft den Zuseher zu fesseln. Durch diese große Schwachstelle fühlen sich die 139 Minuten Laufzeit leider auch viel zu lange an.

Wertung:
6/10 Punkte

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