John Rambo

OT: -  91 Minuten -  Action
John Rambo
Kinostart: 15.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu John Rambo

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"You know what you are, what you're made of. War is in your blood. When you're pushed, killing's as easy as breathing."

Die 80er Jahre waren ganz einfach und unbestritten die Hochphase der Actionfilme, und viele Filmfans trauern dieser Zeit immer noch hinterher. Während sich heutzutage Filme des Genres auf ein breites Publikum stürzen,  folgedessen die Gewaltanteile drastisch senken müssen, um auch ein Rating zu erhalten, dass es jugendlichen Zusehern ermöglicht die Filme zu sehen, waren damals blutige Shootouts, heruntergekommene Helden mit zynischen Sprüchen und vor allem höchst fragwürdige Themen an der Tagesordnung. Irgendwann hat sich das harte, kompromisslose Actionkino jedoch im Laufe der Zeit in eine weichgespühlte Effektshow verwandelt.


Während man früher noch auf eine greifbare Art und Weise gedreht hatte, alle Effekte handwerklich erstellte und die Dreharbeiten auch auf physische Weise äusserst fordernd waren, stammen heutige Actionreisser aus dem Studio, sind am Reißbrett konstruiert und von vorne bis hinten mit CGI Effekten zugepflastert (löbliche Ausnahmen gibt es natürlich dennoch). MTV lässt grüßen, denn die jugendliche Zielgruppe scheint es nicht anders zu wollen. Für die alteingesessenen Actionfans waren die letzten Jahre allerdings eine trostlose Zeit, und da sich aus den modernen Actionfilmen auch kaum Ikonen herausbilden konnten, liegt es an den Helden der früheren Zeit noch einmal aufzuzeigen wie es wirklich geht.

Den Anfang machte Sylvester Stallone, der die Figur, die ihn groß gemacht hat würdig zu einem Ende führte. Sein Film Rocky Balboa wurde sowohl von Kritikern, als auch vom Publikum äusserst positiv aufgenommen und zeigte eindrucksvoll wie man aus einer gehörigen Dosis Nostalgie, einer beliebten Figur und viel Herz, mit klassischem Material auch heute noch Erfolg haben kann. Ihm folgte eine weitere große Ikone seiner Zeit, Bruce Willis, der mit seinem Stirb Langsam 4.0 einen etwas anderen Weg ging und versuchte die alten Werte mit neuer Technik zu kombinieren. Herausgekommen ist ein überaus unterhaltsamer Film, der jedoch etwas zu verspielt wirkte. Die Fans kritisierten vor allem, dass man die Stirb Langsam Reihe in ein lasches PG-13 Korsett zwängte, und für alle die hier in vordersten Reihe mitprotestierten dürfte der knüppelharte John Rambo wie Balsam auf der Seele wirken. Denn Sylvester Stallone erschuf hier nicht nur einen Film mit alten Werten, sondern einen der härtesten Actionreissern überhaupt. Im übrigen soll der Film in Deutschland um eine Minute gekürzt in die Kinos kommen, in Österreich allerdings ungeschnitten (91 Minuten) laufen.

John Rambo (Sylvester Stallone) hat sich endgültig aus seinem früheren Leben zurückgezogen, und lebt seit Jahren in Thailand, wo er als Schlangenfänger, Fischer und Bootskapitän sein Geld verdient. Doch mit der Ruhe ist es bald schon vorbei, als Dr. Michael Burnett (Paul Schulze) und Sarah Miller (Julie Benz) und ihre Gruppe christlicher Missionare zu ihm kommen und ihn bitten sie mit seinem Boot ins Krisengebiet Burma zu bringen, wo seit Jahren unvorstellbare Greultaten an der Tagesordnung stehen. Rambo weigert sich zunächst, lässt sich aber schließlich dennoch dazu überreden die Gruppe zu fahren. Knapp zwei Wochen später erhält er die Nachricht, dass sie gefangen genommen wurden und da er sich verantwortlich fühlt schließt er sich einer Söldnergruppe an, die eine Befreiungsaktion plant...

Die Figur des John Rambo stammt aus der Feder von David Morrell, der mit seinem Roman First Blood die Grundlage zu einer der erfolgreichsten Action-Filmreihen der Filmgeschichte legte. Nachdem Sylvester Stallone mit seiner Darstellung im oscarprämierten Rocky zu Ruhm gelangte besetzte man ihn auch für die Rolle des traumatisierten Vietnamveteran Rambo, und gerade diese beiden Rollen am Beginn seiner Karriere, sollte die Rollen werden mit denen er für immer identifiziert werden würde. Kaum ein Schauspieler (vielleicht einmal von Arnold Schwarzenegger als Terminator abgesehen) wird so auf einzelne Figuren reduziert wie Sylvester Stallone auf Rocky Balboa und John Rambo.

Im Roman starb Rambo am Ende, doch im Film war dies freilich anders, denn wie bekannt ist, war der erste Film nur der Auftakt zu einer äusserst lukrativen Franchise. Dabei merkt man natürlich auch eindeutige Unterschiede innerhalb der Filme, denn während der erste Film noch ein ansprechender, durchdachter Anti-Vietnamfilm mit überraschend niedrigem Bodycount ist, sind die beiden Folgewerke actionreiche und anspruchslose Filme mit fragwürdigem Hintergrund, die zwar ausserordentlich viel Spaß machen, mit dem ersten Teil aber nur mehr wenig gemeinsam haben. Kult sind sie allesamt, und der Abschluss der Reihe, John Rambo stellt sich irgendwo zwischen Teil 1 und den Folgefilmen.

Während Rocky Balboa im letzten Jahr ein sanfter, berührender Ausklang mit viel Herz war, ist John Rambo nun ein Finale mit einem gewaltigen Paukenschlag. Es wäre gelogen wenn man sagen würde, dass John Rambo auch nur ansatzweise so berührend wie der wundervolle Rocky Balboa ist, aber bei den Rambofilmen zählen auch ganz andere Werte. Denn der Film ist im Wesentlichen eine einzigartige Präsentation dafür, dass handgemachte Effekte viel besser sind als Computerspielereien, aber noch mehr zeigt er eindruckscoll, dass Filme der alten Schule eine ganz andere Atmsophäre als neumodische Actionfilme aufweisen.

Zwar hat Sylvester Stallone die Figur des Rambo nicht erfunden, aber irgendwie ist es dennoch ganz sein Baby. Schließlich hat er Rambo einem breiten Publikum bekanntgemacht, und die Figur zu einem weltweit bekannten Symbol des Kampfes eines Einzelnen gegen ein scheinbar übermächtiges System aufsteigen lassen. Rambo ist längst nicht nur mehr der Name einer Filmfigur, es ist ein Wort das einen starken und entschlossenen Kämpfer beschreibt, und durch diesen Verdienst Stallones hat er es sich verdient, dass das Ende dieser Figur ganz in seinen Händen liegt. Sylvester Stallone hat gemeinsam mit Art Monterastelli das Drehbuch verfasst, hat Regie geführt und selbstvertändlich auch die Hauptrolle gespielt. Zwar hat es bereits Gerüchte gegeben, dass eventuell noch ein fünfter Rambo Film gemacht wird, aber wenn man dieses stimmige Ende gesehen hat, dann kann man nur hoffen, dass man es dabei belässt. Denn treffender kann man diese legendäre Filmfigur nicht zu Grabe tragen.

Doch trotz vielen starken Momenten haben sich auch einige Schwächen in den Film geschlichen, die nicht so einfach von der Hand zu weisen sind. Denn ansich wäre John Rambo sehr gelungene Action-Unterhaltung der alten Schule, doch Stallone ließ es sich nicht nehmen gleichzeitig auf ein brisantes aktuelles Thema aufmerksam zu machen. Burma steht seit 1962 unter Militärherrschaft, und wie wir erst kürzlich sehen mussten, schreckt die regierende Militärjunta wirklich vor nichts zurück. Der Großteil der Greueltaten können geheimgehalten werden, denn durch brutale Unterdrückung und dem Verbot von internationalen Medien sickert nichts vom dort betriebenen Völkermord durch.

Sylvester Stallone hat es sich nun zum Ziel gesetzt die Welt auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Nachdem der Film längst abgedreht war kam es dann auch tatsächlich zu blutigen Ausschreitungen die sich nicht geheimhalten ließen, und prompt erweist sich die Thematik des Films als realitätsnäher als viele meinen mögen, was spätestens seit den jüngsten Ausschreitungen auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist. Und obwohl es ansich ein bewundernswertes Unterfangen ist sich diesem Thema zuzuwenden, funktioniert es im Kontext eines blutigen Actionfilmes nicht wirklich.

Eröffnet wird John Rambo mit Dokumentaraufnahmen aus dem echten Krisengebiet, und im Folgenden soll sich gerade dieser Bezug zur Realität als Bremsklotz erweisen. Denn John Rambo ist klassisches Actionmaterial mit dünner Story und einigen B-Movie Elementen, und obwohl man sich an der brutalen Action ergötzen könnte, und sich eigentlich der Coolness eines sehr überzeugendem Stallone hingeben möchte, schleichen sich immer wieder Momente ein, in denen man nich weiß wie man reagieren soll. Denn eigentlich erzielt die fast schon absurde Brutalität ihre gewüscht Wirkung (soll heißen wenn sie von Rambo kommt sorgt sie für Befriedigung, wenn sie von den Feinden kommt, schürt sie den Hass), aber durch den Bezug zur Realität erhält alles einen etwas bitteren Nachgeschmack.

John Rambo ist eben nicht Blood Diamond oder Hotel Ruanda, die sich dem Völkermordthema mit dem nötigen Verständnis annahmen sondern ein klassischer Action-Showdown und da haben solche sozialkritischen Themen nur etwas zu suchen wenn man sich auch wirklich mit Gefühl an sie wagt. Doch hier werden die Birmanen allesamt als gesichtslose Monster gezeigt, die ohne Ausnahme wie Tiere wirken. Sie werden buchstäblich in Wagenladungen angeliefert und warten nur darauf von Rambo niedergemetzelt zu werden. Auch hat man sich wahrlich viel Mühe gegeben die Birmanen als Scheusale darzustellen, die Frauen vergewaltigen und Menschen durch Minenfelder jagen. Durch diese Vorgänge will man es dem Zuseher verständlich machen, dass Rambo diese Monster danach wie Tiere abschlachtet und man auch noch ein befriedigendes Gefühl dabei empfindet.

Dies kann man jedoch verzeihen, denn Rambo ist seit je her ein klassischer "Männerfilm", und allzu sensible Leute werde ohnehin keine Lust haben sich den Film anzusehen. Was sich allerdings als wirkliche Schwäche herausstellt, ist die dramaturgische Unausgegorenheit, denn im Prinzip sind alle Figuren im Film mit der Ausnahme von John Rambo völlig uninteressant, aber dennoch zeigt man ihn nicht als Ein Mann Armee, sondern integriert ihn in eine Söldnergruppe und leider hat man diesen Nebenfiguren aus der Gruppe auch etwas Screentime geschenkt, was sich lediglich als Lückenfüller herausstellt bis man wieder Stallone auf der Leinwand erblickt. Die Story selbst bewegt sich nicht maßgeblich über normales B-Movie Niveau hinaus, und es dauert auch einige Zeit, bis man es dem guten Rambo erlaubt die Wildsau herauszulassen. Doch wenn der Kerl einmal in Fahrt ist, dann sind alle Schwächen vergessen, und dies bringt uns gleich zu den positiven Aspekten, die Gott sei dank überwiegen.

Denn John Rambo ist ein Actionfilm wie wir ihn lange nicht mehr gesehen haben. Die Produktionswerte stimmen, die Atmosphäre ist äusserst gelungen und die Effekte sind so dermaßen ansprechend, dass man sich vor Stallone verbeugen möchte. Man kann es John Rambo in jeder Sekunde ansehen, dass der Film im Stile der 80er Jahre gedreht wurde und so hebt er von seiner Stimmung her deutlich über die gängigen Effektgewitter ab. Es bleibt natürlich auch nicht aus die Brutalität zu erwähnen, die spätestens seit dem ersten Trailer in aller Munde ist.

Mancher mag nun berechtigterweise fragen ob denn wirklich etwas dran ist, oder ob alles nur ein Marketinggag war. Dies kann man schnell beantworten: John Rambo ist tatsächlich der härteste Actionfilm seit einer sehr langen Zeit. Da wird schon einmal ein Kehlkopf ausgerissen, Wachen mit einem stationären MG aus nächstern Nähe feinsäuberlich zerfetzt oder einem unliebsamen Gegenspieler mit einem Messer die Gedärme herausgeholt. Natürlich kommt auch der legendäre Bogen zum Einsatz und die Einschüsse werden so genau gezeigt, dass man sich an manchen Stellen ducken möchte, weil man Angst hat, dass die Blutfontäne demnächst aus der Leinwand platscht. Viele schlimmer als das Gemetzel Rambos sind allerdings die Taten seiner Gegenspieler die auch Kinder erschießen oder einen Säugling ins Feuer werfen. Kaum zu glauben, dass man den Mut hatte den Film so schonungslos zu machen. Für zartbesaitete Zuseher ist John Rambo definitiv nicht geeignet!

Auch ist es positiv, dass der Film mit seiner relativ kurzen Laufzeit stets flüssig und knackig bleibt. Natürlich ist es auch wichtig für diesen Film, dass man eine gewisse Bindung zu den alten Rambo Filmen hat, da der Nostalgiebonus, ähnlich wie bei Rocky Balboa ganz einfach zum Film dazu gehört. Nach langen Jahren der Abwesenheit trifft man wieder auf einen alten Bekannten, und dieser hat sich auch merkbar verändert, ist deutlich ruhiger und reifer geworden, hat aber nichts von seinem Killerinstinkt verloren. Genau genommen haben wird es mit dem brutalsten Rambo aller Zeiten zu tun.

Wie gesagt trüben dramturgische Probleme und der politische Ansatz etwas den Spaß, und auch die Action ist vielleicht etwas zu repetitiv, aber im Großen und Ganzen kann man John Rambo als Erfolg bezeichnen. Sylvester Stallone geht aus sich heraus und liefert den Fans der Reihe genau das was sie sehen wollen: Einen bluttriefenden, kompromisslosen Film im Stile der 80er Jahre, mit dem er eindrucksvoll belegt warum Rambo eine Kultfigur ist. Es wird genügend Leute geben die sich über den Film aufregen werden, aber diese entsprechen definitiv nicht dem Zielpublikum: Denn wer schon mit den Vorgängern nichts anfangen konnte, der sollte sich den Film am besten gleich sparen. Für alle anderen ist es jedoch ein sehr schönes Wiedersehen mit einem alten Freund, dem am Ende auch noch der perfekte Ausklang beschert wird.

Fazit:
Zugegeben, John Rambo verfügt über einige Schwächen, wie zum Beispiel eine nicht besonders ausgereift Dramaturgie, das Fehlen eines wirklichen Bösewichts, die Bezüge zur Realität die den Filmgenuss etwas trüben und vor allem die sehr an ein B-Movie erinnernde Story. Aber nichts destotrotz werden alle Freunde der alten Filme hier sehr zufrieden das Kino verlassen. Sylvester Stallone serviert einen knallharten Actionreisser im Stile der 80er Jahre, der mit seiner bodenstädigen Machart so erfrischend ist, dass man ihn als Fan der klassischen Actionfilme einfach lieben muss. Sylvester Stallone legt sich mächtig ins Zeug und zeigt uns Rambo wie wir ihn kennen und lieben. Zartbesaitete und Gegner der alten Filme sollten dem Film allerdings am Besten gleich von vorne herein fernbleiben.

Wertung:
7/10 Punkte

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