Falco: Verdammt, wir leben noch!

OT: -  109 Minuten -  Drama
Falco: Verdammt, wir leben noch!
Kinostart: 07.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Falco: Verdammt, wir leben noch!

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Jeder Österreicher sollte zumindest seinen Namen kennen: Hans Hölzel, besser bekannt als Falco, ist ein heimisches Idol und spätestens seit seinem frühen Tod ist der Ausnahmemusiker eine Legende. Mit Rock Me Amadeus landete der "erste weiße Rapper" seinen ganz persönlichen Welterfolg, der es sogar, als bis jetzt einziger deutschsprachiger Song, auf den ersten Platz der US Billboard Charts schaffte. Eine Verfilmung seines Lebens bietet sich insofern gerade sehr gut an, sind doch Musikerbiographien gerade ganz groß in Mode, wie die filmischen Portraits von Johnny Cash (Walk the Line), Ray Charles (Ray), Edith Piaf (La Vie En Rose), Bob Dylan (I'm not There) und Ian Curtis (Control) eindrucksvoll beweisen.

Die Lebensgeschichte des talentierten Musikers Hans Hölzel (Manuel Rubey) führt ihn zunächst zu den Wiener Szenebands "Hallucination Company" und "Drahdiwaberl", von denen sich das ehrgeizige Alphatier allerdings bald schon trennte, da er sich nicht mit dem Hintergrund begnügen wollte, sondern selbst ans Mikrophon drängte. So kam es schließlich, dass er sich den Künstlernamen Falco zulegte, und eine Solokarriere begann, die ihn bald schon weltberühmt machen sollte. Doch die verschiedenen Hochs und Tiefs in seiner Karriere, und seine Neigung zu Alkohol- und Drogenexzessen, sowie ein schwieriges Verhältnis zum weiblichen Geschlecht, beutelten sein Leben, welches leider am 06. Februar 1998 viel zu früh zu Ende ging...

Falco: Verdammt wir leben noch!, der Film kommt genau richtig für das österreichische Kino. Zwar können unsere heimischen Filmemacher wie Ulrich Seidl und Michael Haneke mit ihren radikalen und brutalen Gegenwartsdramen auf Filmfestivals und bei Cineasten für Begeisterung sorgen, aber auf der hochwertigen Mainstreamebene sieht es leider schlecht aus für unsere Filme. Und genau dies ist die Sparte in die der neue Film von Thomas Roth (Kaliber Deluxe) drängt: Er ist gut gemacht, seriös aber dennoch nicht gerade anspruchsvoll und behandelt ein Thema, das die breite Masse interessiert. Warum geht es eigentlich nicht immer so?

Doch man soll das Wort Mainstreamfilm im obrigen Absatz hier keinenfalls als negativ verstehen, denn es sind gerade diese Filme, die uns unter den heimischen Produktionen gefehlt haben. Von allen Ecken und Enden hört man nur das Gejammere, dass das Publikum die heimische Filmindustrie nicht genug unterstützt, aber wenn man sich um Themen kümmert, die eine ganze Nation interessieren, dann kommt der Erfolg auch von ganz alleine (dies richtet sich wohlgemerkt nur an die Mainstreamsparte des heimischen Kinos). Die Falco Biographie ist nun zweifellos eines dieser Themen und man kann davon ausgehen, dass das Einspielergebnis dem Film Recht geben wird.

Stilistisch hat man sich sehr an den beiden erfolgreichsten ähnlichen Vertretern aus Hollywood orientiert: Ray und Walk the Line. Zunächst sieht man einen kurzen Ausblick auf das Ende von Falco, bevor man zeitlich zurückspringt und Licht in seine Kindheit bringt. Danach werden die ersten Schritte relativ schnell abgehandelt und man kommt recht zügig zu Falcos Solokarriere, wo man sich intensiv dem Thema Alkohol und Drogen zuwendet, und insbesondere auch die vielen Streitgespräche mit Ehefrau Jaqueline in den Mittelpunkt rückt.

Zwar fühlt sich Falco: Verdammt, wir leben noch! dabei nie rauh an, sondern bleibt immer schön glatt und leicht konsumierbar, doch das soll dem Film hier auch gar nicht vorgehalten werden. Was leider dennoch etwas negativ in Erinnerung bleibt ist der etwas ruckhafte Ablauf von Falcos Lebensgeschichte. Thomas Roth hat sich wirklich viel Mühe gegeben einen runden Filmgenuss zu ermöglichen, aber es ist eben bei Künstlerbiographien stets das Problem, dass ein relativ komplexes Leben in relativ kurzer Zeit abgespult werden muss. Denn man muss sowohl die Fans mit detailreichen Informationen erfreuen, als auch dem nichts ahnenden Kinogänger einen verständlichen Einblick gewähren.

Walk the Line hat diesen Umstand insfoern gut gelöst, hat man doch nicht das komplette Leben von Johnny Cash verfilmt, sondern nur einen Teil daraus. Aber in Falco: Verdammt, wir leben noch! wird keine solche Begrenzung durchgeführt, was auf der einen Seite schön ist, da man einen umfassenderen Einblick in das Leben von Falco bekommt, aber auf der anderen Seite auch dazu führt, dass gewisse Stellen oberflächlich und hektisch abgespult werden. Thomas Roth konnte sich scheinbar nicht dazu überwinden gewisse Teile wegzulassen, und so hat es auch das legendäre Donauinselfest Konzert von Falco in den Film geschafft, bei dem er trotz strömenden Regen auftrat, aber man geht leider nicht näher auf dieses besondere Konzert ein, sondern reisst es wie alle anderen nur kurz an.

Wirklich gut gelungen sind allerdings die zahlreichen Interpretationen von den berühmten Falco Songs, angefangen bei Der Kommisar, über Rock Me Amadeus zu Jeanny. Denn diese werden im Film äusserst geschickt eingebaut, da man die Performance der Songs entweder als pulsierende Live-Auftritte inszeniert, oder die Videos von Falco in Teilen nachstellt. Diese Gesangsauftritte, die übrigens alle von Falco Darsteller und Mondscheiner Sänger Manuel Rubey nachgesungen werden, dürfen sich mit Abstand zu den besten Szenen des Films zählen, und ins Besondere das berühmte Falco Video zum Skandalhit Jeanny ist ein wahres Highlight. Wenn am Ende vom Video ein verrückt gewordener Manuel Rubey in seiner Gummizelle sitzt, und heruntergekommen den Namen von Jeanny brüllt, dann könnte man tatsächlich meinen, dass man den echten Falco vorsich hätte.

Überhaupt darf sich Manuel Rubey für seine Leistung hier selbst auf die Schulter klopfen, denn er verkörpert Falco so gut, wie man es nur machen kann. Er hat sich unglaublich viel Mühe gegeben den eigenwilligen Sprachduktus des sehr speziellen Stars zu kopieren, und hat es auch geschafft seine aussergewöhnliche Bewegungen für sich anzunehmen und so entsteht, unterstützt durch die bereits vorhandene Ähnlichkeit mit Falco, eine wirklich gelungene Immitation des Musikers. Doch das Problem ist eben, dass es trotzdem nur eine Immitation ist, und ganz einfach die fesselnde Ausstrahlung von Falco und sein diabolischer Blick fehlt. Obwohl zum Beispiel ein Joaquin Phoenix weit weniger Johnny Cash ähnelt, als Manuel Rubey Falco ähnlich sieht, war seine Leistung insgesamt gesehen gerade deshalb besser, weil er es besser verstand die Anziehung seines Alter Ego auf die Leinwand zu transformieren.

Manuel Rubey bewegt sich wie Falco, er sprich wie Falco und er sieht auch aus wie Falco, aber dennoch nimmt man ihm die Rolle stellenweise nicht ab. Dies hat jedoch nichts mit seiner Leistung zu tun, die wirklich bemerkenswert ist, aber an einigen Stellen fehlt es einfach, dass er das Publikum genauso wie der echte Falco fesselt. In den ähnlich veranlagten Hollywoodproduktionen hat dieser Aspekt besser funktioniert, doch man sollte nicht das große ABER vergessen, das hier nocht folgt. Denn Falco: Verdammt wir leben noch! ist kein Hollywoodfilm, sondern stammt aus Österreich, und so wie der Film aussieht könnte man tatsächlich meinen er stamme aus der Traumfabrik. Also kann man getrost darüber hinwegsehen, dass alles an manchen Stellen etwas aufgesetzt und gespielt wirkt, denn der Film überzeugt in seiner Gesamtheit auf jedenfall, und man sollte sich diesen gelungenen Vertreter der heimischen Filmindustrie auf keinenfall entgehen lassen.

Fazit:
Falco: Verdammt, wir leben noch! ist ein wirklich bemerkenswertes Lebenszeichen des heimischen Mainstreamkinos und jeder Österreicher sollten sich diesen Film ansehen. Natürlich gibt es Schwächen, wie den Umstand, dass man Falco im Film zwar perfekt kopieren kann, aber seine fesselnde Ausstrahlung dennoch nicht erreicht, und auch an anderen Stellen wirkt das Gezeigte vielleicht etwas aufgesetzt, aber dies ist keinenfalls ein Grund den Film auszulassen. Denn hier zeigt die heimische Filmindustrie was in ihr steckt, mit einer fromal überzeugenden Biographie, die so auch aus Hollywood stammen könnte. Falco wäre stolz auf diesen Film!

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 8
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