Cloverfield

OT: -  85 Minuten -  Action
Cloverfield
Kinostart: 01.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Cloverfield

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Der Sensationserfolg Blair Witch Project machte es vor, was man mit Hilfe eines kreativen Marketingkonzepts alles erreichen kann. Damals drehten zwei Filmstudenten und drei Schauspieler eine fiktive Dokumentation, welche die Suche nach der geheimnisvollen Hexe von Blair zum Inhalt hatte. Der Clou dabei war allerdings, dass selbstverständlich alles inszeniert war und auch der Mythos um die Hexe erfunden war, aber man im Internet verbreitete, dass das alles echt ist, und das Filmmaterial gefunden wurde, und in Wirklichkeit die echten Aufnahmen von drei verschwundenen Filmstudenten im Kino zu sehen sind.

Der Rest ist Geschichte: Selbst am Starttermin glaubten viele, dass das Gezeigte echt ist, und dank diesem gigantischen Hype, konnte man aus den Produktionskosten von gerade einmal 60.000 Dollar ein sattes Einspielergebnis von 250 Millionen Dollar generieren: Das sogenannte virale Marketing war erfunden! Der hier besprochene Cloverfield verwendet die selbe Marketingstrategie. Doch anstatt zu behaupten, dass alles wirklich passiert ist (was bei diesem Film etwas schwer fallen würde), hat man einfach auf mysteriös geschaltet, und die Internetnerds mit einer ausgeklügelten, kryptischen Marketingkampagne bei Laune gehalten. Auch der Trailer brachte nicht viel Licht in die Angelegenheit, und machte nur deutlich, dass irgendetwas New York attackiert, aber was ließ sich noch nicht sagen. Mittlerweile ist natürlich bekannt, dass es sich um einen Monsterfilm handelt, aber das Verschleierungskonzept wurde bis zum Ende durchgezogen. Schade ist nur, dass man nach dem Film auch nicht viel klüger als zuvor ist.

Rob (Michael Stahl-David) will seine Heimat New York verlassen, um in Richtung Japan auszuwandern und dort einen gut bezahlten Job zu übernehmen. Sein Bruder Jason (Mike Vogel) hat eine Abschiedsparty organisiert, bei der sich noch einmal alle Freunde von Rob von ihm verabschieden wollen. Robs Freund Hud (T.J. Miller) hält alles auf Video fest, damit Rob in seiner neue Heimat ein Erinnerungsstück hat, doch die Party droht zu kippen, als sich Rob mit seiner besten Freundin Beth (Odette Yustman) streitet, da beide mehr füreinander empfinden, aber Rob es nicht zugeben will nachdem sie einen One Night Stand hatten, und er keine Zukunft für sie sieht, da er ja auswandern wird.

So kommt es, dass Beth die Party verfrüht verlässt, und die Stimmung leicht getrübt ist, doch es bleibt nicht viel Zeit für schlechte Laune, da bald schon ein riesiger Knall New York erschüttern soll. Als die Partygäste auf das Dach des Hauses laufen, um zu sehen was los ist, sehen sie eine gigantische Explosion in der Ferne. Häuserreihen explodieren, der Freiheitsstatue wird der Kopf abgerissen, und bevor man verarbeitet hat was gerade geschehen ist, sieht man ein gigantisches Monster durch die Straßen stampfen. Das Militär eilt hinterher, und als Rob einen Anruf erhält, dass Beth in ihrer Wohnung ist und nicht fliehen kann, macht er sich auf den Weg um sie zu retten. Mit dabei sind seine Freunde Lily (Jessica Lucas) und Malena (Lizzy Caplan), und natürlich Hud, der alles mit seiner Kamera dokumentiert...

Die Idee zu Cloverfield kam TV-Mastermind J.J. Abrams während einer Japanreise, als er gemeinsam mit seinem Sohn in einem Spielzeugladen die Godzilla Figuren sah und sich überlegte, dass man doch auch ein typisch amerikanisches Monster erschaffen könnte das eine Stadt verwüstet. Abrams hatte ja bereits mit seinem TV-Meilenstein Lost bewiesen, dass er sehr viel von einer viralen Internetkampagne hält. Diese Art der Kampagne profitiert dadurch, dass man den Zuseher mittels Internetseiten aus der filmischen Welt auf eine Fährte lockt, sodass dieser, angespornt durch Rätsel und anderen Dingen, immer weitersucht und auch seine Freunde davon informiert. So kann man einen gigantischen Hype erzeugen, da diese Art des neugierig machens und der Mund zu Mund Propaganda nur schwer käuflich ist.

Für viele Fans der TV-Serie Lost macht es genauso viel Spaß im Internet über die Hintergründe der Serie zu rätseln und sich mit anderen auszutauschen, wie die Folgen anzusehen. Cloverfield versucht nun ähnliches, denn der Film selbst verrät eigentlich gar nichts über irgendwelche Hintergründe, oder die Herkunft des Monsters, er liefert lediglich einige Hinweise, versteckt im Film, die man deuten kann. So soll man angeblich in der letzten Einstellung des Films, einer Rückblende, sehen wie ein schwarzes Objekt ins Meer stürtzt (ich persönlich konnte nichts entdecken obwohl ich speziell darauf geachtet habe). Parallel dazu gibt es im Internet eine Seite, die von einem abgestürtzten Satelliten berichtet, der ein Mittel beinhaltet, welches Fische schneller zum Wachsen bringt, und so als mögliche Erklärung für das Monster herhalten könnte. Andere sagen es handelt sich um ein Monsterei, was ebenfalls erklären würde woher das Monster kommt, und ausserdem eine Paralelle zu den Werken von H. P. Lovecraft schaffen würde (angeblich ist Cloverfield an diese angelehnt).

Wieder andere mögen sagen, dass dies alles nur Hirngespinste sind, und man nicht mehr in den Film interpretieren sollte, als tatsächlich da ist. Ich persönlich halten den Internet Hype, und den offenen Interpretationsraum für die größten Stärken von Cloverfield, denn ehrlich gesagt macht das herumrätseln weit aus mehr Spaß als der tatsächliche Film. Wenn man ehrlich ist, dann war das Projekt von vorne herein zum Scheitern verurteilt, denn den Erwartungshaltungen kann man beinahe unmöglich entsprechen. Nichtsdestotrotz ist Cloverfield dennoch einen Blick wert.

Der Film beginnt mit einer Rückblende, die uns noch öfters während des Films heimsuchen soll. Denn die Kassette, auf der das gesamte Material des Films aufgenommen wurde, überspielt die ältere Aufnahme eines Videos von Beth und Rob, die einen schönen gemeinsamen Tag nach ihrem One Night Stand erleben. Wirklich bemerkenswert ist es allerdings, wie man hier der Idee des Amateurvideos treu geblieben ist, denn der ganze Film ist, genau wie beim Blair Witch Project nur das Material, das die Protagonisten gefilmt haben, und das anscheinend später wieder gefunden wurde.

Die ersten 20 Minten des Films sind hierbei die Einführung der Charaktere und spielen großteils auf der Überraschungsparty für Rob. Danach beginnt der große Showdown, bei dem durch die subjektive Kamera der Eindruck entsteht, dass man stets mittendrin ist. Sympathisch ist hierbei besonders, dass man diese Ansicht nicht aufbricht, sondern stets den Anspruch der Fake-Doku beibehält. Weniger sympathisch ist, dass jeder, der sich schon über die Wackelkamera von Das Bourne Ultimatum beschwerte, wohl hier einen Nervenkollaps erleiden wird, denn Kopfschmerzen und Übelkeit sind für sensible Gemüter vorprogrammiert.

Auch kann das Monster die Erwartungen des Publikums wohl kaum erfüllen. Denn abgesehen davon, dass man kaum einen guten Blick auf das Ungetüm bekommt, hebt sich das Design auch nicht maßgeblich von den bekannten Monstern ab, und man kann wohl kaum davon ausgehen, dass es ähnlich berühmt wie Godzilla wird. Abgesehen vom großen Monster, das New York in Schutt und Asche legt gibt es auch noch eine Vielzahl an kleineren, spinnenähnlichen Wesen, die als Parasiten des Monsters dienen, und es speziell den Menschen am Boden schwer machen. Insgesamt gesehen ist das Monsterdesign ganz in Ordnung, aber die Paralellen zu den Monstern in Stephen Kings Der Nebel haben schon einen etwas bitteren Nachgeschmack.

Als wahrer Stimmungskiller erweisen sich allerdings die äusserst platten Charaktere. Natürlich liegt das Hauptaugenmerk auf dem Monster, und dem Gefühl, dass man gerade mitten im Geschehen ist, aber für die Figuren interessiert man sich leider gar nicht. Dies hat jedoch fatale Auswirkungen, da der Film großteils an den Fersen dieser Figuren klebt, und die Zerstörung der Stadt nur peripher in Erscheinung tritt. Im Zentrum dieser Zerstörungsorgie steht die Rettung von Beth, und da man sich eben nicht um ihr Schicksal kümmert, will man viel lieber mehr vom Monster sehen, doch das wird einem verwehrt.

Cloverfield ist natürlich dennoch kein Reinfall, denn dazu ist die Guerilla Technik des Films zu imponierend, und es ist einfach viel zu interessant sich seine Gedanken um das Geschehen zu machen. Auch ist es schön einmal einen etwas anderen Actionfilm zu sehen, und von diesen Aspekten aus gesehen funktioniert das Konzept des Films. Doch leider bewirkt es auch einige langweilige Szenen, in denen die Figuren einfach nur durch die Gegend laufen und mit ihren ganz persönlichen Problemen beschäftigt sind, was insofern zum Problem wird, da man sich in keiner Sekunde für die farblosen Charaktere interessiert. Doch einen Blick sollte man dennoch riskieren, wenngleich es vielen nicht gefallen wird, dass es keine Auflösung gibt und auch die wahren Hintergründe des Monsters im Unklaren bleiben, weswegen der wahre Star von Cloverfield das Rätselraten bleibt.

Fazit:
Cloverfield überzeugt durch ein äusserst interessantes Konzept, welches bewirkt, dass man sich mitten ins Geschehen versetzt fühlt und vom Monsterangriff genauso wie die Figuren überrollt wird. Auch ist es interessant, dass man keine großflächigen Hintergrundinfos bekommt, sondern sich alles selbst zusammenreimen muss. Doch das Konzept hat auch Schattenseiten, denn für die farblosen Figuren interessiert man sich überhaupt nicht, und da man sie in das Zentrum des Films rückt, ergeben sich einige Durchhänger. Dem Hype wird der Film auf keinenfall gerecht, aber ein solider Monsterfilm ist dennoch dabei herausgekommen, wenngleich das interessanteste am Film noch immer ist, dass man sich selbst seine Gedanken um die Hintergründe machen muss. Wahrscheinlich sind die Diskussionen die man mit anderen im Internet führen kann, und die Interpretationen die man selbst anstellen kann interessanter als der Film selbst.

Wertung:
6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.6/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 38
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