Die Welle

OT: -  100 Minuten -  Drama
Die Welle
Kinostart: 14.03.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Welle

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Die Welle ist der Name des, hier zu Lande wohl jedem bekannten Schul- und Jugendbuches von Morton Rhues, das auf Grund seiner Thematik noch immer in unseren Schulen zu Unterrichtszwecken eingesetzt wird. In diesem Zusammenhang kennen wahrscheinlich auch viele den 44 Minuten langen, gleichnamigen Film aus den 80er Jahren, der wohl noch immer zum Pflichtprogramm in den österreichischen Schulen gehört. Nun im Jahr 2008 nimmt man sich der Thematik erneut an, und will den etwas angestaubten Film durch eine moderne deutsche Version ersetzen. Zwar trüben einige Schwächen den Genuss, aber im Großen und Ganzen ist die Modernisierung gelungen und wird die heutige Jugend wohl besser an das wichtige Thema heranführen, als es die alte TV-Fassung kann.

Während der Projektwoche an einem deutschen Gymnasium startet der bei den Schülern beliebte, aber von den Kollegen verschmähte Lehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) ein folgenschweres Experiment: Unter dem Schwerpunkt Staatsformen bekommt jeder Lehrer ein Thema zugewiesen, das er mit seinen Schülern bespricht und als Rainer hört wie seine Schüler behaupten, dass es heutzutage nicht mehr möglich wäre eine Diktatur aufzuziehen, weil die Bevölkerung zu informiert ist, beginnt er sie langsam zu manipulieren. Nach und nach setzt er Schritte, wie eine disziplinäre Behandlung, Schuluniformen und einen Schwerpunkt auf den Gemeinschaftssinn, was dazu führt, dass Schüler die nicht mitziehen ausgegrenzt werden und das Projekt langsam aus dem Ruder läuft...

Zwar basiert Die Welle, wie bereits erwähnt, auf dem gleichnamigen Roman, doch eben dieser ist nicht reine Fiktion, sondern stützt sich auf die wahren Begebenheiten, die sich im Jahr 1967 an der Cubberley High School im kalifornischen Palo Alto zugetragen hatten. Damals konnte der Geschichtslehrer Ron Jones eine Frage seines Schülers nicht beantworten: „Wie konnten die Deutschen behaupten, nichts von der Judenvernichtung gewusst zu haben? Wie konnten Dorfbewohner, Bahnangestellte, Lehrer, Ärzte behaupten, sie hätten nichts von dem Grauen in den Konzentrationslagern gewusst? Wie konnten die Nachbarn, sogar die Freunde jüdischer Bürger sagen, sie hätten nichts davon mitgekriegt?".

Also beschloss der Lehrer ein Experiment mit seinen Schülern durchzuführen, das sie mit Hilfe von Disziplin und anderen Maßnahmen zu einer starken Gemeinschaft formen sollte, um ihnen so aus nächster Nähe zu zeigen wie leicht man doch in die Falle einer faschistischen Obrigkeit treten kann. Das Experiment war ursprünglich nur für einen Tag angsetzt, aber durch die Begeisterung der Schüler griff es auf die ganze Schule über und breitete sich wie ein Virus aus. Die Folgen waren, dass man alle die sich nicht zur neuen Gemeinschaft bekannten, oder anderer Meinung waren ausgrenzte und manche Schüler sogar zusammengeschlagen wurden. Nach fünf Tagen musste Ron Jones sein Experiment abbrechen. Ähnliche Experimente wie das Milgram-Experiment oder das Stanford-Prison Experiment gingen in die selbe Richtung, und kamen auch zum selben Ergebnis.

Es ist hier in keiner Sekunde zu bezweifeln, dass wenn man ein ähnliches Experiment erneut durchführen würde, in einer Form, dass die Schüler nicht wissen, dass es sich um ein Experiment handelt, würde sich das Ergebnis nicht maßgeblich von den damaligen Aufschlüssen entfernen. Und so lange dies der Fall ist, solange der Mensch also so dermaßen manipulierbar ist, ist es auch auf jedenfall legitim, dass Filme wie Die Welle gemacht werden, die diese Missstände anprangern. Zwar gibt es bereits eine Verfilmung, aber in Anbetracht der Veränderung in der Gesellschaft, ist es durchaus als positiv zu sehen, dass sich die neue Verfilmung mehr an eine modernere Jugend wendet, auch wenn der hippe Touch für die erwachsenen Zuseher stellenweise mühsam ist.

So erinnert das deutsche Gymnasium in seiner Leinwandform auffällig an die typischen amerikanischen High Schools, die man aus diversen Filmen kennt, was für das junge Publikum wohl eine schnelle Identifikation ermöglichen soll. Auch die Musik und das Figurendesign spricht vor allem Jugendliche an, da dieses klischeehafte Ghetto-Gehabe wohl niemand anderem vom Hocker reissen kann. Hinzu kommen wirklich sehr stereotype Figuren, an denen sich die Auswirkungen des Experiments natürlich herrlich darstellen lassen, doch trotz diesen offensichtlichen Schwächen kann man den Film dennoch weiterempfehlen.

Denn all diese Modernisierungen sind, obwohl sie nicht jedem gefallen werden, insofern sinnvoll, werden sie wohl die Zielgruppe voll und ganz ansprechen und abgesehen davon, verliert die wichtige Botschaft des Films auch durch diese Änderungen nichts von ihrer Kraft. Die Welle ist immer noch ein beängstigender Film, der eindrucksvoll zeigt was doch wirklich in allen von uns steckt und der dem Zuseher sehr schön vor Augen führt, wie schnell und einfach man Menschen manipulieren kann. Zwar wirkt es relativ hektisch, wie schnell sich die Schüler dem Experiment fügen, aber wie die Realität belegt hat, ist dies keinenfalls weltfremd.

Die zeitgemäßen Anpassungen des Films beschränken sich jedoch nicht nur auf Figuren und Musik, sondern breiten sich auch auf die gesamte filmische Umsetzung aus. Die Kamera wird relativ dynamisch eingesetzt und auch ansonsten hat man darauf geachtet, dass man alles mit einem relativ hippen Stil auf die Leinwand bringt. Wie gesagt, werden diese ganzen modernen Spielerein (zum Beispiel ist der Graffiti Ausflug im Stile eines Whole Train reichlich deplatziert und auf Grund seiner Folgenlosigkeit auch etwas unglaubwürdig) manchen wohl nicht gefallen, aber Die Welle ist eben vordergründig ein Film der Jugendliche aufklären soll, jedoch sollten sich Erwachsene durch dies nicht abschrecken lassen, denn die Botschaft des Films ist mit Sicherheit generationenübergreifend. Auch erweist sich die großartige Performance von Jürgen Vogel als starker Pluspunkt, und tröstet über so manche Schwäche hinweg.

Fazit:
Die Welle kennen viele mit Sicherheit noch aus dem Schulunterricht und die wichtige Botschaft des Films ist auch heutzutage noch nicht überholt. Nun macht diese moderne Fassung insofern Sinn, ist doch die erste Verfilmung, die damals für das amerikanische Fernsehen gedreht wurden, schon etwas angestaubt und diese moderne Fassung gibt sich wirklich Mühe den heutigen Jugendlichen einen leichten Einstieg zu gewähren. Eben diese "hippe" Herangehensweise wird zwar viele Erwachsene etwas stören, ist sie doch stellenweise auch tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig, wird aber der Zielgruppe gefallen und die starke Botschaft ist natürlich immer noch allgegenwärtig. Als letzter Pluspunkt bleibt noch der großartige Jürgen Vogel zu erwähnen, der sich hier von seiner besten Seite zeigt.

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 64
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Liste von karina2701
Erstellt: 21.12.2014