Shakespeare in Love

OT: -  124 Minuten -  Romantik
Shakespeare in Love
Kinostart: 04.03.1999
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Shakespeare in Love

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Warum nicht immer so im Reiche der Romantik, wo unglücklich Liebende vor sich hin schmachten, um weibliche Wesen duelliert wird und fleißig Verse vorgetragen werden? „Shakespeare in Love“ nimmt sich des altmodischen Stoffes so erfrischend spaßig und leichtfüßig an, dass die 7 Oscars, bei 13 Nominierungen, durchaus gerecht erscheinen. John Maddens Werk grenzt, auch dank des feinen, liebevoll von Marc Norman und Tom Sheppard geschriebenen und recherchierten Scripts, an Genialität in diesem Genre. Shakespeare ist hier für jedermann und nicht nur für verquaste Theaterliebhaber oder DiCaprio-Jünger („Romeo und Julia“).

Die Prämisse ist denkbar einfach wie ausgefuchst: Der junge Shakespeare (Joseph Fienes), noch nicht im Theatergeschäft etabliert, hat eine Schreibblockade, weiß nicht wie er sein unfertiges Stück „Romeo und Ethel, die Piratentochter“ zu Ende bringen soll, die Musen bringen auch keine Inspiration, sein Rivale heimst überall nur Lob ein und zu allem Überfluss sitzen ihm die Theaterbesitzer (u.a. Geoffrey Rush, herrlich abgedreht mit Schuldentreibern am Allerwertesten) im Nacken. Ohne, dass das Werk fertig ist, werden die Schauspieler gecastet, was aus heutiger Sicht schon für brutale Lacher sorgt, wurden Frauen damals noch von Männern gespielt, war für das Weib die Bretter, die die Welt bedeuten, noch ein gesellschaftliches Tabu.

Das alles soll sich ändern, als Viola de Lesseps (Gwyneth Paltrow), ein attraktives Mädchen aus gutem Hause, mit Drang zum unterhaltenden Schauspiel, nach einem weiteren Besuch des Theaters auf die Idee kommt, selbst, als Mann verkleidet (!!!), zur nächsten Probe zu marschieren, um Shakespeare nicht nur weg zu fegen, sondern in Folge auch seine Blockade zu lösen. Bis dahin ist es jedoch ein steiniger Weg, denn nicht nur, dass die wagemutige Viola, sich in Shakespeare verliebend, ihre wahre Identität (inklusive Geschlecht) zunächst verbirgt, sie ist auch noch Lord Wessex versprochen, der einen heißen Draht zur Königin Elizabeth (Judy Dench, dafür Oscar-gekrönt, herrlich sarkastisch) inne hat.

In Folge wird nun täglich und ausführlich geprobt, während die Handlung nun stets den Verlauf der geheimen Affäre zwischen Shakespeare und Viola nimmt. Kongenial hierbei eine Passage in der Filmmitte, als Szenen zwischen nächtlicher Bettinspiration und darauf folgenden Proben hin- und her geschnitten wird, die Dialoge aber gleich bleiben, was bei unvorhersehbaren Vorkommnissen schon mal für Aussetzer (Ich komme gleich wieder…) und beim Zuschauer für Zwerchfellextasse sorgen kann.

Für Anspielungen auf andere Shakespearewerke ist genauso gesorgt, wie für derbe Seitenhiebe auf das Theatergeschäft hinter den Kulissen. Shakespeare, der von seinen Kontrahenten regelmäßig auf sein neustes Stück angesprochen wird, reimt sich ständig, unter Druck stehend etwas zusammen, vom kleinen obdachlosen Junger, bis zum Ruderer halten sich alle für theaterreif und großartige Dichter. Der eitle Nebenbuhler um Violas Hand, kriegt Shakespeares eigene Schauspielkunst selbst zu spüren, worauf Queen Elizabeth ihm (dem Lord) dazu noch höchstpersönlich eins vor den Latz knallt. Garniert mit würzigen und pointenreichen Dialogen, die übrigens den Drahtseilakt zwischen geschichtlich angehaucht und modern verständlich, auch in unserer deutschen Synchronisation meistern, sorgt das Geschehen für einen Heidenspaß.

Aber nicht nur das Drehbuch sorgt für Faszination, auch das Ambiente schreit vor Phantasie und Romantik. Herrlich, pompöse Kostüme, in größtmöglichster Farbvielfalt, Sets, die, wie sie im Theater erwartet werden, etwas schlicht, aber nie schmutzig wirken und mittendrin zwei Schauspieler in den Rollen ihres Leben. Joseph Fiennes ist herrlich spitzbübisch, schwer verliebt; ein Schlitzohr, das sich aus jeder misslichen Lage redet, um dann wieder mit Dreistigkeit zu überraschen. Gwyneth Paltrow, sonst eher spröde und kalt, gibt sich hier, einmal mehr zauberhaft, lebenslustig, voller Frohsinn und, sich aus ihren vorgegeben Gesellschaftskorsett zwängend, mit unbezwingbarer Frechheit. Da stimmt die Chemie, da wird sich verstanden, geliebt wird oben drauf und spätestens wenn Fiennes zu seiner Partnerin empor klettert, um dann in die Sirene, genannt Kammerzofe blickt, wird hier auch der letzte Kritiker seine Beschwerdeliste verbrennen dürfen.

Zwar wird’s final dann radikal, wenn der böse Intrigant wird ausgespannt (jetzt fang’ ich auch schon an zu dichten) und der Kontrahent das Zeitliche segnet, sowie das unglückliche Paar dank unvorhersehbarer Zufälle sich selbst, vor Augen der Königin auf der Bühne spielen darf, aber über diese plötzliche Aufnahme vom Tempo mag man sich, angesichts der vorherigen Eleganz gar nicht mehr aufregen.

Fazit:
Zeitlose Verfilmung, die sich mit der Entstehung Shakespeares wohl berühmtestes Werk „Romeo & Julia“ auf seine ganz eigene Weise beschäftigt und fröhlich frech damalige Vorkommnisse interpretiert. Exzellent besetzt, toll gespielt, makellos wie einfallsreich inszeniert und vom Drehbuch mit ironischen, wie pointenreichen Dialogen versehen, ist „Shakespeare in Love“ eine romantische Komödie an der sich selbst Romantikmuffel ergötzen dürfen. Ansehen, lachen, zufrieden sein!

Wertung:
9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 6
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