Der Nebel

OT: -  125 Minuten -  Horror
Der Nebel
Kinostart: 22.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Nebel

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Frank Darabont gilt als wohl bester Regisseur, wenn es darum geht die Geschichten von Horrormeister Stephen King in Filmform zu bringen. Mit seinen beiden großartigen Werken Die Verurteilten und The Green Mile, die nach wie vor zu den besten Vertretern der King-Verfilmungen zählen, hat er dies eindrucksvoll bewiesen, allerdings muss man auch dazu sagen, dass diese Filme eher konventionelle Dramen sind, als klassische Horrorgeschichten. King Fans mussten ein ums andere Mal miterleben, wie ihre geliebten Schreckensvisionen in zahmen Adaptionen verpuffen, und so wagte sich Darabont zum ersten Mal an eine Horrorgeschichte von King. Das Ergebnis ist eine wahre Berg- und Talfahrt, doch nicht nur der Gefühle, sondern vor allem der Qualität.

Nach einer stürmischen Nacht, sieht sich Familienvater und Künstler David Drayton (Thomas Jane) mit einem sehr demolierten Haus, und einem völlig zerstörtem Bootshaus konfrontiert. Gemeinsam mit seinem Nachbarn und Sohn Billy (Nathan Gamble) will er zunächst in den örtlichen Supermarkt um Lebensmittel einzukaufen, und schenkt dabei dem von den Bergen herabziehenden Nebel keine Beachtung. Doch als die Gruppe den Supermarkt erreicht geht alles Schlag auf Schlag: Ein blutender Mann läuft herein und behauptet, dass etwas schreckliches im Nebel ist, das seinen Freund mitgenommen hat. Die religöse Fanatikerin Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden) sieht darin die nahende Apkalypse, und obwohl den Schauergeschichten zunächst keiner Glauben schenken will, sehen sich die Einheimischen bald schon dem unvorstellbaren Grauen konfrontiert...

Frank Darabont setzt sich bereits seit dem Beginn seiner Karriere mit den Arbeiten von Stephen King auseinander. So war es nur folgerichtig, dass bereits sein erster Kurzfilm die Adaption einer der Geschichten von King war. Dieser ging aus einem speziellen Deal hervor, mit dem Stephen King es jungen Filmemachern ermöglichte seine Kurzgeschichten zum symbolischen Preis von einem Dollar zu verfilmen. So kam es, dass Frank Darabont die Geschichte The Woman in the Room drehte, und damit eine lange Zusammenarbeit begann, die nun mit Der Nebel bereits in ihre vierte Runde geht.

Die Kurzgeschichte von King, die bei uns im Sammelband Im Morgengrauen erschienen ist, lohnt es auch wahrlich, dass man einen Blick auf sie wirft. Denn es gibt hier zwei Bedrohungsebenen die, wenn sie richtig herausgearbeitet werden, für einen ungeheure Spannung auf der Leinwand sorgen könnten. Auffällig ist natürlich, dass die Welt scheinbar dem Untergang entgegen tritt, und besonderns interessant ist dabei, dass die Charaktere im Supermarkt nur durch eine riesige Glasscheibe von den Monstern draussen geschützt sind. Durch diese nur sehr dünne Schutzschicht entsteht natürlich ein großes Gefahrenpotential, das durch die ekelhaften Monster auch standesgemäß gefüllt wird.

Doch abgesehen von der offensichtlichen Horrorebene, gibt es auch noch eine wesentlich interessantere Ebene, die in Der Nebel jedoch leider nicht perfekt ausgearbeitet wurde. Denn die Geschichte würde eine ganz andere Dimension erreichen, wenn der interne Streit der Gruppe, der zeigt, dass der Mensch, wenn man ihn in Panik und Todesangst versetzt, das größte Monster von allen ist, besser umgesetzt wäre. Denn abgesehen davon, dass Mrs. Carmody, die mit ihren religösen Predigten so scheint als hätte sie die Lösung zu allem und die Leute aufhetzt um die Ungläubigen zu opfern, die wahrscheinlich hassenswerteste Filmfigur der letzten Zeit ist, leidet diese Passage an der viel zu simplen Herangehensweise.

Es gibt nur wenige Figuren, die überhaupt so etwas wie Profil bekommen, und gerade in einem solch klaustrophobischen Film, der großteils am selben Ort spielt, wäre es wichtig, dass man mit starken Charakteren arbeitet. Und selbst die Figuren, denen man Aufmerksamkeit widmet, sind reine Schablonen, die jedes Klischee perfekt ausfüllen. Dies ist insofern so schade, hatte doch Frank Darabont in seinen anderen King-Verfilmungen gerade ein so gutes Händchen für die Charaktere bewiesen, sodass diese immer die Höhepunkte seiner Werke waren.

In Der Nebel scheint es nun so, als könnte er sich nicht entscheiden was er machen will. Denn die zwischenmenschliche Geschichte ist als durchwegs ernsthaft zu betrachten, allerdings leidet die Horrorebene an ausserordentliche schwachen CGI Effekten, die stellenweise an die typischen B-Movie King-Verfilmungen erinnern, und der Atmosphäre sehr zusetzen. Zwar bessern sich die Effekte im Laufe des Films, aber der erste Auftritt der Monster aus dem Nebel, die sich mit grauenhaften CGI Tentakeln eine unwichtige Nebenfigur schnappen, ist ein solcher Stimmungskiller, dass man sich lange nicht davon erholt.

Dabei ist allerdings keinenfalls alles schlecht an diesem Film, vielmehr ist es ein ständiges auf und ab, was leider sehr schade ist, da es deutlich zeigt, welche Möglichkeiten hier verschleudert wurden. Zu Beginn neigt Stephen King immer dazu genügend Zeit zu investieren, um die Charaktere einzuführen, und sie dem Zuseher sympathisch zu machen. Zwar fällt dieser Aspekt in Der Nebel relativ kurz aus, basiert der Film doch immerhin auf einer Kurzgeschichte, aber die amerikanische Kleinstadtatmosphäre wird dennoch ausserordentlich stimmungsvoll inszeniert und liefert einen guten Einstieg in den Film.

Der Mittelteil des Films ist dann die bereits erwähnte Berg- und Talfahrt, die sich leider nur auf Durchschnittsniveau bewegt. Zwar baut der Film durchaus eine gute Endzeitstimmung auf, und kann das Interesse für den Zuseher wecken, jedoch wird die Stimmung immer wieder durch die verschiedendsten Patzer zerstört. Wirklich peinlich ist allerdings, dass zu Beginn noch eine relativ kleine Gruppe im Supermarkt ist, und dann als sich Mrs. Carmody mehr und mehr durchsetzt (was allerdings viel zu hektisch inszeniert wurde), sieht man im Hintergrund ständig eine Armada an Leuten, die man nie vorher gesehen hat, und somit bekommt Der Nebel noch eine größere Prise B-Movie Flair, als ihm gut tut.

Diese auftretenden Schwächen sind umso ärgerlich, wurde doch der leuchtendste Pluspunkt des Films hier noch gar nicht erwähnt. Denn abgesehen davon, dass Der Nebel selbst im schwankenden Mittelteil interessant bleibt, sind die letzten 15 Minuten des Films so dermaßen brillant, dass sie sich locker einige Klassen über dem restlichen Film bewegen. Der überraschende Schluss widerspricht wohl jeder Hollywoodregel und darf sich zu den kompromisslosesten Sequenzen seit sehr langer Zeit zählen. Das Ende kommt einem Nierenschlag gleich und lässt den Zuseher perplex zurück. In der Tat ist die Schlusssequenz so gut, dass ich den Film alleine deswegen und trotz seinen Schwächen weiterempfehlen würde. Denn einen so brutalen Schlusspunkt wird man wohl lange nicht mehr erleben.

Fazit:
Der Nebel ist ein Film, der auf gewisser Weise äusserst schwierig zu bewerten ist. Denn obwohl der Film über sehr viele Schwächen verfügt, die sich ganz einfach nicht leugnen lassen, und die eine höhere Wertung ausschließen, bleibt der Film doch zumindest ständig spannend und interessant, auch wenn die schwachen Effekte zeitweise nerven. Auch die Figuren wirken etwas platt und so fällt die ansich gute Geschichte rund um den Zwist in der Gruppe leider nur auf durchschnittliches Niveau. Aber trotz dieser Schwächen sollte man sich den Film ansehen. Warum? Jeder der den kompromisslosen Schluss (der einer der beeindruckendsten der letzten Zeit ist) gesehen hat, wird wissen warum.

Wertung:
6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.1/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 22
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