Ein Mann kämpft allein

OT: -  97 Minuten -  Drama
Ein Mann kämpft allein
Kinostart: 18.03.1979
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Ein Mann kämpft allein

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Über die ersten Gehversuche als Autor für TV-Serien wie „Vega$“ gelang Michael Mann („Heat“, „Collateral“) an das Skript „The Jericho Mile“ von Patrick J. Nolan. Im Auftrag von ABC sollte er als Autor und Regisseur den Stoff in Spielfilmformat umsetzen. Unzufrieden mit dem zu freundlichen und in seinen Augen zu realitätsfernen Grundtenor der Vorlage, schrieb er die auf wahren Tatsachen beruhende Geschichte des Gefangenen Larry „Rain“ Murphy (Peter Strauss) um und bemühte sich um einen raue und grimmige Stimmung – mit Erfolg. 3 Emmys heimste „The Jericho Mile“ und legte damit den Grundstein für Michael Manns Karriere.

Obwohl ihm hier offensichtlich an allen Ecken und Enden noch die Möglichkeiten fehlten seine Ideen umzusetzen, so spürt man auch bei diesem Frühwerk schon Manns penible Detailbesessenheit, die sorgfältigen Recherchen und das authentische Flair. Denn gedreht wurde „The Jericho Mile“ im U.S. Staatsgefängnis Folsom mit einer Vielzahl von Komparsen, die direkt aus den Insassen rekrutiert wurden. Wer sich für die Dreharbeiten, Manns Vorbereitungen, tödliche Vorfälle und Anekdoten interessiert, sollte sich übrigens den Band „Michael Mann“ von „F.X. Feeney zulegen. Dort finden sich ein paar interessante Passagen wieder, wie unter anderem mit den Bandenführern verhandelt wurde, man sie zur Mitarbeit bewegte und die Sicherheit der Filmcrew gewährleistete. Ganz ungefährlich war es trotzdem nicht.

Die beschränkten Möglichkeiten einer TV-Produktion hindern Michael Mann leider die gewohnt intensive Auseinandersetzung mit seinen Hauptfiguren formvollendet zu pflegen. Sie kommen dieses Mal etwas zu kurz beziehungsweise erhalten nicht Dimensionen, die man später von Manns Film gewohnt sein sollte. Das Lauftalent Larry Murphy sitzt wegen Mordes ein und akzeptiert seine Strafe auch, weil er zu seiner Tat steht. Sein Vater schlug und vergewaltige seine Stiefschwester, worauf Murphy dazwischenging und seinen Vater umbrachte. Nun isoliert er sich im Gefängnis möglichst von dem Rest der Häftlinge, gilt daher als Einzelgänger, der sich von allen Gruppierungen fernhält und den Ärger meidet. Frei fühlt er sich, wenn er im Gefängnishof seine Runden dreht. Und er ist schnell. So schnell, dass er die Qualifikation für die Olympischen Spiele schaffen könnte.

Das Schicksal dieses Mannes, der diese Offerte zunächst desinteressiert ausschlägt, geht mit der Schilderung der sozialen Strukturen einher. Ethnische Gruppierungen teilen sich das Gefängnis in ihre Territorien ein, üben ihre Machtpositionen aus und scheuen auch vor Morden nicht zurück, wenn es ihren Interessen weiterhilft. In Ermangelung eines ausreichenden Finanzrahmes fehlt aber der von Michael Mann sonst so geprägte, edle Stilwillen. Die Intention hinter diesem Film scheinen zwar durch, wirken aber nicht so ausgefeilt, wie man das von Mann später gewohnt sein soll. Dargestellt wird der Mikrokosmos, in dem sich einige mit Sport oder eine häuslichen Gestaltung ihrer Zelle die freie Welt simulieren, zwar ausreichend, aber die Neuigkeiten und Interpretationen fehlen schlicht. Der nüchtern mit seiner Situation umgehende Murphy ist zwar eine recht interessante Figur, aber es schien die Zeit zu fehlen sich ausführlicher mit ihr auseinander zu setzen. Vielleicht wirkt gerade der fast dokumentarische Regiestil der Tiefenzeichnung der Figuren entgegen. Mann erklärt nicht viel, setzt Musik dezent ein und beobachtet viel mehr als stiller Teilnehmer besonders in den ersten Minuten, bevor die eigentliche Handlung einsetzt.

Das Zusammenspiel von Musik und Geschehen, bekanntlich auch eines seiner Stilmittel, taucht vor allem in Murphys Trainingseinlagen immer wieder auf und bemüht sich um eine ästhetische Wirkung, die soweit auch funktioniert. Melancholie dringt durch, wenn auch nur schwach. So muss Murphys geschwätziger Zellennachbar dran glauben, als er sich mit Dr. D (Brian Dennehy, „First Blood“, „F/X“) einlässt, um einen vorzeitigen Besuch seiner Frau zu ermöglichen. Als ihn stattdessen eine völlig Fremde gegenübersteht, bemerkt er zu spät, dass er als Drogenkurier eingespannt worden ist. Seine Weigerung führt zu seinem brutalen Tod und ist gleichzeitig die Initialzündung für Murphy, der Rache will. Für eine Gegenleistung nimmt er doch an den Auswahlen teil und verbrennt genüsslich im Gefängnishof das Vermögen Dr. Ds, den er sich damit zum ewigen Feind macht, vor dessen entsetzen Augen. Dass ein Funktionär längst beschlossen hat ihn trotz aller seiner Leistungen nicht zuzulassen, ist ihm bis dato noch gar nicht bewusst. Also trainiert er in dem Bewusstsein, dass jeder Atemzug sein letzter sein könnte und eint mit seiner Art sogar die rivalisierenden Banden.

Obwohl die Frequenz der Klischees recht gering ausfällt, muss man so ehrlich sein und zugeben, dass „The Jericho Mile“ trotz aller Ambitionen so schrecklich viel Neues nicht zeigt. Vor allem das Alltagsleben mit seinen rauen Sitten in einem amerikanischen Gefängnis kennt man so oder ähnlich bereits als artverwandten Filmen, die das Thema ähnlich angehen. Murphy und seine läuferischen Fähigkeiten grenzen Michael Manns Spielfilmdebüt zwar ein gutes Stück ab und prominente Schauspieler wie etwa Ed Lauter („The Longest Yard“, „Yukon“), Geoffrey Lewis („Double Impact“, „Joshua Tree“), Roger E. Mosley („Magnum“, „Pentathlon“) supporten auch nach Kräften, der Nimbus eines Mann-Films geht dem Geschehen trotzdem ab.

Fazit:
Wenn auch das melancholische Ende „The Jericho Mile“ zufriedenstellend abrundet, kann Michael Mann hier noch nicht alles das umsetzen, was er sich ursprünglich vorgenommen hatte. Parallelen zu „L.A. Takedown“ sind offensichtlich. Der Film zeigt aber wenig, was man nicht schon aus anderen Gefängnisfilmen kennt. Unterschiede sind nur sauber recherchierte Details, die aber wirklich nur dem Zuschauer auffallen, der sich eingehender mit der Thematik beschäftigt. Da man hier mit einer TV-Produktion konfrontiert wird, deren limitierte Möglichkeiten Mann kaum neutralisieren kann (u.a. eine meist biedere Optik), bleibt ein zufriedenstellendes, aber genauso wenig euphorisches Fazit übrig. Das Schicksal von Murphy geht dem Zuschauer leider weniger näher als es eigentlich sollte und Michael Mann kann seine gewohnt ästhetische Inszenierung auch nicht so umsetzen, wie er sie später pflegte. Demzufolge ein Film für Mann-Fans oder Zuschauer, die sich für das Frühwerk des Regievirtuosen interessieren.

Wertung:
5/10 Punkte

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