Auf Bösem Boden

OT: -  82 Minuten -  Horror / Komödie
Auf Bösem Boden
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
2464
Bewerten:

Filmkritik zu Auf Bösem Boden

Von am

Mit dem Namen Peter Koller werden momentan nur die wengisten der Leser etwas anfangen. Bis vor kurzem umfasste seine Filmographie den Kurzfilm Arafat vs. Sharon, den man am besten nur schnell als erste Schritte abhakt und den Kurzfilm Skrypt, bei dem es sich schon eher lohnt einen näheren Blick darauf zu werfen, denn das wundervolle visuelle Verständnis von Koller und sein Engagement sind hier bereits sehr deutlich zu erkennen. Nachdem er sich also bereits mit Skrypt einen Namen in der Szene machte, schaffte es der äusserst talantierte Regisseur doch tatsächlich seine neuste Schreckensvision in Spielfilmlänge zu realisieren, und gemeinsam mit Novotny & Novotny ein Budget von 50.000 Euro aufzutreiben. Doch von dieser No Budget Ausgangslage ist im fertigen Film nur mehr wenig zu erkennen.

Romeo (Aleksandar Petrovic) und Julia (Birgit Stauber) führen eine etwas seltsame Beziehung, denn wo sich andere Paare ihre Liebe beschwören und Zärtlichkeiten austauschen, beschimpfen sich die beiden und geben sich ihren animalischen Sexspielchen hin. Als sich die beiden gemeinsam ein Loft ansehen, das in einer verfallenen Fabrik gelegen ist, verliebt sich Julia sofort in die neue Umgebung und will zuschlagen, doch leider sind sie gerade einem sehr seltsamen Makler (Faris Endris Rahoma) in die Fänge geraten und der Besitzer des Grundstücks (Kari Rakkola) ist gar ein handfester Psychopath. Doch Romeo und Julia sind keinesfalls normale Opfer, sondern haben wahrscheinlich noch einen größeren Schaden als die beiden Serienkiller...

Nach dem Betrachten von Auf Bösem Boden, wird wohl ein gänzlich unerfahrener Zuseher gar nicht realisiert haben, dass er sich gerade einen No Budget Film angesehen hat. Denn das Budget von 50.000 Euro sieht auf der Leinwand nach einem Vielfachen aus, und die viele Arbeit die von den Filmemachern investiert wurde (man beachte nur die genialen Berichte auf Hackermovies.com), hat sich wahrlich ausgezahlt. Gedreht auf einer Canon XL2 mit P+S Mini35 Adapter, braucht sich die Optik des Films nicht hinter Filmen zu verstecken, die auf echtem Filmmaterial gedreht wurden.

Die ausgezeichnete Kameraarbeit von Marcus Stotz ist wohl das auffälligste Merkmal, das sofort ins Auge sticht, aber man soll das Lob hier nicht nur auf einen verteilen, denn einmal ganz davon abgesehen, dass bei einer solchen Produktion immer das gesamte Team gefordert ist und wohl auch bis an die körperlichen Grenzen geführt wurde, ist es unmöglich mit dieser Ausstattung solche Bilder zu erzeugen ohne die dazu gehörige Nachbearbeitung am PC, die in diesem speziellen Fall von Peter Hacker durchgeführt wurde, der die digtialen Bildern auf solch kreative Weise aufpoliert, dass sie dem unerfahrenen Auge wohl wirklich wie gewöhnliches Filmmaterial vorkommt. Natürlich erkennt man als erfahrener Kinogänger die Unterschiede, aber Auf Bösem Boden sieht so gut aus, wie ich es aus keinem anderen Film, der auf MiniDV gedreht wurde kenne.

Doch all dies wäre nicht möglich gewesen ohne das ausgezeichnete visuelle Verständnis von Regisseur Peter Koller, der ja bereits in Skrypt etwas von seinem Talent aufblitzen ließ. Nach Auf Bösem Boden ist es wohl unwiderlegbar, dass dieser Regisseur seine Zukunft beim Film finden muss, denn was er hier an Kreativitiät bietet, lassen sehr viele Filmemacher vermissen. Man mag zum sehr speziellen Drehbuch von Auf Bösem Boden stehen wie man will, und besonders Filme die etwas Eigenständiges bieten werden immer sehr konträr aufgennommen, aber das Talent, das Koller mitbringt ist unübersehbar und selbst Zuseher die mit der Thematik des Films nichts anfangen können, werden die handwerkliche Meisterleistung nicht leugnen können. Auf Bösem Boden erhält durch seine ausgefallenen Kamerawinkel und vor allem den überaus flüssigen Schnitt eine solche Dynamik, dass man sich wünschen würde, dass sich einige Hollywoodregisseure hier eine Scheibe abschneiden.

Der österreichische Film wird gerne auf Komödien mit Kabarettisten und ernüchternde Sozialstudien reduziert. Wenn man diesen beiden Punkten noch die Low Budget Dokumentationen hinzufügt, hat man das Sortiment allerdings auch schon wirklich gut aufgelistet. Es ist noch gar nicht so lange her, dass man versuchte mit dem Teenie-Horrorfilm In 3 Tagen bist du tot ein eher breiteres Publikum anzulocken und auch die kommende Falco Biographie wird mit Sicherheit genügend Besucher anziehen. Auf Bösem Boden bewegt sich hier auf einem Territorium, dass für den österreichischen Film sehr ungewohnt ist und obwohl sich das Publikum wohl köstlich amüsieren würde, hat sich noch immer kein österreichischer Verleih gefunden (dies kann durchaus als Aufforderung verstanden werden, falls jemand von den Filmverleihern das hier liest).

Auf Bösem Boden ist ein unterhaltsames Trashspektakel, das in nicht wenigen Stellen an die Frühwerke eines Peter Jackson erinnert. Ähnlich wie in Bad Taste oder Brain Dead versucht auch Peter Koller einen humoristischen Zugang zur Gewalt zu finden, doch während diese beiden Filme hauptsächlich als spaßige Funsplatter wirken, hat Auf Bösem Boden (obwohl der Film auch garantiert eine Party-Granate ist), noch eine weitere Ebene, die speziell in der heutigen Zeit der Torture-Porn Filme äusserst unterhaltsam ist. Denn die Opfer sind keine gesichtslosen Niemande, wie sie in den Saw Filmen so gerne verheizt werden, sondern selbst absolute Psychopathen, bei denen im Zusammentreffen mit anderen Psychopathen ein durchaus interessanter Effekt eintritt.

Denn beiden Seiten lassen sich kaum voneinander beeindrucken, und so kommt es zu höchst bizarren Situationen. Zum Beispiel wird "Held" Romeo relativ frühzeitig in einem Erdloch verscharrt, sodass nur mehr sein Kopf im Freien bleibt und im Folgenden von einem Psychopathen gequält. Genüßlich ballert dieser mit seinem Gewehr Büchsen von Romeos Kopf, und pisst ihm auf selbigen, doch von Romeo gibt es keine ängstliche, sondern höchstens eine trotzige Reaktion, die vom genial over the top spielenden Aleksandar Petrovic auch köstlich dargestellt wird. Julia steht ihm da in nichts nach, sondern zeigt sich nicht einmal von einer Vergewaltigung sonderlich beeindruckt und muss es sich sogar gründlich überlegen ob sie ihrem Freund überhaupt zur Hilfe eilt. Diese sehr spezielle Figurenkonstellation ist nicht nur zum Schießen komisch, sondern auch die perfekte Demontage des Torture-Porn Genres.

Auch für die Verfolgungsjagden hat sich Peter Koller etwas sehr spezielles einfallen lassen und inszeniert sie mit fröhlicher Musik, sodass sie wie aus einem Comic entsprungen wirken. Die Tagline des Films lautet "Sergio Leone meets Tom & Jerry" und treffender könnte man es wohl auch nicht beschreiben. Besonders erwähnt sei auch der Sergio Leone Anteil im Film, denn es ist nicht nur augenscheinlich, dass die Figuren mit ihren Namenseinblendungen während eines Freeze Frames im Stile eines Zwei glorreiche Halunken eingeführt werden, sondern die gesamte visuelle Ästhetik des Films erinnert sehr an die staubtrockenen Bilder eines Leone Films und mit dem dazupassenden gestörten Figuren liefert Auf Bösem Boden eine ansprechende Vision von einem gestörten Hinterwäldler-Spätwestern in Österreich. Passend dazu auch der Soundtrack, der zwischen humorvollen Passagen und Westernanspielungen hin- und herpendelt.

Ein wesentlicher Aspekt, der für Unterhaltung sorgt ist auch der sehr trashige Unterton, der stets beibehalten wird. Besonders auffällig sind hier die Figuren, die so durchgeknallt und weltfremd (auf eine gute Weise) sind, dass sie nur aus einem Trashfilm stammen können. Da wirkt es auch sehr passend, dass die Schauspieler nicht das Niveau einer Großproduktion erreichen (aber auch ein Stück vom Debakel normaler No Budget Filme entfernt sind), und in sehr vielen Szenen dazu neigen sehr übertrieben zu spielen. Doch was in einem normalen Film störend wirkt, fügt sich hier nur nahtlos in das gestörte Szenario des Films ein. Besonders erwähnenswert sind Aleksandar Petrovic, der irgendetwas ansich hat, dass das Interesse des Zusehers stets auf sich zieht, und Birgit Stauber, deren Rolle sehr viel Körpereinsatz erfordert. Für Lacher sorgt auch ein Türklingeleffekt der scheinbar aus dem Chatprogramm ICQ übernommen wurde, und viele weitere Kleinigkeiten, die der Zuseher selbst für sich entdecken muss.

Ist Auf Bösem Boden deshalb ein fehlerfreier Film? Natürlich nicht, denn wenn man ganz objektiv vorgeht hat der Film natürlich einige Schwächen, allen voran die dramaturgischen Probleme, die speziell im letzten Drittel den Film etwas in die Länge ziehen. Doch man soll sich hier gar nicht allzu lange mit solchen Dingen aufhalten, denn Auf Bösem Boden ist eine trashige Unterhaltungsgranate, die für gute Laune sorgt, und am Ende auch noch die wahrscheinlich beeindruckendste Special Effects Aufnahme liefert, die je in einem Film dieser Budgetklasse verwendet wurde. Kreativität und Ellenbogeneinsatz sei dank, dass aus Auf Bösem Boden ein Film wird, der durch seine Skurrilität und seine surreale Atmosphäre einfach nur zum Schießen komisch ist, und der nichts mehr von einem No Budget Film ansich hat. Abschließend bleibt eigentlich nur mehr eine Frage: Warum kommt der Film in Frankreich ins Kino, und das heimische Publikum muss auf diesen kreativen Vertreter der eigenen Filmindustire verzichten?

Fazit:
Auf Bösem Boden ist eine geniale Trashparade im Stil eines Bad Taste, eingefangen in wunderschöner Italo-Western Optik, und mit einer solchen Ironie vorgetragen, dass man über Filme wie Hostel und den Saw-Fortsetzungen nur noch lachen kann. Das was Peter Koller und sein Team hier geleistet hat, hat nichts mehr mit einem No Budget Film zu tun, denn die 50.000 Euro die der Film gekostet hat, sehen wie ein vielfaches davon aus. Die Optik ist so wunderschön, dass es eher an echtes Filmmaterial, als an MiniDV erinnert und mit den genialen Kameraeinstellungen und dem schwungvollen Schnitt erreicht der Film ein technisches Spitzenniveau. Natürlich ist der Film nicht perfekt, denn das Drehbuch weist doch einige dramaturgische Schwächen auf und viele werden mit der Thematik wohl gar nichts anfangen, aber das Talent von Peter Koller wird hier so stark zur Schau gestellt, dass man es gar nicht übersehen kann, und auf handwerklicher Ebene (einmal von der etwas schwachen Synchronisation abgesehen) ist Auf Bösem Boden ein ganz großer Film geworden. Mit Freude erwarte ich das nächste Werk von Peter Koller!

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 3
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
33%
7 /10
33%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
33%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Shaun of the Dead
Im Land der Raketenwürmer
A Nightmare on Elm Street
28 Days Later
The Descent
Hostel
28 Weeks Later
Resident Evil 3: Extinction
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von shitneyy
Erstellt: 20.05.2015