An ihrer Seite (2006)

OT: Away from Her - 110 Minuten - Romantik / Drama
An ihrer Seite (2006)
Kinostart: 25.01.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu An ihrer Seite

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Alzheimer ist eine Krankheit, die man in unserer heutigen Welt nich mehr unterschätzen sollte. 1906 wurde sie das erste Mal diagnostiziert und mittlerweile leiden weltweit 24 Millionen Menschen an Demenz, davon sind 60% der Fälle auf Alzheimer zurückzuführen. Vorwiegend über dem 65. Lebensjahr antreffend, zeigt sich die Krankheit zunächst durch leichte Vergesslichkeit und endet nicht selten in vollkommenem Realitätsverlust, dabei ist es für die Betroffenen besonders schlimm, dass die Krankheit nicht heilbar ist, sondern durch Medikamente höchstens verzögert werden kann. Wenn man nun diese Thematik in einem Film vorfindet, muss man allerdings befürchten, dass das Gezeigte in klassischem Hollywoodkitsch untergeht und als relativ weltfremd gezeigt wird. Schön dass An ihrer Seite hier zeigt, dass es auch anders geht.

Fiona (Julie Christie) und Grant (Gordon Pinset) sind bereits seit 50 Jahren verheiratet und sind trotz früherer Probleme ein glückliches Paar. Doch als Fiona immer stärker an Gedächtnisverlust leidet und sich schließlich untersuchen lässt, kommt eine für beide erschütternde Diagnose: Alzheimer. Fiona beschließt sich selbst in ein Pflegeheim einweisen zu lassen, das auf Alzheimer spezialisiert ist und nun ist das Ehepaar zum ersten Mal in ihrem Leben voneinander getrennt. In den ersten 30 Tagen darf Grant seine Frau nicht besuchen, damit sie sich besser einleben kann, doch als diese Zeit um ist, und Grant seine Frau wieder besucht, muss er feststellen, dass diese nicht mehr die selbe ist, sondern ihre Zuneigung Aubrey (Michael Murphy), einem anderen Heimbewohner schenkt...

Bei vielen Kritikerpreisen in diesem Jahr gab es ein heißes Rennen um den Preis für den Besten Debütfilmemacher. Von vielen Seiten wurde Ben Afflleck für seinen großartigen Film Gone Baby Gone ausgezeichnet und jeder der den Film gesehen hat, wird bezeugen können, dass dieser Award mehr als gerecht ist. Doch man war nicht immer einer Meinung, denn auch Sarah Polley wurde für An ihrer Seite des Öfteren mit dem selben Award beehrt, und so wechselten die Auszeichnung von Award zu Award zwischen diesen beiden Filmemachern. Man mag zunächst noch skeptisch sein, ob es An ihrer Seite verdient dem starken Gone Baby Gone seine Awards wegzuschnappen, aber sobald man ihn gesehen hat, verschwinden die Zweifel wie im Flug.

Jeder der sich mit dem Inhalt von An ihrer Seite vertraut gemacht hat, der wird die große Fehlerquelle erkennen, die diesem Film vorausgeht. Denn die Story der an Alzheimer erkrankten Frau, die schließlich im Pflegeheim beginnt sich von ihrem geliebten Mann zu entfernen, und sich jemand anders zuzuwenden und die daraus resultierende Eifersucht, welche die Beziehung noch weiter belastet hat förmlich den Stempel mit der Aufschrift "Hollywoodkitsch" aufgedrückt. Man kennt es ja aus der Traumfabrik nur zur genüge, dass man sich eines ernsten Themas bedient, in diesem Fall Alzheimer, und dieses nur als Vorwand benutzt um wie gewohnt auf die Tränendrüse zu drücken.

Doch zum Glück beweist der Film, dass diese Vorurteile ungerecht sind, denn wie sich Sarah Polley an diese Thematik heranwagt ist schlicht beeindruckend. An ihrer Seite ist ein ausserordentlich ruhiger Film, der sich genügend Zeit nimmt um die Figuren zu beleuchten und die Charaktere zu entwickeln. Ohne Hektik baut man eine Beziehung zu dem alten Ehepaar auf, und leidet förmlich mit ihnen mit, wenn man mitansehen muss, wie sie unaufhaltsam auseinanderdriften und man einsehen muss, dass sie nichts dagegen unternehmen können.

Alzheimer wird nicht als bloßes Thema in den Raum gestellt, das nur dazu dient um interessierte Zuseher in die Kinos zu locken, die Krankheit wird als die finale Kraft gezeigt, die einen Menschen für immer verändert. Man mag vielleicht argumentieren können, dass man es vermeidet die Krankheit in seiner schonungslosen Zerstörungskraft zu zeigen, und dies ist als Kritikpunkt auch durchaus zulässig, aber es ist Sarah Polley sehr hoch anzurechnen, dass sie die vielen möglichen Klischees sehr gekonnt umschifft, und sich auf die wahre emotionale Kraft der Geschichte stützt.

Vor allem ist An ihrer Seite allerdings ein Film, der großteils durch seine beiden Hauptdarsteller lebt. Natürlich ist Sarah Polleys Inszenierung (vor allem für einen Debütfilm) ausserordentlich stilsicher und gelungen, allerdings bleiben als Highlights die unglaublich fesselnden Darbietungen von Julie Christie und Gordon Pinset in Erinnerung. Gordon Pinset ist derjenige mit dem der Zuseher vor allem auf emotionaler Ebene mitleidet, aber die Galavorstellung gehört Julie Christie, die sich mit ihrer großartigen Darbietung sehr für einen Oscar empfiehlt. Insgesamt gesehen ist An ihrer Seite ein Film, den sich Freunde von ruhigen und anspruchsvollen Filmen nicht entgehen lassen sollen.

Fazit:
An ihrer Seite ist der lebende Beweis dafür, dass es mit einer stilsicheren Filmemacherin am Ruder durchaus möglich ist, auch große Fallen zu umschiffen. Denn es ist wirklich beeindruckend wie Sarah Polley es hier schafft den Klischees auszuweichen, die sich in dieser Geschichte förmlich anbieten. Stattdessen serviert sie einen sehr beeindruckenden, ruhigen Film, der sich ganz auf die Charaktere stützt und es trotz Subtilität schafft eine ungeheuer kraftvolle emotionale Wucht zu erreichen. Ein sehr rührender und bemerkenswerter Film!

Wertung:
8/10 Punkte








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Liste von celinaah
Erstellt: 24.12.2015