Juno

OT: -  92 Minuten -  Komödie / Drama
Juno
Kinostart: 21.03.2008
DVD-Start: 03.05.2013 - Blu-ray-Start: 03.05.2013
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Filmkritik zu Juno

Von am

Am Ende des Jahres ist es üblich, dass jeder Kritiker seine persönliche Rangliste der, seiner Meinung nach besten Filme des vergangenen Jahres zusammenstellt und diese der Öffentlichkeit präsentiert. So darf natürlich auch nicht die Top 10 Liste des amerikanischen Starkritikers und Pulitzerpreisträgers Roger Ebert fehlen, der nicht nur von Kollegen, sondern auch vom Publikum sehr geschätzt wird. Und in diese Liste schlich sich eine handfeste Überraschung, denn seine Nummer 1 des Jahres 2007 war weder der viel gelobte Film der Coen Brüder No Country for Old Men, noch der andere Kritikerliebling There Will Be Blood. Roger Ebert setzte Juno als seinen Film des Jahres, und somit verdient sich dieser Film zumindest einmal Aufmerksamkeit.


Juno MacGuff (Ellen Page) ist ein Teenager wie viele andere auch, aber im Detail dann doch etwas anders gepolt. Denn Juno scheint schon überraschend selbstbewusst zu sein, wirkt als würde sie sicher im Sattel des Lebens hocken, und kann sich mir ihrem Charme locker durch ihr Leben manövrieren. Doch all das geht schnell den Bach hinunter, als sie eines Tages beschließt mit ihrem besten Freund Bleeker (Michael Cera) zu schlafen und aus der ansich gewöhnlichen Erfahrung ein Umstand wird, der ihr Leben verändert: Juno wird schwanger.


Nun steht sie also vor diesem riesigen Problem, das sich wohl nicht allzu lange verbergen lassen wird, und überlegt wie man als 16-jährige mit all dem fertig werden muss, denn abgesehen von den physische Problemen, muss es auch den Eltern beigebracht werden, was natürlich auch bedeutet, dass diese wissen dass ihre Tochter sexuell aktiv ist, was Juno nicht gerade Freude bereitet. Entgegen ihren Erwartungen zeigen sich ihr Vater (J.K. Simmons) und ihrer Stiefmutter (Allison Janney) jedoch sehr verständnisvoll, und Juno weiß auch schon was sie mit dem Baby machen möchte: Sie möchte es an Adoptiveltern weitergeben, die selbst keine Kinder haben können und bald schon entdeckt sie das perfekt passende Paar Mark (Jason Bateman) und Vanessa Loring (Jennifer Garner), doch nicht immer ist alles so perfekt wie es scheint...


Jason Reitman
machte erst kürzlich durch seine durchaus gelungene Satire Thank you for Smoking auf sich aufmerksam, die ihm unter anderem den Preis als Bester Debütregisseur vom National Board of Review einbrachte, und es dem Sohn des Regisseurs Ivan Reitman ermöglichte seinen eigenen Weg in der Branche zu gehen. Für Juno schließt sich der talentierte Filmemacher mit der Autorin Diablo Cody zusammen, die mit Juno ihr erstes Drehbuch verfasste, welches sie an einer Geschichte aus ihrer Jugend anlehnte, da eine Freundin von ihr selbst als Teenager schwanger wurde. Dabei versuchte sie die Sprechweise der Jugendlichen aus ihren Gedanken wiederherzustellen, und somit ein Portrait zu erschaffen, welches auf der einen Seite zeitgemäß ist, aber auf der anderen Seite auch etwas vergangenes in sich trägt.
 

Durch diese Mischung erzeugt Juno einen beinahe unwiderstehlichen Retro-Charme, der den Zuseher sofort gefangen nimmt. Von vielen Seiten wird Juno gerne als der Little Miss Sunshine des heurigen Jahres bezeichnet, und es wäre auch nicht unwahrscheinlich wenn er auch in punkto Awards mit der großen Familienkomödie des vorigen Jahres mithalten könnte. Denn einmal abgesehen davon, dass die gesamte Schauspielerriege großartig spielt, und der Film so sympathisch ist, dass es nur wenige Menschen geben wird, die ihn nicht mögen, schreit gerade das Debütdrehbuch von Diablo Cody nach einer Auszeichnung.


Ihr ist es nämlich zu verdanken, dass Juno über die wahrscheinlich liebenswertesten Charaktere der letzten Zeit verfügt, die sich nicht durch flache Gags in das Herz des Zusehers bomben müssen, sondern die so aus dem Leben gegriffen wirken, dass man sie einfach lieben muss. An der Spitze steht natürlich die titelgebende Juno, die auf der einen Seite aussergewöhnlich stark wirkt, und so erscheint als könnte sie nichts erschüttern, aber auf der anderen Seite eben doch der verletzliche Teenager bleibt, der mit ganz alltäglichen Problemen zu kämpfen hat, und unter anderem nicht weiß ob ihr Freund Bleeker der richtige für sie ist, bzw. weiß sie es eigentlich schon, hat aber noch mit Zweifeln zu kämpfen. Ellen Page spielt diese Juno so versiert und mit ganzem Herz, dass man meinen könnte sie hätte ihr Leben lang nichts anderes gemacht. Sie konnte ja bereits in Hard Candy beweisen, dass sie Talent hat, aber in Juno wächst sie förmlich über sich hinaus und liefert als Mädchen von Nebenan eine wirklich beeindruckende Performance.


Doch nicht nur Juno ist ein wundervoller Charakter, sondern auch alle anderen in dieser Geschichte wissen zu gefallen. Ebenfalls imponierend ist der aus der Spider-Man Reihe bekannte J.K. Simmons, der als Vater so sympathisch ist, dass man sich am liebsten zu ihm setzen würde und einfach nur so drauf losquatschen möchte. Natürlich darf man auch den aus Superbad bekannten Michael Cera nicht vergessen, der mit seiner etwas seltsamen Figur zum Schießen komisch ist, und schließlich bleibt noch das Adoptivehepaar gespielt von Jennifer Garner und Jason Bateman. Jennifer Garner ist dabei verzweifelt auf der Suche nach einem Kind, da sie selbst keines bekommen kann, aber unbedingt eines möchte. Sie ist die wohl tragischste Figur des Films, und spielt so authentisch, dass man als Zuseher gar nicht anders kann als mit ihr mitzufiebern.


Auf den ersten Blick mag Juno noch etwas an den Komödienhit des Jahres Beim Ersten Mal erinnern, da sich die Ausgangslagen der beiden Filme schon verblüffend ähnlich sind: Eine Frau schläft mit einem Mann, und rechnet eigentlich nicht damit, dass dies eine Beziehung ist, die für immer dauert und folgedessen werden in beiden Filmen die Frauen schwanger. Doch an diesem Punkt gehen beide völlig verschiedene Wege. Während in Beim Ersten Mal im Folgenden das ungleiche Paar versuchen muss sich zusammenzuraufen und dabei eine Gagparade die ihresgleichen sucht, abgefeuert wird, verzichtet Juno auf solche augenscheinliche Witze.

Juno beweist Mut und versucht gar nicht erst auf Teufel komm raus Gags in die Szenen zu donnern, sondern beschränkt sich darauf einfach seine Geschichte zu erzählen und die Charaktere für sich wirken zu lassen. Natürlich ergeben sich dabei auch lustige Szenen, aber Juno ist, ähnlich wie Little Miss Sunshine, sicher nicht der Film bei dem man ständig loslachen muss. Im Grunde genommen erzählt Juno eine sehr persönliche Geschichte, die stellenweise mehr wie die heitere Version eines Jungenddramas wirkt. Doch es hat auch seine Gründe warum der Film meistens als Komödie beschrieben wird, denn die Atmosphäre ist so dermaßen herzerwärmend, dass man sich im Film verliert, und in keiner Sekunde heruntergezogen wird, sondern sich ununterbrochen zufrieden und glücklich fühlt. Die perfekte musikalische Kulisse trägt den Rest dazu bei um aus Juno ein leichtfüßiges und heiteres Vergnügen zu machen, das sicher allen Spaß machen wird.


Fazit:

Juno ist ein Film der wohl den meisten Menschen gefallen wird. Dies liegt daran, dass man für knapp 90 Minuten das Kino betritt und dort dann auf Charaktere trifft, die so dermaßen sympathisch sind, dass man sie einfach lieben muss. Auch ist es angenehm, dass man nicht auf Biegen und Brechen Gags in den Film geschrieben hat, sondern einfach die Geschichte und die Figuren wirken lässt. Dies und die ausserordentlich schwungvolle Inszenierung, die durch den sympathischen Soundtrack noch unterstützt wird, sorgt für ein äusserst leichtfüßiges Erlebnis, aus dem wohl der Großteil aller Besucher höchst zufrieden herausgehen wird. Ein sehr sympathischer Film!


Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 54
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